Überfliegerin Jessie Buckley: Der Oscar ist zum Greifen nah






Bald klärt sich, wer sich 2026 Oscarpreisträger nennen darf. In einem Fall scheint es schon sicher: Jessie Buckley gilt als große Favoritin.

In der Nacht auf den 16. März werden zum 98. Mal die Academy Awards vergeben. Die Chancen auf einen Debütantinnen-Sieg in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ stehen dabei so gut wie lange nicht mehr. Von den fünf nominierten Schauspielerinnen konnte bislang nur Emma Stone (37) – bereits doppelt – einen Goldjungen einheimsen. Bei den Buchmachern werden ihr für ihre Rolle in „Bugonia“ aber eher Außenseiterchancen eingeräumt – ganz im Gegensatz zu einer ihrer Konkurrentinnen.



Jessie Buckley (36) geht dank ihrer herzzerreißenden Darbietung im Shakespeare-Drama „Hamnet“ als die große Favoritin ins Rennen um den Hauptdarstellerinnen-Oscar. In der Tat gibt es dieses Jahr keine Schauspielersparte, in der die Prognosen einseitiger sind. Und das liegt nicht an der Schwäche der Herausforderinnen – sondern an der Stärke von Buckley.

Den Golden Globe, BAFTA Award sowie den Actor Award hat sie für „Hamnet“ in diesem Jahr bereits gewinnen können. Die Kür ihres schauspielerischen Triumph-Laufs dürfte in den frühen Morgenstunden des 16. März folgen.


Vom Kaff zum Kino

Geboren wurde Buckley am 28. Dezember 1989 im irischen Killarney, ein Kleinstädchen mit rund 14.000 Seelen. Kurz nach ihrer Volljährigkeit nahm die älteste Tochter einer Stimmtrainerin dann an einer Castingshow der BBC teil. In „I’d Do Anything“ gab es die weibliche Hauptrolle in der West-End-Neuauflage des Musicals „Oliver!“ zu ergattern. Buckley scheiterte zwar denkbar knapp und wurde nur Zweite. Als Sprungbrett für eine Musical- und Theaterkarriere diente ihre Teilnahme an dem Castingformat noch im selben Jahr aber dennoch.

Wenig später unternahm Buckley auch erste Gehversuche im Film, und zwar im Fernsehvierteiler „Vier Frauen“ nach einer Geschichte der britischen Autorin Rosamunde Pilcher. Es zogen jedoch acht weitere Jahre ins Land, ehe man sie bei den British Film Awards dank ihrer Rolle im Psychothriller „Beast“ als „Most Promising Newcomer“ ansah und als solche auszeichnete.




Preisverdächtige Leidensfähigkeit

Das in sie gesetzte Vertrauen wusste Buckley in der Folgezeit eindrucksvoll zu nutzen. Viele Serienfans dürften sie in der herausragenden HBO-Miniserie „Chernobyl“ erstmals bewusst wahrgenommen haben. Als Ehefrau eines Feuerwehrmanns, der aufgrund der Atomkraftwerk-Katastrophe auf schreckliche Weise ums Leben kommt, zeigte Buckley ihr ganzes ausdrucksstarkes Talent, das ihr nun als Agnes Shakespeare in „Hamnet“ eine Oscarnominierung eingebracht hat.


Übrigens nicht die Erste: Bereits 2022 hatte sie erstmals die Chance auf einen Goldjungen. Für „Frau im Dunkeln“ ging sie in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ aber als Außenseiterin an den Start, gewinnen konnte Favoritin Ariana DeBose für die Neuauflage von „West Side Story“.

Nicht der klassische Blockbuster-Star

Was in heutigen Kino-Zeiten besonders erfrischend an Buckley ist: Sie wurde (noch) nicht in einem der einschlägigen Mega-Franchises verbrannt. Weder hüpfte sie im Superhelden-Spandex oder mit „Star Wars“-Lichtschwert durch die CGI-Landschaft, noch musste sie sich von einem männlichen Actionhelden aus einer 0815-Misere retten lassen.





Stattdessen scheint die Darstellerin ein Faible für intimes, zuweilen surreales bis skurriles Kino zu haben. Letzteres bewies sie mit Rollen in Charlie Kaufmanns Verfilmung des gleichnamigen Romans „I’m Thinking of Ending Things“ oder Alex Garlands Horrordrama „Men – Was dich sucht, wird dich finden“. Auch in klassischen Dramen wie „Die Aussprache“ oder „Kleine schmutzige Briefe“ wusste sie zu überzeugen.

Sogleich der erste Karrieredämpfer?

Die logische Konsequenz dieses Werdegangs ist ihre Nominierung für das Drama „Hamnet“, in dem sie als Agnes Shakespeare, die Ehefrau von William Shakespeare (Paul Mescal), den Verlust des gemeinsamen Kindes verkraften muss. Eine preiswürdige Darbietung – da sind sich Kritiker wie Publikum weitestgehend einig.

Inmitten dieser Buckley-Euphorie scheint es aber auch den ersten Karriere-Stresstest für sie zu geben. In „The Bride! – Es lebe die Braut“, einer Neuinterpretation von „Frankensteins Braut“, spielt sie die titelgebende Wiederauferstandene. An den internationalen Kinokassen hat es der stargespickte Film, bei dem Maggie Gyllenhaal Regie und Drehbuch beisteuerte, bislang aber nicht leicht. Das Buckley anzukreiden, wäre allerdings unfair: Eine experimentelle Geschichte, ein mit rund 90 Millionen Dollar vergleichsweise hohes Budget und der Umstand, dass kurz zuvor bereits Guillermo del Toros „Frankenstein“ erschienen war, machten „The Bride!“ wohl schon vor dem Kinostart zu einer Totgeburt.

Von ihrem Erfolgszug abseits des Mainstreamkinos dürfte das Jessie Buckley nicht abhalten. Dass sie diesem Weg auch in Zukunft die Treue hält, beweist ihr nächstes Filmprojekt. In einer weiteren Buchverfilmung namens „Three Incestuous Sisters“ (also „Drei inzestuöse Schwestern“) buhlt sie im Zwist mit Dakota Johnson und Saoirse Ronan um die Gunst eines Mannes, gespielt von Josh O’Connor. Dann vielleicht als Oscarpreisträgerin.

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Source: stern.de