Die Bayern bangen um Kane – Eberl spricht übrig Urbigs WM-Chancen
Im Hinspiel des Achtelfinals der Champions League kommt es für den FC Bayern zu einer Premiere: Erstmals tritt er in einem Pflichtspiel bei Atalanta Bergamo an. Manuel Neuer fehlt, Jonas Urbig kann sich für die WM empfehlen. Trainer Vincent Kompany gibt ein Update zu Harry Kane.
Am frühen Montagabend landete der FC Bayern in Bergamo. Für Vincent Kompany und seinen Verteidiger Josip Stanisic ging es direkt in das Stadion von Atalanta, der Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters und der Defensivprofi hielten dort die Pressekonferenz vor dem Hinspiel des Achtelfinals der Champions League am Dienstag (21 Uhr, Amazon Prime Video) ab.
Erstmals trifft der FC Bayern dann in einem Pflichtspiel auf Atalanta Bergamo. Für den Klub aus München beginnt die sogenannte „Crunchtime“, die entscheidende Phase der Saison. „Bergamo spielt eine ganz besondere Art von Fußball, sie spielen wie fast keiner. Es wird ein interessantes Spiel“, sagte Kompany. Und Stanisic sagte über Bergamo: „Die werden Vollgas geben.“
Kompany betonte, dass Bergamo viele Läufe in die Tiefe mache. „Sie spielen Mann gegen Mann auf dem ganzen Platz, seit Jahren. Man darf diesen Gegner nicht unterschätzen“, so der Bayern-Trainer. „Es ist eine starke italienische Mannschaft. Das weiß jeder Fußballexperte. Aber auch wir haben unsere Stärken.“
Spürt er als Trainer mehr Druck oder Vorfreude vor Beginn der entscheidenden Saisonphase? Für die Bewertung einer Saison des FC Bayern ist schließlich das Abschneiden in der Königsklasse immer maßgeblich. „Du bist jetzt in einer Phase, in der du Möglichkeiten hast. Unsere Ziele für die Saison haben wir laut formuliert, für jeden Wettbewerb“, antwortete Kompany. „Wir sind voll auf unsere Chancen fokussiert. Ohne Angst.“
Bergamo spielte Samstagabend 2:2 (0:1) gegen Udinese Calcio. Die Gäste aus Udinese gingen durch Thomas Kristensen (39. Minute) und Keinan Davis (55.) in Führung, ehe Gianluca Scamacca mit zwei Toren in der Schlussphase (75./79.) ausglich. Bergamo ist in der italienischen Liga Tabellensiebter, der Klub droht den Anschluss an die europäischen Plätze zu verlieren.
In der Champions League hingegen liegt die Mannschaft von Trainer Raffaele Palladino voll im Soll. Über die Playoffs qualifizierte sie sich für das Achtelfinale, drehte das 0:2 aus dem Hinspiel in Dortmund und triumphierte 4:1 gegen den BVB. In der Ligaphase war Atalanta ein 2:1 gegen den FC Chelsea gelungen – ebenfalls im heimischen Stadion.
Max Eberl spricht über Manuel Neuers Zukunft
Die Bayern sind also gewarnt – und bangen seit Tagen um den Einsatz von Harry Kane. Nach seiner Prellung an der linken Wade verpasste der Starstürmer am vergangenen Freitagabend das 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach. „Wir werden noch abwarten bis morgen früh. Dann werden wir eine Entscheidung treffen, ob er von Anfang an spielen kann“, sagte Kompany Montagabend. Wichtig sei erstmal, dass Kane im Kader und auf der Reise dabei sei.
Nicht spielen wird Manuel Neuer. Der Bayern-Kapitän fällt nach dem dritten Muskelfaserriss seit Mitte Dezember 2025 ein weiteres Mal aus. Für ihn wird Jonas Urbig das Tor hüten. Wie im Vorjahr ist der Neuer-Ersatz auch in dieser Saison im Achtelfinale gefordert.
2025 musste Neuer im Hinspiel gegen Bayer Leverkusen nach knapp einer Stunde raus – auch mit einem Muskelfaserriss. Urbig präsentierte sich danach beim 3:0 und im Rückspiel in Leverkusen (2:0) als sicherer Rückhalt.
Der 22-Jährige, der im Winter 2025 vom damaligen Zweitligaklub 1. FC Köln nach München gewechselt war, wirbt durch die reichlichen Einsätze im Tor für eine tragende Rolle in der Ära nach Neuer. „Jonas hat einen Riesensprung gemacht“, lobte Stanisic seinen Kollegen. Für die Mannschaft ändere sich nichts.
Der Vertrag Neuers endet im kommenden Sommer, die Zukunft des Weltmeisters von 2014 darüber hinaus ist offen. „Wir wissen, in welchem Alter Manu ist. Wir haben immer gesagt, jetzt soll er erst mal 40 Jahre alt werden Ende März. Und dann werden wir uns in Ruhe hinsetzen und sprechen“, sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl auf der Reise nach Bergamo.
„Dann muss er uns sagen, wie er sich fühlt, wie er drauf ist. Und wir müssen für uns entscheiden, wie es dann weitergeht. Er hat bisher eine herausragende Saison gespielt, er ist ein Toptorwart“, so Eberl, der zudem versicherte: „Aber mit der (jetzigen) Verletzung ändert sich gar nichts für uns.“ Man werde am Ende eine Entscheidung „zusammen fällen mit Manu“.
Eberl lobte Ersatzmann Urbig, dieser habe eine „Super-Entwicklung“ genommen. Er mache sich „null komma null Sorge“, wenn Urbig gegen Bergamo im Tor stehe, so Eberl.
Könnte sich Urbig mit den weiteren Einsätzen sogar für eine WM-Nominierung empfehlen? „Jonas soll jetzt morgen seine Rolle spielen“, so Eberl. „Was soll ich sagen? Ich bin nicht Sportdirektor der Nationalmannschaft, sondern Sportvorstand des FC Bayern. Ich bin sehr froh, dass Jonas bei uns ist.“ Dann ergänzte Eberl aber noch: „Wenn er gute Leistung bringt, ist, glaube ich, jeder Spieler ein Kandidat.“
Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Wolff ist seit Montag mit dem FC Bayern in Bergamo und wird Dienstagabend beim Spiel im Stadion sein.
Source: welt.de