Landtagswahl: Cem Özdemirs Grüne liegen laut Prognose in Baden-Württemberg vorn



Leon Ginzel
Leon Ginzel

Die 18-Uhr-Prognose für die Landtagswahl in Baden-Württemberg

Die ersten Zahlen zum Wahlausgang liegen vor. Die 18-Uhr-Prognose für die ARD von Infratest dimap sieht folgendermaßen aus:

Grüne: 32,0 (-0,6)
CDU: 29,0 (+4,9)
AfD: 17,5 (+7,8)
SPD: 5,5 (-5,5)
Linke: 4,5 (+0,9)
FDP: 4,5 (-6,0)

Damit liegen die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir laut der Prognose vorne und würden die Wahl nach einer Aufholjagd gewinnen. CDU-Kandidat Manuel Hagel hingegen konnte seinen Vorsprung aus den Umfragen nicht halten. Stand jetzt sind Linke und FDP nicht im Landtag.

Max Hägler
Max Hägler

Prognosen in der Opernpause

Die Meistersinger von Nürnberg sind das Konkurrenzprogramm zur Wahlbeobachtung: Zum Glück hat die Oper – direkt neben dem Landtag – die Pause so gelegt, dass alle aufs Handy schauen können. Günter-Martin Karst und seine Gattin Stefanie erwarten, was sie alle hier erwarten: Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz.

Ob es eine Wirtschaftswahl ist angesichts der Krise? „Ja, aber es ist schon so, dass zu viel auf die Politik abgeschoben worden ist“, sagt Musiker Karst. Die Manager hätten doch auch Fehler gemacht, die E-Mobilität verschlafen und zu lange auf das Alte gesetzt.

Ein paar Gläser weiter steht Helge Roske, sagt, was auch viele hier sagen: „Wir sind die Baden-Württemberger Mitte, irgendwo zwischen Grün und Schwarz.“ Was das Entscheidende sei? Dass die AfD nicht zu viele Stimmen bekomme. 

Günter-Martin Karst und seine Frau Stefanie
Günter-Martin Karst und seine Frau Stefanie

Eva Ricarda Lautsch
Eva Ricarda Lautsch

Zwei Locations, zwei Wahlpartys

Wer hätte gedacht, dass es so knapp wird? Ich bin inzwischen auf der CDU-Wahlparty im Stuttgarter Geno-Haus angekommen. Das Gebäude liegt an einer Ausfallstraße direkt hinter dem Hauptbahnhof. Die Grünen haben mit der Staatsgalerie, einem Kunstmuseum, die etwas coolere und vom Landtag aus deutlich besser erreichbare Wahlparty-Location gebucht – direkt neben dem Parlamentsgebäude.

Hier bei der CDU ist die Stimmung angespannt. Niemand weiß, wie viel Klarheit die erste Prognose um 18 Uhr schon bringen kann.

Hier geht's zur CDU-Wahlparty
Hier geht’s zur CDU-Wahlparty

Katrin Scheib
Katrin Scheib

Der Wahlabend in Live-Grafiken

Welche Partei schneidet am besten ab? Welche Koalitionen könnten das Land künftig regieren? Und wie setzt sich der neue Landtag zusammen? Unser Datenteam sammelt diese Ergebnisse den ganzen Abend und bereitet sie in Live-Grafiken auf.

Verfolgen Sie hier Auszählung und Ergebnisse in allen Wahlkreisen:

Katharina James
Katharina James

Markus Frohnmaier – Rechtsaußen mit Russlandaffinität

Markus Frohnmaier
Markus Frohnmaier. Thomas Kienzle/AFP/Getty Images
Der Bundestagsabgeordnete (MdB) Markus Frohnmaier bewirbt sich als einziger der Kandidaten ausschließlich um das Amt des Ministerpräsidenten – sollte er sein Ziel nicht erreichen, würde er Abgeordneter in Berlin bleiben. Frohnmaier ist seit 2013 Mitglied der AfD. Der 35-Jährige ist Mitbegründer der ehemaligen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) und war von 2015 bis 2018 auch deren Bundesvorsitzender.

Frohnmaier gilt auch innerhalb der AfD als weit rechts stehend, ihm wird Nähe zu Björn Höcke und Parteichefin Alice Weidel nachgesagt. Der Verfassungsschutz warf ihm 2018 Verbindungen zu rechtsextremistischen Verlagen und Publizisten und zu der rechtsradikalen German Defence League (GDL) vor. 2019 kam die Behörde zu dem Schluss, Frohnmaier legitimiere „Angriffe auf das staatliche Gewaltmonopol“. Auch habe er Kontakte zur rechtsextremen Identitären Bewegung.

