Trump denn Kriegsherr: Und schon schwankt er wieder

Im Krieg gibt es Staatsführer, die über sich selbst hinauswachsen. Wolodymyr Selenskij ist das angesichts der russischen Invasion gelungen. Donald Trump aber bleibt Donald Trump. Man konnte dem Präsidenten förmlich dabei zusehen, wie er schon kurz nach seiner Entscheidung, gegen Iran in den Krieg zu ziehen, ins Schwanken geriet. Der Mann, der dem Briten Keir Starmer vorwirft, kein Churchill zu sein, ist, um im historischen Bild zu bleiben, auch nicht gerade ein Roosevelt.

Kaum zeigt sich, dass der Widerstand Teherans zäher ist als erwartet, sucht Trump nach Gründen, einfach einen Sieg zu proklamieren und das Feuer einzustellen. Das schwer getroffene Regime kennt Trumps Achillesferse und setzt auf ein Nervenspiel.

Dass sich das Kriegs­geschehen in dieser Woche vor allem auf die Straße von Hormus, das Nadelöhr des Weltölhandels, konzentrierte, gehört zur Strategie der Rumpfführung des Landes, die innenpolitischen Kosten des Kriegs für Amerika (und die Welt) in die Höhe zu treiben. Für Trump ist der Dow Jones eine Obsession – und der Benzinpreis an den Tankstellen zu Hause ein wunder Punkt. Es geht dabei nicht nur um kurzfristige Belastungen für die amerikanischen Verbraucher, die der wankelmütige Kriegsherr einzupreisen hat. Es geht um seine grundsätzliche Glaubwürdigkeit.

Trumps Wahlsieg 2024 beruhte – neben der Migrationskrise – darauf, der Biden-Regierung Versagen in der Inflationsbekämpfung vorzuwerfen. Viele unabhängige Wähler haben sich angesichts Trumps autoritärer Welle in der Innenpolitik schon von ihm abgewendet. Acht Monate vor den Kongresswahlen droht nun auch ein Teil der MAGA-Bewegung wegzubrechen, der Trump außenpolitischen Verrat vorwirft.

Keine klaren Gründe, keine klaren Ziele

So vergingen nach dem ersten Angriff nur wenige Tage, bis Trump in Aussicht zu stellen begann, die „kurzfristige Exkursion“ werde sehr bald enden – ursprünglich sollte der Krieg vier, fünf Wochen dauern. Die Ausführungen der Trump-Regierung darüber, wann die Kriegsziele erreicht seien, klingen dabei genauso kakophon wie die anfängliche Begründung der Kampfhandlungen.

Washington liefert ein kommunika­tives Desaster. Anfangs ging es noch darum, dem iranischen Volk Freiheit zu geben, was faktisch Regimewechsel bedeutete, aber nicht so heißen durfte. Dann ging es um die Zerstörung des ballistischen Raketenprogramms und die Auf­gabe der nuklearen Ambitionen Teherans.

Zwischenzeitlich forderte Trump eine „bedingungslose Kapitulation“, was seine Sprecherin aber schon bald politisch übersetzen musste: Es gehe nicht darum, dass Teheran die weiße Fahne hissen müsse. Was der Präsident gemeint habe, sei, dass das Regime nicht mehr über ein Raketenprogramm verfüge, in dessen Schutz es eine Atombombe bauen könnte. Am En­de werde Trump selbst bestimmen, wann Iran sich in einem Zustand der bedingungslosen Kapitulation befinde.

Zwei Leute ziehen von unterschied­lichen Seiten an Trump: Außenminister Marco Rubio, der Kopf hinter dem neuen Interventionismus, möchte die Mission zu Ende führen. Vizepräsident J. D. Vance will so schnell wie möglich raus aus dem Abenteuer. Beiden geht es längst um die Präsidentenwahl 2028. Trump, dessen Vermächtnis auf dem Spiel steht, zeigte sich in dieser Woche buchstäblich hin- und hergerissen. Exiliraner berichten derweil, dass ihre Verwandten in der Heimat die Botschaft an Washington richten: Überlasst uns nicht einem verwundeten Regime!

Source: faz.net