Energiekrise: Ölpreis steigt trotz Freigabe von Reserven weiter
An den Ölmärkten zeichnet sich auch nach der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) keine Entspannung ab. Sorgen vor einer längerfristigen Blockade der Straße von Hormus hielten die Preise auf dem höchsten Niveau seit Jahren.
Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in der Nacht auf diesen Donnerstag über 93 US-Dollar und damit knapp ein Prozent mehr als am
Vortag. Bei der US-Sorte WTI fiel der Anstieg ähnlich aus.
Eine mögliche
Erklärung für die schwache Reaktion der Märkte ist, dass mit der
Maßnahme der IEA bereits gerechnet wurde. Die Ölpreise waren in den
vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 gestiegen, ehe
sie sich etwas erholten.
Die IEA hatte am Mittwoch bekannt gegeben, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Insgesamt werden die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben, darunter ist auch Deutschland mit mehreren Millionen Barrel.
USA beteiligen sich mit 172 Millionen Barrel Öl
Die USA wollen im Rahmen der Vereinbarung 172 Millionen Barrel Öl aus ihrer strategischen Erdölreserve bereitstellen, wie US-Energieminister Chris Wright mitteilte. Der Minister sagte, die Freigabe solle kommende Woche beginnen und bei den geplanten Abgaberaten etwa 120 Tage dauern. Zudem sagte er, die USA würden innerhalb des nächsten Jahres rund 200 Millionen Barrel wieder auffüllen.
Die freigegebenen Reserven der IEA-Mitglieder könnten ausreichen, um die Blockade der Straße von Hormus einige Zeit zu überbrücken. Nach Angaben der IEA passierten die Meerenge im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Millionen Barrel pro Tag. Die angekündigten 400 Millionen Barrel würden also genügen, um einen Ausfall für 20 Tage auszugleichen. Allerdings dürfte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Öl ankommt.
Die Schockwellen des Krieges sind derweil für Verbraucher in aller Welt zu spüren: In Deutschland stieg diese Woche selbst der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter. Die Bundesregierung will Tankstellen deshalb verbieten, die Preise mehr als einmal täglich anzuheben. Auch in den USA – selbst einer der größten Ölproduzenten der Welt – zeigen die Tankstellen die höchsten Preise seit 2024 an.
Besonders gravierend dürften die Folgen derweil für Asien sein. Vier von fünf Ölfässern, die die Straße von Hormus passieren, gehen nach IEA-Angaben dorthin. Mehrere Aktienmärkte in Asien brachen infolge der steigenden Ölpreise ein.