Zwei Wochen Iran-Krieg: Regime unterschätzt, Partner vergrätzt

Menschen in Teheran machen Fotos von einer riesigen Rauchsäule, die von einem brennenden Öllager ausgehen soll.


analyse

Stand: 14.03.2026 • 10:17 Uhr

Zwei Wochen nach Beginn der Angriffe ist völlig unklar, wann die USA und Israel den Iran-Krieg beenden wollen. Trump unterschätzte offenbar die Beharrlichkeit des Regimes. Zudem hinterlässt er am Golf enttäuschte Partner.

Von Clemens Verenkotte, BR

Zwei Wochen nach Beginn des Angriffskriegs der USA und Israels gegen den Iran breitet sich ein geopolitischer Flächenbrand aus: Als Reaktion auf die massiven Luftangriffe auf mutmaßliche Ziele des Sicherheitsapparats des Regimes, belegt Teheran nicht nur Israel und die Golfstaaten mit Raketen- und Drohnenbeschuss.

Mit der faktischen Blockade der Straße von Hormus setzt Iran – erstmals – seine wirksamste Waffe ein. Damit setzt Iran US-Präsident Donald Trump und die Weltwirtschaft zunehmend unter Druck. Trump lässt nicht erkennen, wie er seinen Angriffskrieg gemeinsam mit Israel beenden wird. Welche Erkenntnisse liegen zwei Wochen nach Kriegsbeginn vor?

Trump hat die militärische Reaktion Irans unterschätzt

Ein Eröffnungsschlag gegen die gesamte Führungsriege des Regimes, gefolgt von unablässigen Luftangriffen auf militärische Einrichtungen durch israelische und amerikanische Streitkräfte – und nach kurzer Zeit die Einberufung eines neuen, moderateren Entscheidungsgremiums, das Amerikas Forderungen nicht mehr ablehnend gegenübersteht, und schließlich die Einstellung der Angriffe: So könnte sich der US-Präsident den Verlauf des Angriffskriegs gegen Iran vorgestellt haben.

Das Weiße Haus scheint das Ausmaß der iranischen Vergeltungsmaßnahmen und die Optionen der USA zu deren Abwehr nicht vollständig erfasst zu haben. Dabei war Trump nach übereinstimmenden Meldungen großer US-Medien vor Kriegsbeginn von Generalstabschef Daniel Caine gewarnt worden: Die USA könnten in einen länger andauernden Krieg gezogen werden.

Es sei damit zu rechnen, dass US-Stützpunkte in den arabischen Staaten angegriffen würden. Die Region sei „komplex“. Trump wies damals die Einschätzung seines Generalstabschefs mit den Worten zurück: Caine sei wie er der Meinung, dass der Krieg „leicht gewonnen“ werde.

Das Einzige, was ihn seit Kriegsbeginn überrascht habe, sagte Trump in dieser Woche dem US-Sender Fox News, sei, dass die Iraner die Golfstaaten attackiert hätten, die „sie nicht angegriffen haben“.

Nach Angaben der Financial Times feuerten die iranischen Streitkräfte mehr als 3.000 Raketen und Drohnen auf die US-Verbündeten am Golf und Hunderte auf Israel ab. Und obgleich die meisten Geschosse abgeschossen werden konnten, trafen die Iraner Flughäfen, US-Radareinrichtungen, Häfen, Datenzentren, Erdöl- und Erdgaseinrichtungen und weitere Ziele in den Golfstaaten.

Und mit der faktischen Sperrung der Straße von Hormus, der wichtigsten Schifffahrtsroute, hat das Regime erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 zur ultimativen Waffe gegriffen, die weltweit unmittelbar zu spüren ist.

Golfstaaten zutiefst von Washington enttäuscht

Das Vertrauen der Golfstaaten in die Schutzzusagen der USA ist schwer erschüttert. Saudi-Arabien, die Emirate, Katar und die übrigen Rohstoffriesen am Golf sind seit zwei Wochen Raketen- und Drohnenangriffen Irans ausgesetzt, mit verheerenden Schäden für ihr Image als krisensichere Finanz- und Tourismusregion, als Hub für Hightech und KI.

Eindringlich hatten die Golfstaaten Washington vor Kriegsbeginn davor gewarnt, dass Teheran genauso zurückschlagen würde, wie sie es seit dem 28. Februar zu erdulden haben. Das Weiße Haus hörte nicht auf seine arabischen Verbündeten. Noch im Mai vergangenen Jahres hatten sie den US-Präsidenten mit Investitionszusagen geradezu überschüttet – unter anderem in der Annahme, dass die Vereinigten Staaten, wie in den Jahrzehnten zuvor, für ihre Sicherheit in der Region schon sorgen würden.

Das ist nicht mehr der Fall und dies dürfte die strategische Neuausrichtung der Golfstaaten beeinflussen. Es dürfte ihnen wie Hohn vorkommen, dass Trump die Einigkeit der Golfstaaten mit ihm als „enorm“ bezeichnete und im Sender Fox News am Freitag hinzufügte: „Sie leisten sehr gute Arbeit beim Schutz ihrer eigenen Sicherheit.“

Iran: hohe militärische Schäden – massive Unterdrückung

Die Hoffnung Washingtons auf einen Sturz des Regimes in Teheran beruhten, wie der Militärkorrespondent der israelischen Tageszeitung Ha’aretz, Amos Harel, zutreffend analysiert, auf einer „allzu optimistischen Annahme“. Sie habe darauf basiert, dass die Luftangriffe auf die Unterdrückungsapparate des Regimes – also die Schlägertrupps der Basij sowie die Einheiten von Revolutionsgarde, Polizei und innerer Sicherheit – so viel Schaden anrichten würden, dass die Bevölkerung wieder auf die Straße gehen würde.

Genau das aber werde mit dem Tod bestraft, zeigt die offene Morddrohung des iranischen Polizeichefs an die Bevölkerung im Staatsfernsehen: „Wir haben die Finger am Abzug.“

Die militärischen Verluste, die Iran durch die massiven Luftangriffe der amerikanischen und israelischen Streitkräfte einzustecken hat, scheint das Regime aussitzen zu wollen.

Solange die Herrschaft der islamischen Geistlichkeit und ihrer Unterdrückungsapparate aufrechterhalten bleibt, nimmt Teherans Führung die Zerstörung eines Großteils ihrer Raketenarsenale, See- und Luftstreitkräfte und wesentlicher militärischer Infrastruktur als unabänderlich hin. Die Lufthoheit hat Iran bereits in den ersten Tagen des Angriffskriegs verloren.

Source: tagesschau.de