Energiekrise: Ölpreis steigt trotz Freigabe von Reserven klar

An den Ölmärkten zeichnet sich auch nach der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) keine Entspannung ab. Sorgen vor einer längerfristigen Blockade der Straße von Hormus trieben den Ölpreis wieder über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel (159 Liter).

Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg um mehr als neun Prozent auf knapp 102 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte WTI verteuerte sich auf knapp 96 US-Dollar. Am Montag waren beide Kurse bereits um bis zu 30 Prozent auf einen Spitzenwert von fast 120 US-Dollar hochgeschnellt.

Zu dem Anstieg kam es, nachdem der Oman sämtliche Schiffe von seinem wichtigsten Exportterminal abgezogen hatte und der Irak seine Ölhäfen schloss. Zuvor waren zwei Tanker in irakischen Gewässern angegriffen worden. 

Die IEA hatte am Mittwoch bekannt gegeben, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Insgesamt werden die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben, darunter ist auch Deutschland mit mehreren Millionen Barrel.

USA beteiligen sich mit 172 Millionen Barrel Öl

Die USA wollen im Rahmen der Vereinbarung 172 Millionen Barrel Öl aus ihrer strategischen Erdölreserve bereitstellen, wie US-Energieminister Chris Wright mitteilte. Der Minister sagte, die Freigabe solle kommende Woche beginnen und bei den geplanten Abgaberaten etwa 120 Tage dauern. Zudem sagte er, die USA würden innerhalb des nächsten Jahres rund 200 Millionen Barrel wieder auffüllen.

Die freigegebenen Reserven der IEA-Mitglieder könnten ausreichen, um die Blockade der Straße von Hormus einige Zeit zu überbrücken. Nach Angaben der IEA passierten die Meerenge im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Millionen Barrel pro Tag. Die angekündigten 400 Millionen Barrel würden also genügen, um einen Ausfall für 20 Tage auszugleichen. Allerdings dürfte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Öl ankommt.

Die Schockwellen des Krieges sind derweil für Verbraucher in aller Welt zu spüren: In Deutschland stieg diese Woche selbst der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter. Die Bundesregierung will Tankstellen deshalb verbieten, die Preise mehr als einmal täglich anzuheben. Auch in den USA – selbst einer der größten Ölproduzenten der Welt – zeigen die Tankstellen die höchsten Preise seit 2024 an.

Besonders gravierend dürften die Folgen derweil für Asien sein. Vier von fünf Ölfässern, die die Straße von Hormus passieren, gehen nach IEA-Angaben dorthin. Mehrere Aktienmärkte in Asien brachen infolge der steigenden Ölpreise ein.