Proteinpulver: Warum Proteinpulver künftig noch teurer werden könnte

Auf vielen Nahrungsmitteln prangern heutzutage vor allem zwei Worte: „High Protein“, also hoher Proteingehalt. Der Trend zur eiweißhaltigen Ernährung hat die Fitnessszene längst verlassen und den Alltag – und vor allem den Supermarkt – erreicht: Neben den Klassikern, Proteinriegel und -Pulver, gibt es heutzutage auch Protein-Nudeln oder -Pudding. Und sogar auf so mancher Hüttenkäse-Verpackung wird mit extra Protein geworben – erstaunlich, wenn man bedenkt, dass dieser Käse von Natur aus eiweißreich ist. Es ist zum Trend geworden, möglichst viel Protein zu konsumieren. Viele der High-Protein-Produkte sind schon heute teurer als die herkömmliche Variante, in Zukunft könnten die Preise noch steigen.

Das liegt an dem sogenannten „Whey-Protein“, das vor allem Fitnessenthusiasten zu sich nehmen. Whey ist das englische Wort für Molke. Ursprünglich war Molke ein Abfallprodukt, das bei der Käseherstellung anfiel. Es gibt zwei Formen von Whey: Konzentrat und Isolat. Das Konzentrat enthält rund 80 Prozent Protein, das Isolat sogar 90. Molke gilt als besonders hochwertig und proteinreich. Sie soll besonders gut vom Körper verwertet werden können.

Preise für Proteinpulver könnten sich erhöhen

Deswegen findet sie sich nicht nur in klassischen Proteinpulvern, sondern auch in vielen weiteren Proteinprodukten, die es im Supermarkt gibt. Dort wird sie meistens mit anderen, oft günstigeren Proteinarten gemischt. Eine Dose mit reinem Whey-Protein ist kein Schnäppchen – eine Ein-Kilo-Dose kostet, je nach Hersteller und Geschmacksrichtung, zwischen 25 und 35 Euro.

Nun könnte es noch teurer werden. Denn in den vergangenen Wochen haben sich die Preise für das „80er-Whey-Konzentrat“ deutlich erhöht. Nach Daten des Marktanalysten Expana hat sich der Rohstoffpreis für Molkeprotein (WPC80) seit Anfang 2023 beinahe vervierfacht – auf knapp acht Dollar je Pfund. Die Quality Group, zu der die Marke ESN gehört, beobachte seit rund zwei Jahren steigende Einkaufspreise. „In den vergangenen Monaten hat sich diese Entwicklung nochmals deutlich beschleunigt“, teilte das Unternehmen auf F.A.S.-Anfrage mit. Es gebe „einen spürbaren Kostendruck auf der Beschaffungsseite“.

Den hohen Preis bemängelt auch der Hersteller „Bodybuilding Depot“ in einem Blogpost auf seiner Webseite – der Preis habe im Februar „so stark angezogen“ wie noch nie. Mit diesem Problem ist er nicht allein: Dem Myprotein-Mutterkonzern THG aus Großbritannien, auch auf dem deutschen Markt aktiv, brachen im ersten Halbjahr 2025 durch die hohen Molkepreise rund 13 Millionen britische Pfund Gewinn weg.

Offenbar hohe Nachfrage steigert Kosten

Als Grund sehen die Hersteller eine hohe Nachfrage nach dem Rohmaterial – und geringe Produktionskapazitäten, die sich nicht schnell aufbauen lassen. Manche Unternehmen rüsten dagegen schon auf: Die Genossenschaftsmolkerei FrieslandCampina hat Anfang des Jahres einen führenden Hersteller für Molkeproteinisolate übernommen. „Dieser strategische Schritt erhöht die Molkeproteinkapazität von FrieslandCampina erheblich“, heißt es vom Unternehmen.

Noch sieht der Konsument wenig von den Preissteigerungen: Die meisten Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln haben langfristige Verträge mit ihren Proteinlieferanten abgeschlossen – noch kommen die großen Preiserhöhungen also nicht beim Endkunden an. Auch die Quality Group hat bisher die Preiserhöhung nicht an die Kunden weitergegeben. Aber: „Sollte sich das Preisniveau weiter verschärfen, ist eine vollständige Kompensation über einen längeren Zeitraum nicht dauerhaft tragfähig.“ In diesem Fall seien Preisanpassungen möglich.

„Ich denke, die Whey-Preise werden so lange weiter steigen, bis es Verbrauchern zu kostenintensiv wird und die Nachfrage zurückgeht“, schreibt André Voigt von Bodybuilding Depot in seinem Blogpost.

Nur – nach einem Nachfragerückgang sieht es momentan nicht aus. Laut einer Analyse von Barclays, die in der Financial Times veröffentlicht wurde, könnte die weltweite Nachfrage nach Protein in den nächsten fünf Jahren um 37 Prozent steigen. Als Grund sehen die Analysten auch neue Medikamente zur Gewichtsreduktion – wie zum Beispiel die Abnehmspritze. Zudem werde gesündere Ernährung auch in Entwicklungsländern immer wichtiger.

Source: faz.net