Jetzt steht eine Frau an dieser Spitze des ORF – und macht eine klare Ansage
Nach dem Rücktritt des ORF-Intendanten Roland Weißmann übernimmt die Journalistin Ingrid Thurnher den Posten. Sie verspricht „volle Transparenz“. Eine Taskforce soll alle Facetten der Belästigungsvorwürfe gegen ihren Vorgänger aufklären.
An der Spitze des Österreichischen Rundfunks (ORF) steht zumindest vorübergehend die Journalistin Ingrid Thurnher. Der ORF-Stiftungsrat wählte die 63-Jährige einstimmig zur geschäftsführenden Nachfolgerin des zurückgetretenen Intendanten Roland Weißmann, wie der ORF mitteilte. Weißmann hatte vor wenigen Tagen wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin sein Amt niedergelegt. Der 57-Jährige bestreitet den Vorwurf.
Sie habe zum Start ihrer neuen Aufgabe gemischte Gefühle, sagte Thurnher. Einerseits sei der Job eine große Ehre, andererseits seien die Umstände des Zustandekommens alles andere als erfreulich. „Es gibt in der Zukunft nur volle Transparenz mit aller Konsequenz.“ Es müsse rund um den Vorwurf alles auf den Tisch, so Thurnher. Dies sei eine wichtige Voraussetzung, um das Vertrauen des Publikums zurückzugewinnen. Sie werde sehr genau darauf schauen, dass es beim ORF keine Form von Machtmissbrauch mehr gebe.
Thurnher, aktuell auch ORF-Radiochefin, gilt als eines der bekanntesten Gesichter des ORF und kennt Österreichs größtes Medienhaus von vielfachen Aufgaben. Sie war TV-Ansagerin, Moderatorin und Chefredakteurin beim Sender ORF III.
Im August steht die Wahl eines neuen ORF-Intendanten oder einer ORF-Intendantin für die Zeit ab Januar 2027 an. Weißmann galt als ein Favorit. Unter anderem der Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Vorwurfs, der sich auf ein Geschehen zu Beginn der Amtszeit von Weißmann 2022 bezieht, hat im ORF-Stiftungsrat zu vielen Fragen geführt. Eine Taskforce soll alle Facetten und Hintergründe aufklären.
Aus Sicht von FPÖ-Stiftungsratsmitglied Peter Westenthaler spielt in dem Fall eine jahrelange Auseinandersetzung um den Pensionsvertrag eines leitenden Mitarbeiters eine wichtige Rolle. Weißmann sowie das ORF-Direktorium hätten sich gegen die bereits vor 2022 getroffenen Regelungen gewehrt, sagte der FPÖ-Politiker am Rande der Stiftungsratssitzung.
Der betroffene Mitarbeiter erklärte in einem schriftlichen Interview mit der Zeitung „Der Standard“: „Richtig ist, dass der Herr Generaldirektor a. D. eine seit 2010 bestehende vertragliche Zusage – des Herrn Generaldirektors a. D. und Alleingeschäftsführers Dr. Alexander Wrabetz – einer ,Freiwilligen Pensionsleistung‘ zu meinen Gunsten nicht akzeptieren wollte und bereits im November 2023 die letztmalige Korrespondenz dazu erfolgte.“ Einen Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen bestritt er.
dpa/gub
Source: welt.de