Nahost-Liveblog: ++ Israel verlängert Ausnahmezustand ++
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Weil Iran weiter mit Raketen angreift, verlängert Israel den Ausnahmezustand im Land bis Samstag. Teheran will bis zum Ende des Krieges keine Ölexporte an Verbündete der USA und Israels erlauben. Alle Entwicklungen im Liveblog.
Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses aus Iran hat Israel den geltenden Ausnahmezustand verlängert. Bis Samstag blieben alle Schulen geschlossen und das Versammlungsverbot für mehr als 50 Personen aufrechterhalten, teilte das Heimatfrontkommando der Armee mit. Arbeit außerhalb der eigenen Wohnung ist weiter möglich, soweit rechtzeitig eine Schutzunterkunft erreicht werden kann.
Iran wird nach Angaben der Revolutionsgarde bis zum Ende des Krieges keine Ölexporte aus der Region an Verbündete der USA und Israels erlauben. „Die iranischen Streitkräfte werden bis auf Weiteres nicht zulassen, dass auch nur ein Liter Öl aus der Region an die feindliche Seite und ihre Partner exportiert wird“, sagte ein Sprecher laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. „Ihre Bemühungen, die Preise für Öl und Gas zu senken und zu kontrollieren, werden nur vorübergehend und erfolglos sein“, sagte er.
Irans Außenministerium hat für den Fall eines Waffenstillstands mit den USA und Israel Sicherheitsgarantien gefordert. „Wenn ein Waffenstillstand zustande kommen oder der Krieg beendet werden soll, muss es eine Garantie geben, dass aggressive Handlungen gegen Iran nicht erneut wiederholt werden“, zitierte die Zeitung „Shargh“ Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi. Andernfalls sei ein Waffenstillstand bedeutungslos.
Nach türkischen Angaben ist ein US-Patriot-Flugabwehrsystem in der südöstlichen Provinz Malatya stationiert worden. Dies sei Teil der Maßnahmen der NATO zur Stärkung der Luftabwehr ihres Verbündeten angesichts der Raketenbedrohung durch den Iran-Krieg, teilt das türkische Verteidigungsministerium mit.
Israels Militär hat nach eigenen Angaben eine Reihe von Angriffen auf den Finanzarm der militanten Hisbollah-Miliz – die Gruppe Al-Kard al-Hassan – im Libanon ausgeführt. Israel wirft der Hisbollah vor, die Gruppe zur Finanzierung ihrer militärischen Aktivitäten zu nutzen.
Irans Streitkräfte haben nach eigenen Angaben einen US-Luftwaffenstützpunkt im Nordirak angegriffen. Der Militärflugplatz Harir in der Autonomen Region Kurdistan sei mit fünf Raketen attackiert worden, berichtete der staatliche Rundfunk. Eine Bestätigung von US-Seite gab es zunächst nicht.
Iran wird seine Raketenangriffe nach Worten von Außenminister Abbas Araghtschi „so lange wie nötig“ fortsetzen. „Wir sind bestens darauf vorbereitet, sie so lange wie nötig und so lange es dauert mit unseren Raketen anzugreifen“, sagte Araghtschi im US-Fernsehsender PBS News, Neue Gespräche mit den USA schloss er aus. Teheran habe zuletzt „sehr bittere Erfahrungen mit Gesprächen mit den Amerikanern gemacht“.
Israels Armee hat nach eigenen Angaben eine Abschussvorrichtung für Raketen in Iran beschossen. Von dort aus seien „vor kurzer Zeit Raketen auf den Staat Israel abgefeuert wurden“.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Israel hat in der Nacht zum Dienstag nach Berichten libanesischer Staatsmedien Ziele im Süden und Osten des Libanon angegriffen. „Feindliche Kriegsflugzeuge verübten Luftangriffe auf die Orte Almadschadel, Schakra und Srifa“, berichtete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA. Zudem habe es Luftangriffe im Bekaa-Tal im Osten des Libanon gegeben.
Die syrischen Streitkräfte haben einen Artillerieangriff der libanesischen Hisbollah-Miliz auf einen Militärstützpunkt nahe der Grenze gemeldet. Die Geschosse seien unweit der Ortschaft Serghaya nordwestlich der Hauptstadt Damaskus niedergegangen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf die Militärführung.
Die Entscheidung über ein Ende des Krieges mit den USA und Israel liegt nach Ansicht der iranischen Revolutionsgarde ausschließlich bei Iran. „Wir werden es sein, die das Ende des Krieges bestimmen“, erklärten die Revolutionsgarden. „Der künftige Status der Region liegt jetzt in den Händen unserer Streitkräfte, die amerikanischen Truppen werden den Krieg nicht beenden“, hieß es weiter. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gesagt, der Krieg sei weitgehend entschieden.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat nach Angaben der Regierung in Ankara den Start von zwei Raketen in Richtung Türkei dementiert. In einem Telefonat mit Staatschef Recep Tayyip Erdoğan habe Peseschkian beteuert, die im türkischen Luftraum abgefangenen Raketen seien nicht iranischen Ursprungs, teilte das türkische Präsidialamt mit. Der Vorfall werde untersucht.
Bei einem iranischen Angriff auf das Staatsgebiet von Bahrain ist nach Angaben aus dem Golfstaat eine 29-jährige Frau getötet worden. Acht weitere Menschen seien bei der Attacke auf ein Wohnhaus in der Hauptstadt Manama verletzt worden, teilte das Innenministerium mit.
Neue Aufnahmen eines Angriffs auf eine Mädchenschule in Iran untermauern die Vermutung, dass die USA für die Militäroperation am 28. Februar verantwortlich waren. Das Video, zuerst von der Investigativgruppe Bellingcat analysiert, wurde am Tag des Angriffs aufgenommen und erst am Sonntag von der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr veröffentlicht. Es zeigt, wie eine Rakete ein Gebäude trifft und Rauch in die Luft steigt. Die Nachrichtenagentur AP konnte das Video geolokalisieren und bestätigen, dass es in der Nähe der Schule aufgenommen wurde.
Ein Forscher der Expertengruppe identifizierte die Munition als Tomahawk-Marschflugkörper – eine Waffe, über die in diesem Krieg nach bisherigem Wissen nur die USA verfügen. Es ist der erste Hinweis auf die bei dem Angriff eingesetzte Munition. Die Schule grenzt an einen Stützpunkt der Revolutionsgarden in Minab im Süden Irans. Bei der Explosion starben 165 Menschen.
Wegen des Iran-Kriegs verlängert Lufthansa den Flugstopp für den Nahen Osten. Dubai und Abu Dhabi werden frühestens nächste Woche wieder angeflogen, Tel Aviv erst Anfang April. Die Verbindungen von und nach Teheran sind schon bis Ende April komplett abgesagt. Der Flugstopp gilt auch für die Lufthansa-Töchter Eurowings, Austrian, Swiss und Brussels Airlines.
Die Präsidenten der USA und Russlands haben in einem Telefonat über den Iran-Krieg gesprochen. In Teheran haben Tausende Anhänger des Regimes für den neuen obersten Führer demonstriert.
Source: tagesschau.de