Abschied von dieser Zentrale: Die Bundesbank geht – dasjenige Gold bleibt

Die Deutsche Bundesbank will ihre denkmalgeschützte Zentrale in Frankfurt aufgeben, das Gebäude zusammen mit einem Teil des Geländes verkaufen und ein neues Gebäude in Citynähe erwerben. Das hat Bundesbankpräsident Joachim Nagel am Mittwoch in Frankfurt vor Journalisten angekündigt. Der Bundesbankvorstand habe einen entsprechenden Grundsatzbeschluss einmütig gefasst. Ein Wirtschaftlichkeitsgutachten zu den verschiedenen Optionen für die Zentrale der Notenbank hatte eine entsprechende Entscheidung nahegelegt, wie die F.A.Z. berichtet hatte.

Das Gold der Bundesbank, das in einem stark bewachten Tresor unter dem Gelände lagert, soll dort zumindest zunächst verbleiben, wie vermutet worden war. Entsprechend trennt sich die Bundesbank nur von einem Teil des Geländes. Die Stadt Frankfurt hat Interesse angemeldet. Sie erwägt, dort die Europäische Schule Frankfurt unterzubringen.

Dem könnte offenbar entgegenkommen, dass dieses Gelände planungsrechtlich für „Gemeinbedarf“ vorgesehen ist; wenn man dort Wohnungen bauen wollte, wäre eine planungsrechtliche Nutzungsänderung erforderlich. Der Standort eigne sich hervorragend, sagte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank EZB), die sich sehr für bessere Räumlichkeiten für die Europäische Schule eingesetzt hatte, lobte die Entscheidung als „vielversprechenden Weg“: „Dieser Moment ist den Generationen von Eltern und Kindern gewidmet, die seit fünfzehn Jahren genau darauf gehofft haben.“ Zugleich mahnte sie an, es müsse bis dahin eine „zuverlässige Übergangslösung“ gefunden werden. Das Geldmuseum, das bislang auch auf dem Gelände untergebracht ist, soll auch weiter in die Innenstadt ziehen, um künftig mehr Laufkundschaft anzusprechen.

Altes Gebäude mit hohen Betriebskosten

„Damit schließt sich ein Kapitel in der Bundesbankgeschichte“, sagte Bundesbankpräsident Nagel. Die Notenbank will ein Gebäude näher an der Frankfurter Innenstadt erwerben, das gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist. Ein entsprechendes Vergabeverfahren werde eröffnet, sagte Nagel. „Wichtige Kriterien im Vergabeverfahrenwerden werden die zentrale Lage, Preis, Qualität und Zeitplan sein“, hob er hervor. Man hoffe, den Immobilienerwerb innerhalb von 18 Monaten abschließen zu können.

Die Bundesbank hatte ursprünglich sehr ambitionierte Pläne gehabt, ihre Zentrale mit neuen Hochhäusern zu erweitern. Die Kosten waren auf mehr als vier Milliarden Euro veranschlagt worden. Dieses sogenannte Projekt „Campus“ hatte man schon früher entschlackt, es war vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert worden.

Alte Bundesbankzentrale: Seit den 1970-er Jahren residierte die Notenbank am Frankfurter Diebsgrund.
Alte Bundesbankzentrale: Seit den 1970-er Jahren residierte die Notenbank am Frankfurter Diebsgrund.dpa

In der Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten jetzt sei die Variante verworfen worden, wieder in das in Sanierung befindliche alte Gebäude einzuziehen. Nagel bezifferte die dort notwendigen Investitionen auf rund 1,6 Milliarden Euro. Die hochgerechneten Kosten für Betrieb und Instandhaltung bis zum Jahr 2067 beliefen sich auf 2,9 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu seien der Kauf und der Betrieb eines neuen innenstadtnäheren Gebäudes günstiger.

