„Don’t Steal this Book“: Zum Autoren-Protest gen welcher Londoner Buchmesse gegen KI-Verwertung ihrer Inhalte

Auf der derzeit stattfindenden Londoner Buchmesse protestieren Autoren mit einem „leeren Buch“ dagegen, dass Anbieter sogenannter Künstlicher Intelligenz die Inhalte von Büchern gegen den Willen ihrer Urheber verwerten und daraus ohne Vergütung neue Werke generieren. Fast zehntausend Schriftsteller haben sich bereits der Aktion „Don’t Steal This Book“ angeschlossen.
Das auf der Messe präsentierte und verteilte „leere“ Buch enthält indes die Namen der protestierenden Autoren, unter denen auch weltbekannte wie Kazuo Ishiguro und Philippa Gregory sind. Der „Guardian“ zitiert den Initiator der Aktion, Ed Newton-Rex, mit dem Satz: „Dies ist kein Verbrechen ohne Opfer.“ Generative KI beraube die Betroffenen ihrer Existenzgrundlage, sagt er. Hintergrund des Protests ist der Vorschlag der britischen Regierung, KI-Anbieter urheberrechtlich geschützte Werke ohne Zustimmung der Urheber verwerten zu lassen, solange diese es nicht explizit untersagen. Über diesen Vorschlag sind viele empört. Kommende Woche wird die Angelegenheit im britischen Parlament diskutiert.
Schamloser Diebstahl, Hoffnung auf Besserung
Mag das angeblich leere und doch mit Tausenden Namen gefüllte Buch eine nicht ganz geglückte Metapher sein, und mögen viele entgegnen, der Raub der Inhalte zum Training der KI sei ja in vielen Fällen schon irreversibel, zählt hier allerdings mehr der Wille, angesichts inflationärer unkritischer Schwärmerei von KI überhaupt aufmerksam zu machen auf den Sachverhalt, und, soweit es noch möglich ist, aufzubegehren gegen den in der Tat schamlosen Diebstahl künstlerischer Inhalte, der inzwischen ganz verschiedene Formen der Kreativität betrifft.
Die Aktion erinnert an ein vergleichbares Aufbegehren von Musikern gegen KI-Verwertung ihrer Werke mittels der Präsentation eines „silent album“ ohne Klanginhalt, an Proteste von Synchronsprechern und Übersetzern, und sie findet auch hierzulande viele Parallelen, nicht nur auf dem Buchmarkt. Auch die Leipziger Buchmesse in der kommenden Woche wird Gelegenheit zur Debatte über das Thema geben. Die am Mittwoch mit großer Mehrheit beschlossene Resolution des EU-Parlaments zum Schutz des Urheberrechts vor der Ausbeutung durch Künstliche Intelligenz macht Hoffnung, dass sich die Lage für alle Kreativen verbessern könnte.
Source: faz.net