Weniger Messerangriffe in Verbotszonen – demgegenüber mehr Angriffe mit Schusswaffen
Seit einem Jahr gelten in Berlin feste Waffen- und Messerverbotszonen. Im Februar 2025 wurden am Görlitzer Park, am Kottbusser Tor und am Leopoldplatz entsprechende Bereiche eingerichtet. Ziel war es, die Zahl der Messerangriffe im öffentlichen Raum zu senken. Nach eigener Einschätzung mit Erfolg, wie Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik der Polizei für 2025 mitteilte.
Nach Angaben der Innenverwaltung zeigen sich dort deutliche Rückgänge: In den drei Zonen seien die Fallzahlen seit Einführung um 25 bis 45 Prozent gesunken. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 3599 Fälle im Phänomenbereich „Messerangriff“ erfasst. Das sind 187 Fälle beziehungsweise 5,5 Prozent mehr als im Jahr 2024.
Die Polizei führt den Anstieg vor allem auf eine veränderte Erfassung zurück: Seit dem 1. Januar 2025 ist die „Art der Waffenverwendung“ verpflichtend zu dokumentieren. Dadurch wird statistisch genauer erfasst, ob ein Messer eingesetzt oder damit gedroht wurde.
Fast jede zweite Tat war eine Bedrohung: 1779 Fälle entsprechen einem Anteil von 49,4 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 44,2 Prozent. Nur bei diesem Delikt verzeichnet die Statistik eine signifikante Zunahme.
Von allen Messerangriffen wurden 1759 Fälle (48,9 Prozent) in der Öffentlichkeit begangen. Der Anteil ist damit leicht gesunken (2024: 51,7 Prozent). Insgesamt registrierte die Polizei 4456 Opfer. 78,2 Prozent von ihnen waren männlich, 44,4 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. 37 Prozent der Opfer kannten die tatverdächtige Person bereits – mehr als im Vorjahr. 15,5 Prozent der Fälle ereigneten sich im Kontext von Partnerschaft und Familie.
Auffällig: Trotz steigender Fallzahlen ist die Zahl der Verletzten zurückgegangen. Sowohl leicht als auch schwer und tödlich verletzte Opfer wurden seltener registriert als 2024. Die Polizei bringt dies mit dem höheren Anteil an Bedrohungsdelikten in Verbindung.
Messerstraftäter wird Führerschein entzogen
2025 wurden 1906 Tatverdächtige ermittelt, die mit einem Messer gedroht oder es angewendet haben sollen. 86,1 Prozent waren männlich, 56,4 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Der Anteil tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher liegt aufgrund der neuen Erfassungsmethode unter dem Vorjahreswert.
Ein weiterer Baustein für den Erfolg der „Berliner Strategie gegen Messerkriminalität“ ist laut Innensenatorin der Führerscheinentzug für verurteilte Messerstraftäter wegen fehlender charakterlicher Eignung. Seit Einführung der Regelung wurde vier Personen die Fahrerlaubnis entzogen, neun weitere mussten sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung unterziehen.
Zudem erhielten im Dezember 2025 erstmals fünf Personen im Rahmen eines Pilotverfahrens ein individuelles Messertrageverbot. Ihnen ist es untersagt, Messer oder andere gefährliche Gegenstände zu führen – auch solche, die nicht unter das Waffengesetz fallen. In weiteren 26 Fällen wird ein solches persönliches Verbot geprüft oder wurde bereits angeordnet.
Mehr Angriffe mit Schusswaffen
Die Berliner Polizei registrierte im vergangenen Jahr deutlich mehr Straftaten, bei denen mit Schusswaffen gedroht oder geschossen wurde. Insgesamt erfasste die Polizei 1119 Fälle (plus 68 Prozent), etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen (2024: 363). Zum Anstieg trug auch die seit 2025 verpflichtende, genauere Erfassung der Waffenverwendung bei.
Innensenatorin Spranger betonte: „Der deutliche Anstieg bei der Schusswaffenkriminalität ist für mich ein klares Warnsignal. Für illegalen Waffenbesitz und bewaffnete Auseinandersetzungen gilt in Berlin: Null Toleranz.“ Wenn Konflikte mit Schusswaffen ausgetragen würden, sei „eine rote Linie überschritten“.
Insgesamt 502.743 Straftaten in Polizeistatistik
Insgesamt erfasste die Polizei in ihrer Statistik im vergangenen Jahr 502.743 Straftaten – das waren 36.306 Fälle oder 6,7 Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote lag bei 44,9 %. Das meiste davon waren Diebstähle und Einbrüche. Aber eine Rolle spielten auch Internetkriminalität und Drogendelikte.
Die Zahl der Gewalttaten wie Körperverletzungen lag in der Statistik bei rund 80.500 Fällen. Die Zahl der Opfer von Taten in Partnerschaft und Familie stieg auf 20.160 (plus 5 Prozent). 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Außerdem zählte die Polizei 8652 Straftaten (plus 16 Prozent) gegen die sexuelle Selbstbestimmung.
Rund 8600 politische Straftaten
Bei den politischen Taten gelangten 8645 Fälle in die Kriminalstatistik, oft Volksverhetzung, Propagandadelikte oder das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen. Bei antisemitischen Straftaten gab es erneut einen Anstieg, registriert wurden 2268 Fälle.
Die offizielle Kriminalstatistik gibt nur einen Teil der tatsächlichen Verbrechen wieder. Viele Diebstähle, Rauschgiftdelikte, Betrügereien und Gewalttaten in Beziehungen und Familien werden nie bei der Polizei angezeigt und tauchen daher auch in keiner Statistik auf.
Source: welt.de