Die Bundesbank hatte erhebliche Beträge schon in das Projekt „Campus“ investiert. Nagel bezifferte die Kosten für Sanierung und Planung auf 168 Millionen Euro. Dabei seien aber die Kosten für vorübergehend eingestellte Mitarbeiter für das Projekt noch nicht eingerechnet. Zuletzt kursierten erheblich höhere Zahlen, was die Bundesbank bei einem Verkauf abschreiben müsse. Der Bundesbankpräsident deutete an, man habe die Hoffnung, beim Verkauf des Geländes einen Teil dieser Kosten wieder einzuspielen. Bislang gebe es noch keinen Vertrag mit der Stadt Frankfurt, man sei erst am Beginn der Verhandlungen.

Ein bekannter Frankfurter Makler hatte die Einschätzung vertreten, man solle nicht vorschnell die Möglichkeit verwerfen, das Betongebäude aus den 1970-er Jahren abzureißen, um auf dem Gelände durchgängig einen neuen Stadtteil mit Wohnungen anlegen zu können. Nagel sagte dazu, er gehe davon aus, dass auch ein neuer Eigentümer, auch wenn es die Stadt Frankfurt sein sollte, an die Vorgaben des Denkmalschutzes gebunden sei und das Gebäude nicht abgerissen werde.

Haus der D-Mark-Hüterin

Den Symbolgehalt des Abschieds von der Zentrale aus D-Mark-Zeiten versuchte Nagel herunterzuspielen. Die Bundesbank, das seien für ihn die Menschen, die dort arbeiteten, weniger das Gebäude. Nagel hatte bei früheren Gelegenheiten durchblicken lassen, dass er selbst das gewaltige Betongebäude an seinem ersten Arbeitstag eher als etwas furchteinflößend empfunden habe. Der Betonbau aus der Zeit, als die Bundesbank noch die „Hüterin der D-Mark“ war, symbolisierte schon auch Macht. Bei der Suche nach einem neuen Gebäude werde es weniger darauf ankommen, etwas Repräsentatives zu finden, deutete Nagel an.

Man habe sich schon erste Gebäude angeguckt, berichtete der Bundesbankpräsident. Die Frage, ob ein solches Gebäude höher oder weniger hoch sei als die im Frankfurter Ostend gelegen Europäische Zentralbank (EZB), habe ihn dabei nicht beschäftigt. Als die Kosten für die Pläne der Bundesbank aus dem Ruder gelaufen waren, hatte es durchaus das Argument gegeben, dass die neue Zentrale der nationalen Notenbank teurer würde als die der gleichsam übergeordneten EZB – und vermutlich sogar teuer als EZB und Bundeskanzleramt zusammen.

Die Frage, was mit dem Gold der Bundesbank passiert, hatte bei dem Campus-Projekt eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt. Etwas mehr als die Hälfte der Goldbarren lagern in Frankfurt, der Rest in New York und London. Insgesamt ist das Gold laut Bilanz 395,2 Milliarden Euro wert. Während der Sanierungsarbeiten hat man das Gold einfach – gut bewacht – im Tresor auf der Baustelle gelassen.

Einen neuen Tresor in der dicht bebauten Frankfurter Innenstadt anzulegen galt als ähnlich aufwendig wie der Bau eines Stück U-Bahns. Gold nach New York zu bringen wollte in Zeiten von Donald Trump wohl auch niemand. Deshalb hat die Bundesbank entschieden, es am alten Standort zu belassen, auch wenn das für den zu erlösenden Preis nachteilig ist.

Ohnehin bleiben bei dem Projekt viele Fragen offen: Wenn das Betongebäude im Unterhalt für die Bundesbank zu teuer ist, warum gilt das dann für einen neuen Nutzer nicht? Wie lange wird das alles am Ende dauern? Gibt es für die Bundesbank noch Ärger wegen der versenkten Planungsmillionen? Und: Ist eine Aufteilung des Geländes stadtplanerisch auf Dauer wirklich die beste Lösung?

Source: faz.net