Einsatz an Straße von Hormus?: Diese Trump-Forderung ist eine Unverschämtheit

Einsatz an Straße von Hormus?Diese Trump-Forderung ist eine Unverschämtheit

16.03.2026, 12:30 Uhr RTL01231-1Ein Kommentar von Volker Petersen
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Trump fordert im Iran-Krieg die Nato-Länder zur Hilfe bei der Öffnung der Straße von Hormus auf. (Archivbild) (Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa)

US-Präsident Trump hat im Iran-Krieg keine erkennbare Strategie und stößt auf erbitterten Widerstand des Regimes. Nun ruft er die Nato um Hilfe. Eine in jeder Hinsicht unverschämte Forderung.

Der US-israelische Krieg gegen den Iran geht in die dritte Woche und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht. Da ist US-Präsident Donald Trump auf eine Idee gekommen: Die Nato soll nun helfen, die Straße von Hormus zu sichern. Was für eine unverschämte Forderung, inhaltlich und im Tonfall erst recht.

Natürlich, die Meerenge ist die Schlüsselstelle dieses Krieges, eine Art Achillesferse der Weltwirtschaft – und die Iraner richten ihre Kanonen nun genau dorthin. Dort stauen sich nun die Frachtschiffe und Tanker. Die Folge: Der Ölpreis ist explodiert.

Das ist vieles, nur keine Überraschung. Es war absehbar, dass das Regime bereit und in der Lage dazu sein würde, die Meerenge zu kontrollieren. Jeder Kenner der Region hätte es Trump sagen können. Aber zuhören ist seine Sache nicht. Sehenden Auges dennoch einen Angriff zu starten, war fahrlässig.

Der nächste Knüppel

So hat Trump die Welt und die Weltwirtschaft leichtsinnig und planlos in Turbulenzen gestürzt. Dieser Krieg ist der nächste Knüppel zwischen die Beine der Verbündeten – nach den feindseligen wie sinnlosen Zöllen und den Grönland-Drohungen. Und je länger der Krieg dauert, desto stärker wächst die Gefahr einer erneuten Flüchtlingswelle, diesmal aus dem Iran nach Europa.

Dabei war es Trump, der nie verlegen darum war, die Nato als obsolet, als Zuschussgeschäft und sonst wie schmarotzerhaft zu titulieren. Natürlich lässt sich über die Lastenteilung zwischen Nordamerika und Europa streiten. Aber Trump hat wie meistens maßlos übertrieben, degradierte das wichtigste Verteidigungsbündnis zu einer Lachnummer, mit der er seine Wahl sichern wollte.

Dabei zeigt sich gerade jetzt wieder einmal, wie wichtig die Nato auch für die USA ist. Die US-Basen in ganz Europa, darunter Ramstein in Deutschland, spielen auch in diesem Konflikt eine zentrale Rolle. Dass die Amerikaner Überflugrechte und riesige Stützpunkte in Deutschland unterhalten dürfen, ist Teil des gemeinsamen Bündnisses. Wie unbequem es für sie werden kann, wenn sie diese Rechte nicht mehr haben, zeigte das Beispiel Spanien. Die dortige Regierung erlaubte es den Amerikanern dieses Mal nicht, zwei gemeinsame Stützpunkte im Land zu nutzen.

Forderung über Zeitung

Erst immer so tun, als könne man alles allein und die Nato-Partner als einen Haufen Loser darstellen, dann aber doch nach ihnen rufen, wenn man sie braucht – das ist schon harter Tobak. Die Art und Weise wie Trump das tat, zeigte einmal mehr seine beschränkten Möglichkeiten, Politik zu machen. Außer Drohen und Schmeicheln kann er nicht viel.

Dem „Wall Street Journal“ sagte er, fast schon im Stile eines Mafia-Bosses, die Folgen für die Nato könnten sehr schlecht sein, wenn sie nicht bei seinem Krieg mitmachte. Per Zeitungsinterview Forderung an Verbündete zu richten, sie aber ansonsten nicht einmal zu konsultieren, das geht gar nicht. So macht man keine Politik, so zerstört man nur weiteres Vertrauen.

Zumal die Folgen für die Nato nach gut einem Jahr Trump II ohnehin schon dramatisch sind. Aus Sicht von Sicherheitsexperten ist das Bündnis so gut wie tot. Die Grönland-Drohungen haben schon gezeigt, dass Trump kein Verbündeter mehr ist. Allenfalls ist er ein von Ja-Sagern umgebener Anfänger im Oval Office, der wild Befehle gibt und guckt, was passiert. Mal bleibt es bei Kurz-Interventionen, wie in Venezuela. Mal nicht – wie im Iran. Abgesehen von seiner Unverfrorenheit, nun Gefolgschaft zu folgen – so einem Präsidenten in irgendeinen Krieg zu folgen, wäre Wahnsinn.

Wer löffelt die Suppe aus?

Last but not least zeigt Trump einmal mehr seine Unkenntnis der Nato. Die ist ein Verteidigungsbündnis, das die USA und Europa beschützen soll. Zum Beispiel vor realen Bedrohungen wie Russland, nicht vor unbewiesenen iranischen Angriffsplänen auf die USA, die doch letztlich einem Selbstmord der Ajatollahs gleichkämen. Für Russland aber ist dieser Krieg ein Geschenk. Waffen gehen in den Nahen Osten statt in die Ukraine, die Öleinnahmen sprudeln wieder und die Weltöffentlichkeit schaut nicht mehr live bei den Kriegsverbrechen in Europa zu.

Trump hat einen Riesen-Schlamassel angerichtet. Und die Verbündeten sollen nun die Suppe mitauslöffeln? Nein, danke. Dieser Krieg geht auf Trumps Konto. Jetzt muss er die Sache wieder in Ordnung bringen.

Quelle: ntv.de

Source: n-tv.de