Schließung in Erfurt: Betriebsrat kann Zalando-Zeitplan verzögern

Der Ex-Gewerkschafter und heutige Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow ist aktuell als Berater für den Zalando-Betriebsrat tätig.

Zalando will das Logistikzentrum in Erfurt schließen und mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan für die Mitarbeitenden verhandeln. Eine Einigungsstelle soll dabei für Klarheit sorgen. Die Belegschaft hat sich derweil mit Bodo Ramelow (Linke) einen erfahrenen Arbeitskämpfer an die Seite geholt. So blickt er auf den aktuellen Stand.

Nach der Schließungsentscheidung für den Zalando-Standort in Erfurt strebt das Management von Zalando im Mai eine Einigung über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die Mitarbeiter an. Zwar habe es mit dem Betriebsrat einige Gespräche, aber noch keine Verhandlungen dazu gegeben, sagte ein Sprecher des Unternehmens.
Mit diesem Schritt verlasse das Unternehmen „den Pfad der direkten Verständigung“, kritisierte der Betriebsrat in einer Mitteilung. „Statt in einen konstruktiven Dialog über den Interessenausgleich und Sozialplan zu treten oder die Hintergründe der Schließungspläne umfassend aufzuklären, versucht Zalando nun, den Betriebsrat gerichtlich in eine Einigungsstelle zu zwingen.“ Damit wolle Zalando den Weg für Kündigungen freimachen.

Der Betriebsrat kann das Aus für den Standort Erfurt aus Sicht von Linken-Politiker Bodo Ramelow zumindest hinauszögern. Nachdem Zalando das Arbeitsgericht Erfurt angerufen habe, könne der Betriebsrat dort auch Gegenmaßnahmen einreichen, sagte der frühere Ministerpräsident der Deutschen Presse-Agentur. „Das kann auch auslösen, dass der ganze Zeitplan des Unternehmens sehr schnell ins Rutschen kommt.“

Ramelow: Zalando hat offenbar wenig Erfahrung

Der Ex-Gewerkschafter und heutige Bundestagsvizepräsident Ramelow, der aktuell als Berater für den Betriebsrat tätig ist und in der Vergangenheit unter anderem als Bahn-Schlichter fungierte, sagte weiter: „Da hat der Arbeitgeber jetzt einen Schritt in die falsche Richtung gemacht.“ Offenbar gebe es bei Zalando wenig Erfahrung mit solchen Situationen. Dass nun das Gericht angerufen werde, empfinde der Betriebsrat als Provokation.

Noch sei nicht dargelegt worden, weswegen der Standort mit seinen 2700 Mitarbeitern überhaupt geschlossen werden müsse, so Ramelow weiter. Auch über realistische Perspektiven für eine Fortsetzung oder etwaige Alternativen gebe es keine ausreichenden Informationen. Bis heute wisse beispielsweise niemand, wem die Halle eigentlich gehöre. Zudem müssten bestimmte Personengruppen wie Alleinerziehende, Schwerbehinderte und langjährige Mitarbeitende besser geschützt werden.

Der Arbeitgeber habe den „Fehdehandschuh“ hingeworfen – der Betriebsrat sei aber weiter verhandlungsbereit. Am Montag sollen in einer Pressekonferenz weitere Details erörtert werden.

Das Erfurter Logistikzentrum von Zalando mit 2700 Mitarbeitenden soll Ende September komplett geschlossen werden. Neben der Beratung durch die Agentur für Arbeit direkt am Standort und internen Stellenbörsen gab es in der vergangenen Woche eine erste Jobmesse mit mehr als 80 interessierten Firmen aus der Region. Dabei haben sich nach Unternehmensangaben 1100 Mitarbeiter zu beruflichen Perspektiven informiert.