Irankrieg: Die Schwächen in Amerikas Drohnenabwehr

Nun unterstützt auch die Ukraine die Vereinigten Staaten bei ihrem Krieg gegen Iran – bei der Drohnenabwehr. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass Kiew ei­ne Anfrage aus Washington erhalten habe, „für konkrete Unterstützung beim Schutz gegen Shaheds im Nahen Osten“. Die Ukraine wehrt sich seit Jahren gegen Kamikazedrohnen dieses Typs. Er habe angewiesen, so Selenskyj, die erforderlichen Mittel und Spezialisten für die USA bereitzu­stellen.

US-Präsident Donald Trump sagte dazu: „Ich nehme jede Hilfe von jedem Land an.“ Damit würde die Ukraine vom Bittsteller zum Helfer werden. Denn die amerikanische Drohnenabwehr scheint teils Schwächen zu haben.

Sechs amerikanische Soldaten wurden bei einem Drohnenangriff in Kuwait am Sonntag getötet. Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, dass eine „mächtige“ iranische Waffe die Luftverteidigung durchbrochen ha­be. Laut CNN gaben Hegseth und Generalstabschef Dan Caine in einer internen Besprechung zu, dass Drohnen ein größeres Problem darstellten als erwartet. Demnach ist die US-Luftverteidigung nicht in der Lage, alle von ihnen abzuwehren. Laut den USA hat Teheran seit Kriegsbeginn mehr als 2000 Kamikazedrohnen eingesetzt. Auch ein wichtiger amerikanischer Marinestützpunkt in Bahrain wurde beschädigt.

„Es gibt keine Entschuldigung für diese mangelnde Vorbereitung“

„Es gibt keine Entschuldigung für diese mangelnde Vorbereitung“, erklärte Kelly Grieco der F.A.Z. Sie setzt sich an der Denkfabrik Stimson Center in Washington mit modernem Luftkampf auseinander. Die USA hätten vier Jahre Zeit gehabt, um von der Ukraine zu lernen, so die Analystin. Dennoch habe Washington nicht genügend in die Drohnenabwehr investiert. Die Luftverteidigung im Nahen Osten setze sich vor allem aus Sys­temen zusammen, die gegen ballis­tische Raketen gerichtet sind, wie Patriots oder THAAD: „Diese teuren und hochmodernen Systeme sind für schnelle Bedrohungen in großer Höhe optimiert, nicht für langsame und niedrig fliegende Drohnen.“

Die USA hätten zwar viele Drohnenabwehrsysteme getestet, so Grieco. Aber demnach nicht genügend Geld in die Beschaffung gesteckt; eine ausreichende Stückzahl stehe Washington derzeit nicht zur Verfügung.

Die Ukrainer besitzen dagegen mehrere erprobte Abwehrsysteme gegen russische Drohnen, die auf den iranischen Shahed basieren. Diese gelten als technisch simpel, können aber in großer Zahl erheblichen Schaden anrichten. In der Regel stürzen sie mit einer Sprengladung in ihr Ziel. Die weitreichende Shahed-136, die Iran nun im Nahen Osten einsetzt, soll eine Reichweite von rund 2000 Kilometern haben. Die Kosten werden auf zwischen 20.000 und 50.000 Dollar geschätzt. Viele Systeme, die die USA laut Fachleuten gegen die iranischen Drohnen verwenden, sind um ein Vielfaches teurer.

Ukrainische Abfangdrohnen für den Nahen Osten?

Abhilfe schaffen sollen offenbar günstige ukrainische Abfangdrohnen. Die „Financial Times“ berichtete, dass das Pentagon und mindestens ein Golfstaat Gespräche mit Kiew über deren Beschaffung führten. Solche Abfangdrohnen werden so nah wie möglich an ihr Ziel gesteuert, bevor sie zur Explosion gebracht werden oder die feindliche Drohne rammen.

Doch Selenskyj dürfte eine Gegenleistung für die wichtigen Systeme erwarten. Schon zuvor bot er Golfstaaten Unterstützung bei der Abwehr iranischer Drohnen an – und schlug ein Tauschgeschäft vor: Abfangdrohnen gegen Patriot-Raketen, die die Ukraine dringend gegen russische Raketenangriffe braucht. Aber auch Amerika und die Golfstaaten sind auf solche Systeme angewiesen, um sich gegen iranische Raketen zu schützen. Be­obachter warnen davor, dass die Luftverteidigungsmunition ausgehen könnte; auch wenn Washington sich und seine Verbündeten für einen längeren Krieg gerüstet sieht.

Manche fürchten nun, dass die USA für den Irankrieg Abwehrwaffen aus ihrem Land abziehen. Südkoreanische Fachleute erklärten, dass dies moderne THAAD-Abfangraketen betreffen könnte. Amerika hat mehrere Verteidigungssysteme in dem Land stationiert. Die koreanische Zeitung „DongA Ilbo“ berichtete am Donnerstag, dass Seoul und Washington Konsultationen über den amerikanischen Munitionsbedarf und die mögliche Verlegung von US-Streitkräften in den Nahen Osten führten.

Dabei soll es auch um Offensivwaffen gehen, die laut amerikanischen Medienberichten ebenfalls begrenzt sind. Die Vereinigten Staaten hätten bereits im Dezember mindestens 1000 Lenkbombenvorrichtungen des Typs Paveway, mit denen konventionelle Bomben für Präzisionsschläge ausgerüstet werden können, zunächst zurück in die USA verlegt, berichtete die Zeitung „Chosun Ilbo“. Die USA benötigen diese offenbar für ihren Einsatz in Iran.

Source: faz.net