Frühere Philips-Sparte: Lichtgestalt dieser „niederländischen Osram“

An seinem ersten Arbeitstag erschien As Tempelman bei Philips – in der neuen Konzernzentrale in Amsterdam. Sie war noch nicht offiziell eröffnet, aber der Vorstandsvorsitzende Roy Jakobs saß damals schon dort. „Ich habe ihm fest die Hand geschüttelt, und ich glaube, es gibt ein gemeinsames Commitment, miteinander erfolgreich zu sein“, sagt der Manager. Tempelman ist neuerdings Vorstandsvorsitzender des Beleuchtungskonzerns Signify – und beide Unternehmen haben allerlei gemeinsam.

Zuvorderst verbindet sie die Geschichte. Signify ist die alte Beleuchtungssparte von Philips, mehr noch: Hier liegen die historischen Wurzeln des Technikkonzerns. Als Glühlampenfabrik hatte Philips 1891 in Eindhoven den Betrieb aufgenommen, wuchs später zum Technikkonglomerat aus. Seit den neunziger Jahren kehrt sich der Trend um: Philips verkaufte eine Sparte nach der anderen, spaltete 2016 die Beleuchtungssparte unter dem Namen Signify an der Amsterdamer Börse ab. Signify und Philips – das Duo ist das niederländische Pendant von Osram und Siemens.

Lizenzgebühr für den Namen

Der Verbraucher sieht davon wenig: Wer für seine Tischleuchte oder Auto eine Lampe erwirbt, kauft sie weiterhin unter dem Namen Philips. Signify baut zwar zunehmend eine eigene Marke auf, aber den weltbekannten Namen macht sich das Unternehmen weiterhin zunutze. „Philips ist eine unglaublich starke Marke“, sagt Tempelman. Dafür bekommt der frühere Mutterkonzern eine Lizenzgebühr – weswegen beide geschäftlich weiterhin miteinander verbunden sind. Welche Beträge fließen, ist weder in den Geschäftsberichten nachzulesen noch aus den Chefs herauszufragen. Aber zu Beginn schlossen beide Parteien eine auf mindestens 20 Jahre angelegte Vereinbarung: Signify sollte in den ersten fünf Jahren jährlich 0,6 Prozent des Umsatzes zahlen, in den darauffolgenden fünf Jahren 0,7 Prozent, danach 1,0 Prozent. Als Mindestbeträge garantiert wurden in den ersten zehn Jahren 30 Millionen Euro im Jahr, danach 20 Millionen Euro. Tempelman sagt dazu auf Nachfrage nur: „Der Lizenzvertrag läuft noch. Und wir sind nicht nahe am Ende der Laufzeit.“

Der Manager spricht mit der F.A.Z. in einer kleinen Zelle am Messestand auf der „Light + Building“ in Frankfurt. Gerade hat er dort eine Präsentation gehalten. Die Pressekonferenz ist eher eine Werbeveranstaltung mit Motivationsansprache. „Signify ist zurück“ ruft Tempelman, und Zuhörer quittieren die Botschaft mit lautem Applaus – hatte die Leitmesse doch zuletzt auf diesen zentralen Branchenvertreter verzichten müssen. 2024 war ihr das Unternehmen – noch unter seinem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Eric Rondolat – ferngeblieben. „Wir gehören hierher“, sagt Tempelman nun, trotz aller Kosten.

Wichtigste Konkurrenten sind Osram, Zumtobel, Acuity und Fagerholt. Im September hatte Tempelman die Arbeit bei Signify angetreten, und die Umstände der Personalie eröffnen weitere Parallelen zu Philips und dessen Chef Jakobs: In beiden Fällen waren die jeweiligen Vorgänger vorzeitig abgetreten, ganz offenkundig auf Druck des Unternehmens. In beiden Fällen sahen sich die Neuen zu einer Umstrukturierung und einem Schnellschuss mit Stellenabbau gezwungen, um kurzfristig die Marge zu retten.

Stellenabbau als erste Maßnahme

Tempelman agierte nicht ganz so drastisch wie Jakobs, kündigte aber bei der Jahresbilanz Ende Januar an, 900 Stellen abzubauen und damit jede dreißigste auf der Welt. Die Kosten sollen dauerhaft um 180 Millionen Euro sinken. 2025 war der Jahresumsatz zum dritten Mal in Folge gesunken. Die Nachfrage ist flau. ob aus der Autoindustrie oder von der öffentlichen Hand, die Preise geraten unter Druck. An jenem Januartag der schlechten Nachrichten stürzte die Aktie im Mittelwerteindex AMX der Amsterdamer Börse prozentual zweistellig im Wert ab.

„Wir müssen wettbewerbsfähig in den Kosten sein“, sagt Tempelman. „Und wenn Sie unsere Kosten im Verhältnis zum Umsatz anschauen, dann sind die zu hoch.“ Auch die Lieferketten seien anzupassen. „Wir arbeiten auch wieder mehr zusammen mit unseren Partnern, investieren in unsere Systeme.“ Der 1970 geborene und in Gorssel an der IJssel aufgewachsene Manager ist von außen an die Signify-Spitze gekommen, hatte zuvor den Energiekonzern Eneco geleitet und für Shell in Führungsfunktionen auf mehreren Kontinenten gearbeitet. Der Niederländer ist Ökonom mit einem Abschluss an der renommierten Erasmus-Universität in Rotterdam.

Investoren stellten jetzt drei Fragen, sagt Tempelman: erstens nach dem Weg zurück ins Wachstum; zweitens nach dem künftigen Portfolio; drittens nach der Kapitalallokation. Antworten soll es am Kapitalmarkttag am 23. Juni geben. Mitarbeiter dürften vor allem mit Blick auf Frage zwei nervös sein. Signify produziert alles von der Glühlampe über LED-Lampen bis zu komplexen Beleuchtungssystemen. Das Unternehmen ist in mehr als 70 Ländern aktiv, es erhellt Supermärkte und Straßen, die Stadien von PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam und das Große Ägyptische Museum in Gizeh. Das Management forstet das Portfolio nach Produkten und Ländern durch, wie Tempelman sagt. „Wo wachsen und investieren wir, wo sparen wir Kosten, von welchem Geschäft verabschieden wir uns eventuell?“ Man wird den „Fußabdruck“, wie er es ausdrückt, nicht halten. „Wir können nicht in jedem Segment in jedem Land gewinnen.“

Immerhin: Deutschland – das zu den drei größten Märkten in Europa gehört – zeichnet sich im Abwägen von Sparen einerseits und Investieren andererseits als Gewinner ab. „Wir wollen in die deutsche Organisation investieren, wollen mehr aus dem deutschen Markt holen“, sagt Tempelman. „In Deutschland wollen wir wachsen.“