Als MdB ist Frohnmaier stellvertretender Vorsitzender und außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion, zudem Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. In der Vergangenheit fiel der gebürtige Rumäne durch Besuche in Russland sowie Kontakte zu russischen Regierungsvertretern auf. Von deutschen Medien enthüllte angebliche Dokumente aus russischen Regierungskreisen, die ihn als von Russland gesteuert erschienen ließen, wies Frohnmaier als Hetzkampagne zurück.

Im Wahlkampf in Baden-Württemberg befürwortete Frohnmaier unter anderem eine restriktive Migrationspolitik und wandte sich gegen jedwede Klimaschutzpolitik

Katharina James
Katharina James

Manuel Hagel – jung, konservativ und ehrgeizig

Manuel Hagel
Manuel Hagel. Sean Gallup/Getty Images
Manuel Hagel könnte der jüngste Ministerpräsident Deutschlands werden. Der 37-Jährige engagierte sich schon früh in der CDU, die er seit zehn Jahren im baden-württembergischen Landtag vertritt. Mittlerweile ist er der Landesvorsitzende seiner Partei.

Hagel gilt als konservativ und werteorientiert. Ende Januar stellte er zusammen mit den Ministerpräsidenten von Bayern und Hessen, Markus Söder (CSU) und Boris Rhein (CDU), die „Drei-Löwen-Allianz“ vor, deren zentrale Forderungen eine Reform des Länderfinanzausgleichs sowie mehr Eigenständigkeit der Bundesländer sind.
 
Hagel wird ein gutes Verhältnis zu dem scheidenden grünen Ministerpräsidenten nachgesagt. „Ich verspreche eines für unsere CDU: Das politische Erbe von Winfried Kretschmann wird bei uns in guten Händen sein“, sagte er im Wahlkampf. Ein weiteres Versprechen ist die Abgrenzung von der AfD. Mehrfach schloss Hagel eine Koalition oder Zusammenarbeit mit der Partei aus. 

Katharina James
Katharina James

Cem Özdemir, der grüne Publikumsliebling

Cem Özdemir
Cem Özdemir. Sean Gallup/Getty Images
Cem Özdemir ist der bekannteste der Spitzenkandidaten, mit 60 Jahren auch der Zweitälteste. Der Sohn türkischer Einwanderer ist seit mehr als 40 Jahren bei den Grünen aktiv. Von 2008 bis 2018 war er Co-Vorsitzender der Partei. In der Ampelkoalition von 2021 bis 2025 war er Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung, von November 2024 bis Mai 2025 übernahm er zusätzlich das Ressort Bildung.

Ebenso wie der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann gehört Özdemir dem sogenannten Realoflügel seiner Partei an. Im Wahlkampf hat er sich mehrfach von den Bundesgrünen abgesetzt, insbesondere bei den Themen Migration, Sicherheit, Wirtschaft und Klimaschutz.

Er befürwortet, Asylverfahren in sichere Drittstaaten auszulagern, was in seiner Partei umstritten ist. Insgesamt befürwortet Özdemir eine stärkere Begrenzung irregulärer Zuwanderung sowie eine strengere Trennung zwischen Arbeits- und Asylmigration. 

Marla Noss
Marla Noss

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kandidaten

An der Befragung von Abgeordnetenwatch haben knapp 80 Prozent aller Kandidierenden in Baden-Württemberg teilgenommen. Unsere Grafik zeigt auf Grundlage dieser Daten, wie sich die Direktkandidaten in ihren Antworten zu politischen Fragen inhaltlich unterscheiden. Der Spitzenkandidat Manuel Hagel beispielsweise hat alle Fragen genauso beantwortet wie 15 seiner Parteikollegen. Die Antworten von Cem Özdemir hingegen weichen mehrmals von den Antworten seiner Parteikollegen ab.

Lesen Sie hier mehr zu den Positionen der einzelnen Kandidierenden: 

Katharina James
Katharina James

Hans-Ulrich Rülke, ein schlagfertiger Liberaler im Abstiegskampf

Hans-Ulrich Rülke
Hans-Ulrich Rülke. ©Christoph Schmidt/dpa
Während des Wahlkampfs hat Hans-Ulrich Rülke von der „Mutter aller Wahlen“ gesprochen, die über das Schicksal des Liberalismus in Deutschland entscheiden werde. Tatsächlich könnte es sein, dass seine Partei erstmals nicht in den Landtag in ihrem Stammland Baden-Württemberg einzieht. In den letzten Umfragen vor der Wahl stand die FDP bei 5,5 Prozent. Es ist also fraglich, ob es für den Einzug reichen wird. Der frühere Gymnasiallehrer Rülke hat seine eigene politische Zukunft an den Wahlausgang geknüpft. Er ist seit 20 Jahren Landtagsabgeordneter, davon 17 als Fraktionschef. Bekannt ist Rülke für seine schlagfertigen Reden, insbesondere gegen die AfD. Im Wahlkampf hatte Rülke versprochen, sich für Bürokratieabbau einzusetzen und grenzte sich klar von „linksgrüner Ideologie“ ab.

