Warum es nebst welcher Wahl in Baden-Württemberg zu Händen viele Parteien um mehr geht

Wahlplakate sind in Böblingen zu sehen.

Stand: 07.03.2026 • 13:53 Uhr

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ringen CDU und Grüne um den Wahlsieg. Nicht nur für diese beiden Parteien steht viel auf dem Spiel. Warum die Bundespolitik gespannt auf die Wahl schaut. Ein Überblick.

CDU

Die Kanzlerpartei schaut mit großer Nervosität auf die erste Landtagswahl dieses Jahres in Baden-Württemberg. Das einst traditionell konservativ regierte Stammland war zuletzt mehrmals in Folge an die Grünen gegangen.

Da der Zeitgeist weder in Berlin noch in Stuttgart besonders grün weht, sah man die Rückeroberung schon als gesichert an. Nun ist es laut letzter Vorwahlumfragen denkbar, dass die Union ihren sicher geglaubten Sieg doch nicht in der Tasche hat. Doch macht der Landespartei im Wahlkampf auch mangelnder Rückenwind vom Bund zu schaffen – Friedrich Merz hat als Kanzler gerade im Südwesten viele Unionswähler mit seiner Kompromiss-Politik Richtung SPD enttäuscht.

Andererseits schaden der Regional-CDU vermutlich jüngere interne bundespolitische Debatten – etwa über „Lifestyle“-Teilzeit – bei den liberalen Mitte-Wählerinnen und -Wählern, die sie damit als Partei der „sozialen Kälte“ wahrnehmen, so der Politologe Frank Brettschneider.

Was der Partei im aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir nutzen könnte: Dass sich ihr FDP-Wählerinnen und -Wähler zuwenden, um einen erneuten grünen Ministerpräsidenten zu verhindern.

AfD

Noch vor fünf Jahren schaffte die baden-württembergische AfD bei der Landtagswahl nur ein einstelliges Ergebnis mit 9,7 Prozent. Die südwestdeutschen Wählerinnen und Wählern sprechen sich in Vorwahlumfragen aktuell zu 18 Prozent für die Partei aus, die in diesem Bundesland als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ eingestuft ist. Doch ihre Werte sind in den vergangenen Wochen deutlich gesunken.

Die AfD versucht, sich über das Thema Wirtschaft und Energiekrise zu profilieren – und etwa mit Aussagen pro Kernkraft und pro Kohlekraftwerke enttäuschte konservative Unionswählende einzusammeln.

Zu schaffen machen könnten der Partei bei dieser Landtagswahl zum einen Vorwürfe von Vetternwirtschaft, auch gegen Landes-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier. Auch ihr außenpolitischer Streit über den US-Präsidenten Donald Trump und den Angriff auf Iran wird nicht helfen, ihr Wahlkampfziel „Zwanzig Prozent plus X“ zu erreichen. Frohnmaier, der ohnehin geringe Beliebtheitswerte im Land aufweist – reiste in der letzten Wahlkampfwoche lieber für ein paar Tage nach Washington, als Wahlkampf zu machen. Das kam auch intern nicht gut an.

SPD

Einen Wahlverlust hat die Bundespartei SPD bereits eingepreist. Denn die Mitte-Links-Partei ist in Baden-Württemberg ohnehin traditionell schwach. Nun kommt hinzu, dass sie im Endspurt-Duell der beiden Spitzenkandidaten von Union und Grünen geradezu eingequetscht wird: Sie könnte sogar deswegen noch Stimmen an CDU oder Grüne verlieren.

Für die Berliner Parteizentrale im Willy-Brandt-Haus wird entscheidend sein, ob die Landes-SPD wie bei der Landtagswahl 2021 wenigstens ein zweistelliges Ergebnis holen kann.

