Jeffrey Epstein soll 17-Jährige zu Mohamed Al Fayed gebracht nach sich ziehen
Neue Aussagen belasten Jeffrey Epstein und Mohamed Al Fayed schwer. Ein Ex-Model berichtet, Epstein habe ihren Aufenthaltsort kontrolliert und sie mit Karriereversprechen an Al Fayed herangeführt, der sie auf einer Jacht missbraucht haben soll.
Ein früheres Model erhebt schwere Vorwürfe gegen Jeffrey Epstein und Mohamed Al Fayed. Die Frau sagte der britischen „Times“, Epstein habe sie als 17-Jährige zu dem damaligen Harrods-Eigentümer gebracht, der sie auf einer Jacht in Saint-Tropez sexuell missbraucht haben soll. Der „Spiegel“ griff den Bericht auf; weitere Vorwürfe zu einem mutmaßlichen System sexueller Ausbeutung waren bereits im Februar bekannt geworden.
Nach dem Bericht der britischen „Times“ soll der US-Sexualstraftäter Epstein demnach Ende der 1990er-Jahre ein 17-jähriges Model an Al Fayed vermittelt haben. Die als „Natalie“ anonymisierte Frau sagte der „Times“, Epstein habe ihren Aufenthaltsort über Jahre kontrolliert und sie mit Karriereversprechen gelockt.
1997 habe er sie per Pager-Nachricht zu einem „sehr einflussreichen“ Mann auf eine Jacht in Saint-Tropez geschickt. Dort habe Al Fayed begonnen, unangemessene sexuelle Bemerkungen zu machen und erklärt, er wolle mit ihr „neue Dinge ausprobieren“. Als sie darum gebeten habe, die Jacht zu verlassen, sei ihr das verweigert worden. Schließlich habe Al Fayed sie sexuell missbraucht.
„Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich mich an diese Behandlung gewöhnt hatte“, sagte die Frau der „Times“. „Ich hatte das Gefühl, ich war nur da, damit Jeffrey zufrieden war. Wenn Jeffrey wollte, dass ich jemanden treffe, dann traf ich den. Alles, damit er mich weiter mochte.“
Erste direkte Verbindung zwischen den beiden Männern
Die Aussage wäre laut „Times“ die bislang erste bekannte direkte Verbindung zwischen Epstein und Al Fayed. Dem Bericht zufolge gibt es zudem Unterlagen zu finanziellen Verbindungen beider Männer. So habe Epstein 2006 Geld an Al Fayeds Luftfahrtunternehmen Harrods Aviation gezahlt. Außerdem hätten Epsteins Privatjets wiederholt VIP-Terminals in Luton und Stansted genutzt, an denen Harrods Aviation Privatflüge abfertigte. In den Epstein-Dokumenten taucht der Name Al Fayed nicht auf, was daran liegen könnte, dass Epstein früher vor allem Pager zur Kommunikation benutzte.
Eine frühere Mitarbeiterin der Fayeds sagte der „Times“, sie sei „fest davon überzeugt, dass Epstein und Fayed miteinander gesprochen, Informationen ausgetauscht und sich gegenseitig bei der Organisation ihrer Menschenhandelsnetzwerke unterstützt haben“.
Weitere Vorwürfe gegen Mohamed Al Fayed und seinen Bruder Salah waren bereits früher bekannt geworden. Mehrere Frauen werfen ihnen ein organisiertes System sexueller Ausbeutung vor. Dabei geht es auch um den Verdacht des Menschenhandels und um den Vorwurf, junge Frauen seien gezielt ausgewählt, isoliert und kontrolliert worden.
Eine frühere Harrods-Mitarbeiterin schilderte, sie sei von Mohamed Al Fayed „ausgewählt“ worden. Vor der Aufnahme in ein Managementprogramm habe sie eine ungewöhnlich umfassende medizinische Untersuchung mit gynäkologischen Tests durchlaufen müssen. Später sei sie als Assistentin von Salah Al Fayed nach Südfrankreich geschickt worden. Auf dem Weg zu einer Jacht an der Côte d’Azur sei ihr der Reisepass abgenommen worden. Statt Büroarbeit zu leisten, habe sie dauerhaft „bei ihm sein“ müssen.
Eine Anwältin von Betroffenen sagte damals, es habe sich um ein „organisiertes System“ gehandelt, in dem junge, verletzliche Frauen gezielt ausgesucht worden seien. Eine weitere Anwältin erklärte: „Diese jungen Frauen waren für sie wie Fleisch – und sie wollten wissen, ob sie zum Verzehr geeignet waren.“ Auch eine frühere Hotelangestellte erhob Vorwürfe wegen wiederholter sexueller Übergriffe und versuchter Vergewaltigungen durch Mohamed Al Fayed im Pariser Ritz.
Vorwürfe gegen Mohamed Al Fayed waren 2024 durch eine BBC-Dokumentation öffentlich geworden. Seither meldeten sich zahlreiche weitere mutmaßliche Betroffene. Laut „Spiegel“ ist inzwischen von mehr als 400 Vorwürfen wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe die Rede.
coh
Source: welt.de