An diesen Anzeichen erkennst du, ob deine Katze wirklich glücklich ist

Schnurrt deine Katze – oder leidet sie still? Viele Halter deuten Signale falsch. Forschende der Universität Wien erklären, an welchen Merkmalen du erkennst, ob dein Stubentiger wirklich zufrieden ist. Ein Blick auf das Verhalten lohnt sich.

Den sprichwörtlichen Katzenjammer wünscht sich wohl kein Haustierbesitzer. Die meisten würden wohl alles dafür tun, damit es ihren Samtpfoten möglichst gut geht. Ein recht eindeutiger Wohlfühlfaktor ist das Schnurren einer Katze. Ertönen die vertrauten Klänge, weißt du sofort, dass deine Katze entspannt ist und sich wohlfühlt.

Doch welche Kennzeichen gibt es darüber hinaus? Eine neue Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt, woran du zuverlässig erkennst, wie es um deine Katze oder deinen Kater steht. Dabei zeigt sich: Deine persönliche Einschätzung ist zwar oft ein guter Indikator, doch wahrscheinlich übersiehst du auch etwas. Veröffentlicht wurden die Studienergebnisse im Fachjournal „Applied Animal Behaviour Science“.

Wo und wann du laut der Studie besonders aufmerksam sein solltest, verraten wir dir gleich. Aber zunächst bist du gefragt – was glaubst du:

Der Schlüssel zum Katzen-Glück: So zufrieden sind die meisten Haustiere

Für ihre Studie befragten die Veterinärmediziner insgesamt über 400 Katzenhalterinnen und Katzenhalter in Österreich und Deutschland zur Lebensqualität ihrer Tiere. Dabei zeigte sich: Den meisten geht es anscheinend ziemlich gut. Im Durchschnitt bewerteten die Katzenhalter die Zufriedenheit ihrer Haustiere mit 89 von 100 Punkten. Natürlich handelt es sich dabei nur um subjektive Einschätzungen. Doch diese liegen, so fanden die Forschenden heraus, meistens richtig. Dazu kommen wir aber gleich.

Die Studienteilnehmer wurden zu Verhalten, Gesundheit, Lebensumfeld und der Beziehung ihrer Katzen zu den Menschen im Haushalt befragt. Zusätzlich sollten sie ihrer Katze eine Gesamtbewertung der Lebensqualität geben. Diese persönlichen Einschätzungen wurden anschließend mit einer strukturierten Bewertung verglichen, die auf 54 verschiedenen Indikatoren basierte, unter anderem auf Faktoren wie dem Energielevel, der Stimmung, der körperlichen Verfassung, dem Appetit und der Qualität der Mensch-Katze-Interaktion.

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Grundsätzlich zeigte sich, dass die intuitiven Einschätzungen der Halter zwar mit der strukturierten Bewertung verbunden waren, jedoch nicht immer eng übereinstimmten. Zusammengefasst: Im Großen erkennen die meisten zwar, ob es ihrer Mieze gut oder schlecht geht. Einige Details übersehen sie aber – und gerade die können einen noch tieferen Einblick in das Gesamtbefinden der Katzen und Kater geben.

Laut Studie: Diese Dinge übersehen Katzenhalter oft

Die gute Nachricht zuerst: Auf sichtbare und direkte Signale reagieren die meisten Katzenbesitzer sensibel, wie aus den Studienergebnissen hervorgeht. Als glücklich wird eine Katze dann wahrgenommen, wenn sie neugierig, aufmerksam und aktiv ist. Umgekehrt führen Anzeichen von Angst, Krankheit oder Unwohlsein zu einer niedrigeren Bewertung. Geht es allerdings nicht nur um den Gesamteindruck eines Tieres und seines Verhaltens, sondern um einzelne Gesundheitsfaktoren, zeigt sich, dass viele Halter die Zeichen nicht richtig oder nur unzureichend deuten, schreibt das Forschungsteam.

Als Beispiel nennen die Tiermediziner das Körpergewicht. Dieses hatte kaum Einfluss auf die Einschätzungen der Befragten, wie zufrieden ihre Miezen sind – und das, obwohl gut dokumentiert ist, dass Fettleibigkeit bei Katzen das Aktivitätsniveau reduziert und die Lebensdauer verkürzt. Ähnlich verhält es sich mit dem Alter. Ältere Katzen, die möglicherweise weniger mobil und vital sind, wurden von ihren Haltern oft genauso positiv bewertet wie jüngere Tiere. „Katzenhalter sind wirklich aufmerksam gegenüber ihren Katzen, aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass gerade die Dinge, die am ehesten unbemerkt bleiben, diejenigen sind, die sich leise über die Zeit hinweg ansammeln“, erklärt Studienerstautor Andrea Sommese vom Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften der Vetmeduni in einer Pressemitteilung.

Glückliche Katzen: Das kannst du tun

Auch wenn Katzen oft als Einzelgänger erscheinen: Die Interaktion zwischen Mensch und Tier ist für Hauskatzen ein entscheidender Faktor für eine hohe Lebensqualität. Liebevolle Interaktionen wie Streicheln, gemeinsames Sitzen oder das Sprechen mit der Katze wirken sich positiv auf ihr Wohlbefinden aus. Machst du das regelmäßig? Dann kannst du einen Haken an deiner Katzen-Glück-Checkliste setzen. Auch eine Umgebung, die natürliche Verhaltensweisen wie Klettern, Erkunden, Jagen und Spielen ermöglicht, trägt dazu bei, dass sich die Tiere wohlfühlen. Also: ein Hoch auf den Katzenbaum!

Interessanterweise fanden die Forscher heraus, dass diese Beziehungs- und Umweltfaktoren bei den meisten Haltern zwar gegeben sind, viele von ihnen diese Faktoren aber bei der intuitiven Einschätzung der Zufriedenheit ihrer Katze außer Acht lassen. Dennoch sind viele Faktoren, die die Lebensqualität beeinflussen, im Alltag weniger offensichtlich, so Ines Winschnurer, die als Koautorin ebenfalls an der Studie beteiligt war: „Die stille Bindung zwischen Katzen und ihren Menschen, ihre Umgebung und subtile alters- oder gewichtsbedingte Veränderungen spielen alle eine Rolle. Wenn die Einsichten der Halter mit strukturierten Bewertungen kombiniert werden, erhalten wir ein vollständigeres Bild und können Katzen früher und effektiver unterstützen.“

Dabei helfen können Fragen wie: Bewegt sich meine Katze noch so leicht wie früher? Gibt es genug ruhige Momente und anregende Aktivitäten in ihrer Umgebung? Die Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien arbeiten aktuell an der Entwicklung praktischer Werkzeuge, um das Wohlbefinden der Vierbeiner besser zu bewerten und frühzeitig zu reagieren. Bis dahin kannst du selbst aktiv werden: durch genaues Beobachten, eine bereichernde Umgebung und die Pflege der Beziehung.

Sabine Winkler berichtet als freie Autorin für WELT regelmäßig über Familienthemen, Reisen und Popkultur. Zweimal im Monat erscheint montags ihr Newsletter „Läuft bei uns – der Familien-Newsletter“, in dem sie über ihr Leben als Mama schreibt.

Source: welt.de