Lesbischen Frauen ist sie nicht „queer“ genug, dem RTL-Zuschauer ist sie zu sapphisch

Ihre Frau erlitt einen Schlaganfall, später folgte die Scheidung. Als „Princess Charming“ wurde sie zurückgewiesen. Bei „Let’s Dance“ läuft es gerade auch nicht richtig gut. Wer ist Vanessa Borck? Und: Wer war die Überraschung der zweiten Show und warum musste ausgerechnet eine TV-Legende gehen?

Sie tragen Krawatten in pink und rot und entsprechende Kleider. Die Farben beißen sich und ganz harmonisch fühlt sich dieser langsame Walzer auch nicht an. Nur acht Punkte bekommen Vanessa und Vica am Ende von der Jury in der ersten regulären Folge von „Let’s Dance“. „Aber ich habe mehr gestrahlt als letzte Woche“, piepst Vanessa und verbleibt am Ende haarscharf als Vorletzte noch in der Show.

Sie habe wie ein „Storch im Salat“ getanzt, so schon Joachim Llambis treffendes Urteil in der Kennenlernshow vergangene Woche. Und wahrlich hat Vanessa, die sich verniedlichend „Nessi“ nennen lässt, mit ihren langen Beinen Probleme, wirklich elegant zu tanzen. In Sendung zwei lief es nicht sehr viel besser, „überschaubar“ habe sie getanzt, so Llambi diesmal. „Wenn der Tanz gut ist, kann keiner was Schlechtes über dich schreiben“, umschrieb es Jorge.

Es sei ihr wichtig, mit einer Frau zu tanzen. Das hatte Vanessa von Anfang an klargestellt. Der Hass auf Social Media war groß nach der ersten Sendung, in der ihr angenehm unaufgeregt Vica Sauerwald als Tanzpartnerin an die Seite gestellt wurde. Ja, es wird interessant, ob es jemals irgendwelche Hebefiguren geben kann, wie die beiden ihre Dynamik bei Tänzen wie Tango oder Paso Doble lösen werden – falls sie so weit kommen sollten. Aber ist so etwas nicht auch ein Grund, „Let’s Dance“ zu schauen? Und wer die Realität in deutschen Durchschnittstanzschulen kennt, weiß: Hier müssen sowieso andauernd zwei Frauen miteinander tanzen.

Mit den noch gnadenloseren Härten des Lebens kennt Vanessa sich längst aus. Es ist sicherlich auch ihre Geschichte, mit der sie sich als Teilnehmerin für „Let’s Dance“ qualifizierte. 2022 wurde sie jäh aus ihrem regenbogenfarbenen Influencer-Leben herausgerissen: Ihre damalige Frau Ina erlitt mit 26 Jahren einen schweren Schlaganfall – vor Vanessas Augen. Ina brach beim Sport zusammen, Vanessa war damals hochschwanger mit ihrer Tochter. Die war mit Samenspende und künstlicher Befruchtung entstanden. Sie sollte von Vanessa und Ina gemeinsam aufgezogen werden, die eine „Mama“, die andere „Mami“. Nur wenige Tage nach dem Schlaganfall setzten bei Vanessa die Wehen ein, Ina lag zu diesem Zeitpunkt noch auf der Intensivstation. Unklar, ob und wie sie jemals wieder ansprechbar sein wird. Weitere Fragen war: Wird sie je wieder sprechen und laufen können? Das Baby adoptieren und sich gemeinsam mit Vanessa um es kümmern können?

Die 29-Jährige nahm ihre Community auch zu dieser Zeit auf Instagram mit und zeigte ihr Leben: mit neugeborenem Baby, keiner Partnerin an der Seite. Statt im Wochenbett stand sie am Krankenhausbett. Sie war damals dünn, blass, verzweifelt. Die Liebe zwischen Ina und ihr war eine große, sie war Vanessas erste Freundin, erste Frau. Sie hielt Inas Hand als diese aufwachte, schob ihren Rollstuhl, fütterte sie, half beim Laufen und dabei, das Sprechen wieder zu lernen.

Die beiden versuchten langsam wieder das Leben zu leben, das sie geplant hatten, mit Haus, Kind, Ehe. Doch Ina hatte sich verändert, Vanessa war lange alleine, musste sich arrangieren, Ina neu kennenlernen, die sich selbst noch gar nicht wieder kannte, halbseitig eingeschränkt, plötzlich behindert. Ihr altes Leben passte nicht mehr zu diesen neuen Frauen und zusammen passten sie so auch nicht mehr.

