Nach Himmlers Wiederwahl: Das Zweites Deutsches Fernsehen muss sich beweisen

Die Rede zur Lage seines Senders, die der Intendant des ZDF, Norbert Himmler, vor seiner Wiederwahl im Fernsehrat hielt, war so etwas wie eine Rede zur Lage der Nation. Diese nämlich sei bedroht – es werde immer schwieriger, Quellen zu finden, denen man vertrauen könne, der Zusammenhalt in der Gesellschaft, die Demokratie als Ganzes sei bedroht, sagte Himmler und empfahl das ZDF als Gegenmittel und sich selbst an dessen Spitze.
Da machten die Fernsehräte gerne mit und gaben Himmler grünes Licht für weitere fünf Jahre. In denen wird sich weisen, ob der Intendant, die Chefredakteurin Bettina Schausten und alle im ZDF verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat und dass es kontraproduktiv ist, sich als (von allen zwangsweise finanzierte) Inkarnation der demokratischen Öffentlichkeit zu gerieren, den damit verbundenen Anspruch an Offenheit, Unvoreingenommenheit und Vielfalt aber in der täglichen Arbeit zu konterkarieren.
Das fängt mit einem grün durchhauchten politaktivistischen Ansatz, wie ihn Dunja Hayali in jeder ihrer Moderationen unter Beweis stellt, an und hört mit den KI-generierten Bildern, welche die Korrespondentin Nicola Albrecht in einem Beitrag über die US-Einwanderungspolizei ICE montierte, auf.
Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, beim ZDF komme es nur auf die „richtige“ Botschaft an, sagte der NRW-Medienminister Liminski im Fernsehrat sinngemäß. Den Eindruck aber gibt es längst, und den gilt es für Himmler und seinen Sender zu zerstreuen. Die nächste Gelegenheit, sich in der Hinsicht zu beweisen, wird nicht lange auf sich warten lassen.
Source: faz.net