Dieses Mal droht jedoch nicht nur ziemlich sicher ein einstelliges Ergebnis, sondern laut dem Stuttgarter Politologen Brettschneider sogar das schlechteste Ergebnis überhaupt, was Landtagswahlen angeht. Denn auch diese Partei hat keinerlei Rückenwind aus der Bundespolitik, da sie als Juniorpartnerin in der Bundesregierung mit unter der schlechten Gesamtbewertung in aktuellen Umfragen leidet.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen schauen wohl von ihrer Parteizentrale in Berlin aus recht entspannt in das Bundesland, das mit einem erstem grünen Ministerpräsidenten Geschichte für die Republik geschrieben hat. Auch wenn dieser nicht mehr antritt – ihr neuer Spitzenkandidat Cem Özdemir ist ein bekannter Bundespolitiker. Er versucht bewusst, sich von der Bundespartei inhaltlich weit abzugrenzen, um sich vom Negativ-Trend der Bundespartei abkoppeln zu können.

Republikweit baden die Grünen eher noch ihre Rolle am Scheitern der Ampel-Regierung aus. Es ist deswegen kein Zufall, dass Özdemir die führende Bundesspitze nicht strategisch in seinen Wahlkampf eingebunden hat. Er inszeniert sich – ganz in der Tradition von Winfried Kretschmann – als grüner Südwest-Solitär: Der in Baden-Württemberg geborene Politiker setzt mehr auf das Thema Wirtschaft als auf das grüne Kernthema Klimaschutz und plädiert für strengere Migrationspolitik als der grüne Bundeskonsens.

Die Linke

Vom eher mittigen Kurs der Grünen in Baden-Württemberg erhoffte sich die Linkspartei eine ausreichende Lücke bei den Wählenden des linken Spektrums. Denn im Bund läuft es seit dem Überraschungserfolg der geschrumpften Bundespartei 2025 gut – sie setzt auf den Schwerpunkt Sozialpolitik und Umverteilungsdiskurse.

In den baden-württembergischen Landtag hatte sie 2021 den Sprung nicht geschafft. Nun könnte es knapp reichen, was auch der Popularität von Heidi Reichinnek zugerechnet wird. Sie konnte sich im Bundestagswahlkampf und danach als Fraktionsvorsitzende im Bundestag bundesweit einen Namen machen.

Allerdings droht auch der Linkspartei der Negativ-Effekt für die kleineren Parteien, verursacht vom Kopf-an-Kopf-Rennen zweier eher gleichstarker Konkurrenten. In der Wahlkabine werden viele danach entscheiden, ob sie lieber einen grünen oder einen christdemokratischen Ministerpräsidenten wollen.

FDP

Es wird eng für die FDP: Ihre Repräsentanz in Landtagen schwindet. Nur im FDP-Stammland Baden-Württemberg deuteten die Umfragen auf einen Wiedereinzug in den Landtag hin: Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist für die FDP eine Schicksalswahl.

Denn auch für die Bundes-FDP bedeutet es viel, ob sich die liberale Partei in dem starken Bundesland noch behaupten kann: Je eher noch eine Ländervertretung der Partei da ist, desto eher wird man dem Bundesvorsitzenden Christian Dürr noch zuhören, der derzeit noch das Scheitern der Partei an und in der Ampel-Regierung aushalten muss, um zugleich für eine Wiederauferstehung Richtung nächster Bundestagswahl zu sorgen.

Doch nun schwinden durch das Kopf-an-Kopf-Rennen von Union und Grünen gleich zwei Chancen für die FDP: Der Wiedereinzug in den Landtag sowie auch noch eine Option des Mitregierens in einer Koalition aus CDU, SPD und FDP. Diese wird von Wahlforschern zwar nicht ganz ausgeschlossen, jedoch aktuell als sehr unwahrscheinlich eingestuft.

Mit Informationen von Lissy Kaufmann und Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio

Anmerkung: Die Auswahl und Reihenfolge der Parteien orientiert sich an ihrer aktuellen Repräsentanz im Deutschen Bundestag und im baden-württembergischen Landtag.

Source: tagesschau.de