2024 folgte also die Trennung, im vergangenen Jahr wurde Vanessa zur „Princess Charming“, eine Art „Bachelorette“-Format, aber nur für Frauen. Die Singlefrauen waren angetan von Vanessa – aber keine so richtig. Es fanden sich stattdessen Pärchen untereinander, immer wieder verließ eine nach der anderen die Show, weil sie „es nicht fühlten“ mit Vanessa oder abgeschreckt waren, dass sie schon Mutter ist. Vanessa verliebte sich in Lotti, die machte ihr Hoffnungen, Vanessa wollte mehr – Lotti war das zu viel, sie verließ ebenfalls die Show. Vanessa brach daraufhin ab.

Schicksalsschlag, Scheidung, Singlesein – Vanessa hat es schwer, genauso schwerfällig, aber tapfer tapst sie aktuell auch über das „Let’s Dance“-Parkett. Doch sie macht immer weiter. Nach dem unrühmlichen Ende ihrer Datingshow rief sie auf Instagram auf, sich für Dates mit ihr zu melden. Vielen lesbischen Frauen ist sie nicht „queer“ genug, sie nennen sie „baby gay“, den RTL-Zuschauern wiederum ist sie zu lesbisch, weil sie mit einer Frau tanzen will. Vanessa sucht, findet ihren Weg aber noch nicht. In der zweiten „Let’s Dance“-Show landete sie auf dem letzten Platz nach Jurypunkten. Doch am Ende hat noch ein Paar weniger Anrufe als sie, Vanessa darf weitertanzen. Mit einer Frau. Und wer wird nun wen hochheben?

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Und sonst?

Perfektionistin und „Verräterin“ Anna Carina Woitschack erhoffte sich sicherlich mehr, nur 14 von 30 möglichen Punkten erhielt sie. Oder in Victoria Swarowski-Sprache: „Ihr wart der absolute Wahnsinn! Ein TOP Cha-Cha! Das Publikum ist abgegangen!“

Frage des Abends

Warum genau gab es Standing Ovations für Betty Taubes Wiener Walzer? Zugegeben, sie ist recht sympathisch, aber wenn das Publikum jetzt schon damit anfängt, muss es in zwei Wochen doch komplett stehen bleiben?

Überraschung des Abends

Das frühe Ausscheiden der Privatfernsehen-Legende Sonya Kraus – sie sei „zu alt“, haben ihre Kinder ihr schon prophezeit, erklärte sie im Anschluss der Show bei Frauke Ludowig. Dennoch habe man eine größere Basis-Fangemeinde erwartet, wer bei Telefonvotings mitmache, sei schließlich genau in Sonyas Alter (51). Vielleicht haben ihre Aussagen über Dschungelkönig Gil Ofarim ein paar Fans abgeschreckt. Sie wollte in ihm eine „tiefe Traurigkeit“ entdeckt haben, mit der er ihr „Herz erobert“ habe.

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Und: Der langsame Walzer vom „Tokio Hotel“-Schlagzeuger Gustav, der wohl zum ersten Mal im deutschen Fernsehen mehrere Sätze sagen durfte ohne von Bill Kaulitz unterbrochen oder von dessen Haar verdeckt zu werden. Und auch überraschend gut tanzte, sicherlich kommt der nette Mann von nebenan noch ein paar Runden weiter.

Schönster Spruch

„Es ist nicht schwer, es ist komplex.“

Prognose:

Ross hat das Zeug zum Publikumsliebling, erreicht die Millennials, die ihn aus „Brosis“-Zeiten kennen und die Damen, die ihn in „Fernsehgarten“ und Co. immer so nett und witzig finden – und durfte Charleston tanzen, was natürlich recht gut zu seinem Naturell passte, mal sehen, wie er sich mit einem Paso Doble schlägt. Bei seiner Popstars-Kollegin Nadja hat sich das Bootcamp mit Detlef D! Soost vor 25 Jahren auch gelohnt, sie kann immer noch Choreografien lernen und solide aufführen, das wird fürs vordere Mittelfeld reichen.

Ekat hat es dieses Jahr etwas schwerer, vielleicht gelingt ihr wieder eine Heldenreise mit Comedian Simon Gosejohann, ein paar Runden wird ihr Fame ihn auf jeden Fall noch tragen.

Source: welt.de