Einsatz von Seeminen: So könnte Iran die Straße von Hormus zeitweilig ausschließen
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – nun soll Iran sie vermint haben. Allein die Vermutung könnte die Seefahrt noch lange einschränken: Seeminen sind günstig, schwer zu entdecken und in ihrer Wirkung verheerend. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was genau sind Seeminen?
Seeminen sind relativ günstige Waffen, die eine Sprengladung enthalten und die unter der Wasseroberfläche versteckt werden. Sie explodieren, wenn ein Schiff sie berührt oder über sie hinwegfährt. Ihr Einsatz führt dazu, dass ein vermintes Gebiet nicht mehr befahren werden kann, also gesperrt ist. Im militärischen Jargon werden sie daher als „Sperrwaffen“ bezeichnet. Weil sie günstig und gleichzeitig sehr effektiv sind, eignen sie sich für die asymmetrische Kriegsführung.
Es gibt zwei grundlegende Bauarten von Seeminen. Ankertauminen haben ihre Sprengladung in einem runden Gehäuse mit mehreren Stacheln. Das schwebt einige Meter unter der Wasseroberfläche und ist durch ein Tau mit einem Gewicht am Meeresgrund verbunden. Wenn ein Schiff gegen die Mine fährt und die Stachel beschädigt, wird der Zündmechanismus ausgelöst. Ankertauminen enthalten normalerweise etwa 200 bis 300 Kilogramm Sprengstoff und können damit beispielsweise ein Loch in das Schiff reißen, wie ein Sprecher der deutschen Marine der F.A.Z. erläutert.

Grundminen dagegen liegen am Meeresboden und enthalten in der Regel 1000 bis 1200 Kilogramm Sprengstoff. Sie erkennen Schiffe akustisch an den Geräuschen, die etwa die Schiffsschraube macht, oder am Magnetfeld. Ihre Explosion löst im Wasser eine Schockwelle aus, die am und im Schiff große Schäden verursacht. „Das Schiff wird nicht unbedingt untergehen, aber es wird so schwer beschädigt, das können Sie verschrotten“, sagt der Marinesprecher.

Wie legt man Seeminen aus?
Es braucht keine speziellen Geräte, sagt der Marinesprecher: „Sie können irgendein verfügbares Fahrzeug nehmen, auch ein Fischereiboot oder eine Fähre, da stellen Sie ein paar Minen drauf und kegeln sie von einer Schiene ins Wasser.“ Der Zündmechanismus aktiviere sich dann zeitverzögert. Außerdem können Minen von militärischen Schiffen, unter Wasser mit U-Booten oder mit Flugzeugen aus der Luft verbracht werden.
Hat Iran Minen in der Straße von Hormus platziert?
Grundsätzlich habe die iranische Marine die Fähigkeiten dafür, sagt der Marinesprecher. Um das Gebiet gründlich zu verminen, bräuchte es nach seiner Schätzung 500 bis 1000 Minen. Wie viele Minen Iran in der Meerenge verbracht hat oder verbringt, lässt sich erst nach aufwendigen Suchen sagen. Die Möglichkeit, dass das Gebiet vermint sein könnte, reicht aber aus, um es zu sperren – Schiffsbesatzungen werden unter diesen Umständen nicht hindurchfahren. Es würde nach Einschätzung des Marinesprechers mindestens zwei bis drei Wochen dauern, um eine Durchfahrtsbreite von etwa 1000 Metern für den Schiffsverkehr abzusuchen und zu sichern.
Wie kann man Seeminen unschädlich machen?
Bei der Minenjagd suchen Fachleute den Meeresboden mit Sonargeräten ab, entweder von einem Schiff aus oder mit autonomen Unterwasserfahrzeugen. Wenn sie auf verdächtige Gegenstände stoßen, bringen Minentaucher oder Unterwasserdrohnen eine kleine Sprengladung zur Mine und lassen sie kontrolliert detonieren.
Außerdem werden Minen bei der Minenräumung mit Täuschung zur Explosion gebracht. Kleine, unbemannte Schiffe gaukeln mit Magnetspulen und akustischen Signalen vor, es käme ein großes Schiff vorbei – und die Mine detoniert. Die sogenannten Minensimulationsfahrzeuge sind robust genug, um das zu überstehen.
Geht das auch in der Straße von Hormus?
In der Straße von Hormus wären alle sichtbaren Schiffe zur Räumung oder Jagd derzeit leichte Ziele für Luftangriffe. Sie bräuchten deshalb Schutz durch Abwehrkräfte. Der Marinesprecher geht daher davon aus, dass man eher autonome Unterwasserfahrzeuge zur Suche einsetzen und dann von Hubschraubern aus Unterwasserdrohnen zur Sprengung gefundener Minen abwerfen würde. Diese Fähigkeiten habe die amerikanische Marine.
Source: faz.net