Fluggast-Klagen Rechnung senden Gerichte zunehmend

Flugezuge verschiedener Fluggesellschaften stehen an einem Flughafen.

Stand: 15.03.2026 • 11:56 Uhr

Deutschlandweit wurden im Jahr 2025 mehr als 121.000 Klagen von Flugreisenden registriert. Die Justiz sieht sich dafür nicht ausreichend gewappnet. Künftig könnte aber künstliche Intelligenz Entlastung bringen.

Klagen wegen verspäteter oder stornierter Flüge belasten immer mehr die Gerichte in Deutschland. Im vergangenen Jahr gab es bei den 19 Gerichten an Standorten mit größeren Flughäfen in Deutschland mehr als 121.000 Entschädigungsfälle von Reisenden. Das waren zwar etwa 10.000 weniger als im Vorjahr – allerdings mit 44 Prozent (rund 37.000 Klagen) deutlich mehr als fünf Jahre zuvor, wie der Deutsche Richterbund mitteilte.

Die Verfahren von Fluggästen machen demnach an vielen Gerichten inzwischen deutlich mehr als die Hälfte aller Zivilfälle (etwa 60 Prozent) aus. Bei dem für den Hauptstadtflughafen BER zuständigen Amtsgericht Königs-Wusterhausen liege deren Anteil sogar bei 93 Prozent, hieß es. Die steigenden Zahlen stellten das Gericht „dauerhaft vor erhebliche Herausforderungen“, teilte ein Sprecher mit.

Deutliche Zunahme in Brandenburg und Frankfurt

19.239 Entschädigungsklagen von Reisenden landeten laut Richterbund 2025 bei dem Gericht in Brandenburg – rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bundesweiten Vergleich landete das Gericht damit auf Platz drei. An der Spitze lag das Amtsgericht Köln 2025 mit 22.491 Fällen, gefolgt vom Amtsgericht Frankfurt mit 19.374 Klagen.

Die Kunden verlangen meist Entschädigungen für ausgefallene oder verspätete Flüge, teils geht es auch um Streitigkeiten aus Reiseverträgen. Sie können dabei wählen, ob sie am Sitz der Airline oder am Abflugort klagen. Zunehmend nutzen Menschen Portale, um ihre Ansprüche schnell und einfach durchsetzen können.

KI-Unterstützung in der Testphase

Die Justiz ist aus Sicht des Richterbundes dafür nicht ausreichend gewappnet. „KI-gestützte Richterassistenzsysteme, die eine schnellere Bearbeitung dieser gleichförmigen Massenfälle ermöglichen, befinden sich weiterhin in der Testphase“, sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn. Es fehle eine fertige Standardsoftware, die Fälle in Sekundenschnelle erfasse, mit Urteilen vergleiche, Ansprüche herausfiltere und Entscheidungsvorschläge mache. „Diese KI-Assistenz würde Verfahren vereinfachen und die Gerichte spürbar entlasten“, sagte Rebehn.

Source: tagesschau.de