Vincorion-Börsendebüt: Mehr Rüstung zu Händen die Handelszentrum

Dem Frankfurter Parkett steht ein weiterer Börsengang kurz bevor. Wie das norddeutsche Rüstungsunternehmen Vincorion am Montag mitteilte, sind die angebotenen Aktien schon kurz nach Öffnung der Bücher mehrfach überzeichnet. Der Militärzulieferer bietet noch bis Donnerstag gut 20 Millionen Aktien zum Festpreis von 17 Euro je Aktie an.

Damit könnte der bisherige Eigentümer Star Capital, ein britischer Finanzinvestor, 345 Millionen Euro erlösen. Er hatte das Unternehmen vor vier Jahren für 130 Millionen Euro von Jenoptik erworben. Zum Angebotspreis würde das Unternehmen nun mit 850 Millionen Euro bewertet, ein Umstand, der in Jena mit Missmut betrachtet wird und zum vorzeitigen Abschied des Vorstandsvorsitzenden und des Aufsichtsratsvorsitzenden von Jenoptik mit beigetragen haben könnte.

Vincorion-Gewinn um 130 Prozent gestiegen

Vincorion ist spezialisiert auf Energiesysteme und Generatoren an Bord von Panzern, liefert Stabilisierungssysteme für die Zielgenauigkeit von Panzern auch in unebenem Geläuf. Zudem ist man Ausrüster von Feldlagern mit Energie für Küche, Lazarett und zur Aufladung von Drohnen, ob in der Wüste oder im tiefsten Frost, wie der Vorstandsvorsitzende Kajetan von Mentzingen im Gespräch mit der F.A.Z. ausführte. Gerade entwickelt Vincorion erste Feldlager-Systeme für die Bundeswehr. Im zivilen Bereich werden hydraulische und elektrische Winden für die Hubschrauberrettung aus der Luft verkauft, ebenso wie Heizsysteme, damit Abwasserrohre in Flugzeugen nicht zufrieren und keine Kältebrücken an Rettungstüren entstehen.

Im Jahr 2025 steigerte Vincorion seinen Umsatz um 18 Prozent auf 240 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich um 130 Prozent auf gut 19 Millionen Euro. Angesichts dessen wäre die Börsenbewertung mit 850 Millionen eher hoch. Im Falle der Rüstungsunternehmen schauen die Anleger seit Ausbruch des Ukrainekrieges aber vor allem auf die rasant steigenden Auftragseingänge. Hier weist Vincorion derzeit einen Bestand von 1,1 Milliarden Euro aus. Das Unternehmen aus Wedel am Unterlauf der Elbe beschäftigt gut 900 Mitarbeiter, fast ausschließlich in Deutschland.

Vergangene Woche hat mit Gabler ein Marinezulieferer aus Lübeck sein Börsendebüt gefeiert. Mit 350 Millionen Euro ist der Börsenwert geringer, und es wurde das Einstiegssegment Scale gewählt, während Vincorion für das Debüt am Freitag den streng regulierten Prime Standard anstrebt. Privatanleger können auch Aktien zeichnen. Knapp ein Drittel der angebotenen Aktien sind schon Investoren fest zugesagt unter anderem Fidelity, Invesco und Kunden von T. Rowe Price Associates. Dem Unternehmen Vincorion selbst wird kein Erlös aus dem Börsengang zufließen.

Source: faz.net