Phoebe Gates: Auf Schnäppchenjagd mit jener Tochter von Bill Gates

Bill Gates und seine frühere Frau Melinda French Gates haben oft betont, sie wollen nur einen vergleichsweise kleinen Teil ihres Reichtums an ihre Kinder vererben und stattdessen ihr Geld vor allem in wohltätige Aktivitäten fließen lassen.

In einem Podcast im vergangenen Jahr sagte der Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft, seine drei Kinder bekämen weniger als ein Prozent seines Vermögens: „Dies ist keine Dynastie.“ Die Kinder sollten die „Chance“ haben, sich ihren Erfolg selbst zu erarbeiten, und nicht von ihrem Vater „überschattet“ werden.

Phoebe Gates, mit 23 Jahren die Jüngste unter den Gates-Geschwistern, ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und selbst Techunternehmerin geworden. Vor knapp einem Jahr hat sie Phia mitgegründet, einen Anbieter eines virtuellen Shopping-Assistenten, der mit Künstlicher Intelligenz arbeitet.

Prominente Investoren

Gates war jetzt zusammen mit ihrer ein Jahr älteren Mitgründerin und früheren Studienkollegin Sophia Kianni auf der Digitalkonferenz South by Southwest in Austin und gab auf einer Podiumsdiskussion große Ziele aus. Sie sagte, Phia solle „ein Unternehmen für Generationen“ werden.

Dass sie aus der Gates-Familie stammt, hat ihrem Start-up von Anfang an große Aufmerksamkeit beschert. Ihre Eltern haben ihr allerdings nicht bei der Finanzierung von Phia geholfen, das Geld kam bislang von anderen Investoren.

Erst im Januar kündigte das Unternehmen an, 35 Millionen Dollar eingesammelt zu haben, unter anderem von prominenten Wagniskapitalgesellschaften wie Kleiner Perkins und Khosla Ventures. Phia wurde dabei insgesamt mit 185 Millionen Dollar bewertet, ein stattlicher Betrag für ein Unternehmen, das bislang erst um die zwanzig Mitarbeiter hat. Zu den frühen Investoren zählte auch Kris Jenner aus der Kardashian-Familie.

Phia hilft beim Einkaufen von Modeartikeln

Bill Gates sagte der „New York Times“ im vergangenen Jahr, er sei froh, dass seine Tochter ihn nicht gebeten habe, ihr Geld für Phia zu geben. Zwar hätte er ihr das nicht verwehrt, aber vermutlich hätte er dann einerseits versucht, sie „an der kurzen Leine“ zu halten, wäre andererseits aber auch „übermäßig nett“ gewesen.

Phia fällt in die Kategorie sogenannter KI-Agenten, über die in der Technologiebranche derzeit viel gesprochen wird. Solche Programme sind in der Lage, komplexe Aufgaben selbständig auszuführen. Phia soll Nutzerinnen und Nutzern helfen, beim Einkaufen im Internet die besten Angebote für Kleidung, Schuhe oder Accessoires wie Handtaschen zu finden.

Diese Assistenzfunktion wird mit dem Internetbrowser auf Smartphones oder auf Computern verbunden. Wenn Nutzer im Netz ein Produkt sehen, das sie interessiert, können sie über den Phia-Assistenten fragen, ob es sinnvoll wäre, es zu diesem Preis zu kaufen. Ihnen wird dann angezeigt, ob der angezeigte Preis eher niedrig oder eher hoch ist, und gegebenenfalls werden alternative Vorschläge auf anderen Internetseiten gemacht. Phia liefert auch Produktbesprechungen und gibt Empfehlungen ab, die auf die einzelnen Nutzer abgestimmt sind. Das Programm greift dabei auf eine Datenbank mit mehreren hundert Millionen Produkten zurück.

Schwerpunkt auf Secondhand

Secondhand-Ware ist ein wesentlicher Schwerpunkt von Phia, wenngleich auch neue Artikel angezeigt werden. „Auf unserem Planeten gibt es genug Kleidung für die nächsten sechs Generationen der Menschheit“, heißt es auf der Internetseite. Zu den Partnern von Phia gehören einige der prominentesten Onlinehändler, die gebrauchte Produkte anbieten, etwa Ebay oder The Real Real, eine Plattform für Luxusartikel aus zweiter Hand. Wenn Nutzer bei diesen Partnern etwas einkaufen, das Phia empfohlen hat, erhält das Unternehmen eine Provision.

Phia hat derzeit nach eigenen Angaben mehr als eine Million Nutzer. Für sein Wachstum im ersten Jahr macht das Unternehmen nicht zuletzt die Onlinepräsenz seiner Gründerinnen verantwortlich. Gates hat mehr als 550.000 Follower auf Instagram und mehr als 275.000 auf Tiktok. Gates und Kianni haben auch einen gemeinsamen Podcast.

Kennengelernt haben sich die beiden an der kalifornischen Stanford-Universität, wo sie ein Zimmer in einem Studentenwohnheim teilten. Gates hat hier 2024 ihren Abschluss in Biologie gemacht. Die Idee für das Start-up hatte sie schon vorher. Ihre Eltern hätten aber – so erzählte Gates einmal – darauf bestanden, dass sie fertig studiert. Das ist insofern nicht selbstverständlich, weil Bill Gates einst sein Studium an der Eliteuniversität Harvard abgebrochen hat, um sich auf Microsoft zu konzentrieren.

Beim Auftritt von Phoebe Gates in Austin wurden ihre berühmten Eltern überhaupt nicht erwähnt. Sie erzählte zum Beispiel, wie sie ihre Arbeitswochen einteilt und wie sie Personal einstellt. Sie sprach auch darüber, worin sie die Wettbewerbsvorteile von Phia gegenüber Amazon sieht. Sie sagte, ihr Unternehmen könne sich schneller anpassen und sei besser darin, seinen Nutzern persönliche Empfehlungen zu geben.

In der Vergangenheit hat sie darüber gesprochen, dass es aus ihrer Sicht verschiedene Seiten hat, als Tochter von Bill Gates Unternehmerin zu werden. Der „New York Times“ sagte sie: „Wenn das Unternehmen Erfolg hat, werden die Leute sagen, das habe ich meiner Familie zu verdanken.“ Zum großen Teil sei das auch wahr, und ihre Eltern hätten ihr sehr viel ermöglicht. „Aber ich spüre auch einen riesigen Druck.“