Katharina James
Katharina James

Ein Wahlkampftermin weit weg von der Zielgruppe

Wenige Tage vor der Landtagswahl ist der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier zu einem Treffen mit konservativen US-Republikanern nach Washington, D. C. gereist. Meine Kollegen Anna Sauerbrey und Tilman Steffen haben ihn dort getroffen.

Den ganzen Text lesen Sie hier:

Leon Ginzel
Leon Ginzel

So ist die politische Ausgangslage in Baden-Württemberg

Aktuell regiert in Baden-Württemberg eine Koalition aus Grünen und CDU, angeführt vom scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Er kam bei der letzten Landtagswahl mit den Grünen auf 32,6 Prozent und gewann mit deutlichem Vorsprung vor der CDU (24,1 Prozent). Die Sitzverteilung im Stuttgarter Landtag ist derzeit wie folgt: 
  • Grüne: 58 Sitze
  • CDU: 42 Sitze
  • SPD: 19 Sitze
  • FDP: 18 Sitze
  • AfD: 17 Sitze
So sieht der aktuelle Landtag aus
So sieht der aktuelle Landtag aus. Christoph Schmidt/dpa
Die lange Amtszeit von Winfried Kretschmann ist ungewöhnlich und hat Baden-Württemberg in den letzten Jahren eine politische Sonderrolle verschafft. Denn Kretschmann war der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands und der am längsten amtierende Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Er löste 2011 zunächst mit einer grün-roten Koalition die jahrzehntelange CDU-Vorherrschaft ab. 2016 wurden die Grünen erstmals stärkste Kraft und wechselten in ein Bündnis mit der CDU. Seither regiert Kretschmann an der Spitze einer grün-schwarzen Koalition und gewann 2021 erneut deutlich. 

Leon Ginzel
Leon Ginzel

Letzte Umfragen deuten auf sehr engen Ausgang hin

Noch vor wenigen Wochen lagen die Grünen in Baden-Württemberg noch relativ klar hinter der CDU, doch das Blatt scheint sich zu wenden. In der neuesten Umfrage des ZDF-Politbarometers liegen beide Parteien gleichauf bei 28 Prozent, dahinter kommen die AfD (18 Prozent), SPD (8 Prozent), FDP und Linke (beide 5,5 Prozent).

Mehr dazu lesen Sie in dieser ausführlichen Meldung:

Alexander Eydlin
Alexander Eydlin

Hohe Wahlbeteiligung bis 14 Uhr

Bei der Wahl in Baden-Württemberg zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Bis 14.00 Uhr haben laut Landeswahlleiterin Cornelia Nesch 41,34 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der Wahl 2021 hatten zu dem Zeitpunkt nur 30,57 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme an der Urne abgegeben. Allerdings gab es damals inmitten der Coronapandemie deutlich mehr Briefwähler. 

Katrin Scheib
Katrin Scheib

„Da hört man einfach auch gern auf“

15 Jahre Landesvater, das Ende einer Ära: Im Gespräch mit Tina Hildebrandt und Max Hägler blickt Winfried Kretschmann zurück auf seinen politischen Werdegang. Dabei spricht der scheidende Ministerpräsident über grüne Politik und Pragmatismus, über Autos und Glauben. Und er beantwortet die Frage: Hätten Sie lieber Bayern regiert?

Das Interview lesen Sie hier:

Katharina James
Katharina James

SPD-Spitzenkandidat hofft auf ein zweistelliges Ergebnis

Andreas Stoch
Andreas Stoch. Thomas Niedermüller/Getty Images
Andreas Stoch ist seit 2018 Landeschef der SPD in Baden-Württemberg. Der Jurist gehört dem Landtag seit 17 Jahren an. In der ersten Amtszeit des scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann war er Kultusminister. Im Wahlkampf setzte Stoch auf die Themen Wirtschaft, Bildung und bezahlbarer Wohnraum. „Wir wollen auf jeden Fall Zweistelligkeit erreichen“, hat er im Wahlkampf als Ziel ausgerufen. Danach sieht es nach den letzten Umfragen jedoch nicht aus: Die SPD steht demnach bei 8 Prozent.

Kurz vor dem Wahltag fing er sich einen Shitstorm ein, weil er nach dem Besuch eines Tafelladens in Baden-Baden seinen Fahrer gebeten hatte, für ihn im benachbarten Frankreich Entenpastete einzukaufen. Stoch widersprach dem Vorwurf, er sei ein abgehobener Politiker: „Das ist eine Hausmacher-Leberwurst, die 1,80 Euro pro 100 Gramm kostet“, sagte er.