Heimatschutzministerium: Warum Noem nachher einem Jahr in Betracht kommen musste

Als Kristi Noem im Januar 2025 zum ersten Mal in ihrer neuen Rolle als Heimatschutzministerin vor die Presse trat, spielte der Country-Song „Hot Mama“. Auf dem Weg zur Bühne ertönten die Zeilen: „Du machst mich an, lass uns die Stimmung anheizen und diesen Raum in eine Sauna verwandeln. Eine heiße Mama. Was sagst du, Baby, willst du?“

Noem, dreifache Mutter, war von Donald Trump auserkoren worden, sich um eines seiner Kernthemen zu kümmern: die Verfolgung und massenhafte Abschiebung von Migranten ohne gültige Aufenthaltserlaubnis. Doch nach gut einem Jahr schiebt er die frühere Gouverneurin und Kongressabgeordnete aus South Dakota, die vielfach wegen ihres ungewöhnlichen Stils aufgefallen ist, nun auf einen anderen Posten.

Donald Trump verzichtete auf Kritik, als er die Absetzung von Heimatschutzministerin Kristi Noem bekannt gab. Sie habe gute Arbeit geleistet, vor allem an der Grenze, schrieb er auf seiner Plattform. Künftig werde Noem Sondergesandte für die neue amerikanische Sicherheitsinitiative in der westlichen Hemisphäre. Es war ein Wegloben, kein skandalträchtiger Rausschmiss, wie es ihn in Trumps erster Amtszeit mehrfach gegeben hatte.

Doch die Botschaft war unmissverständlich, zumal Trump ihren designierten Nachfolger Markwayne Mullin als „MAGA-Krieger“ lobte, der den Mut und die Weisheit habe, seine „Amerika zuerst“-Agenda weiter voranzutreiben.

Werbekampagne mit dem eigenen Gesicht?

Noems Arbeit der vergangenen dreizehn Monate lässt sich in Bildern nachverfolgen: Noem mit einer 50.000-Dollar-Rolex am Handgelenk vor halb nackten Gefangenen im berüchtigten Cecot-Gefängnis in El Salvador, Noem auf berittener Patrouille an der Grenze in Texas, Noem mit Sturmgewehr und kugelsicherer Weste zwischen Beamten der Grenzschutzpolizei. Am Ende soll es auch eine Werbekampagne mit dem eigenen Gesicht gewesen sein, die ihr bei Trump das Genick brach.

In einer Anhörung am Dienstag hatte Noem behauptet, die 220 Millionen Dollar teure Kampagne zur „Selbstabschiebung“ von Migranten sei vom Präsidenten abgenickt worden. Trump bestritt das gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Er habe davon nichts gewusst. Berater sollen ihn schon länger gewarnt haben, Noem versuche, sich auf Kosten der Regierung zu profilieren.

Es ist bemerkenswert, dass nicht schon Noems Umgang mit den tödlichen Schüssen auf zwei Amerikaner in Minneapolis zu ihrer Entlassung führte. Im Falle Renee Goods hatte sie von „Inlandsterrorismus“ gesprochen, bevor es eine Untersuchung gegeben hatte. Alex Pretti warf die Heimatschutzministerin vor, er habe die Beamten des Grenzschutzes „angegriffen“ und mit einer Waffe „herumgefuchtelt“.

Noem in die Mangel genommen

Beides stellte sich anhand mehrerer Videoaufnahmen später als falsch heraus. Im Weißen Haus war man damals bereit, darüber hinwegzusehen. Einsatzleiter Greg Bovino musste Minneapolis verlassen – das sollte zur Besänftigung der Öffentlichkeit offenbar genügen.

In dieser Woche waren es jedoch nicht nur Demokraten, die Noem in der Kongressanhörung in die Mangel nahmen. Dass die Heimatschutzministerin dann auch noch den Namen Trumps ins Spiel brachte, um sich zu verteidigen, soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Danach ging alles offenbar sehr schnell. Senator Mullin, der den Posten am 31. März übernehmen soll, sagte nach der Nominierung selbst, er sei „ein wenig überrascht“ gewesen.

Markwayne Mullin: Vor seiner politischen Karriere war er ein Mixed-Martial-Arts-Kämpfer.
Markwayne Mullin: Vor seiner politischen Karriere war er ein Mixed-Martial-Arts-Kämpfer.Reuters

Trumps Wahl dürfte nicht nur auf Mullin gefallen sein, weil der ein lautstarker Vertreter der „Make America Great Again“-Bewegung ist. Mullin dürfte als Senator auch ohne große Probleme durch die eigene Kammer kommen, die ihn auf dem Posten bestätigen muss. Er ist in seinen Ansichten nicht weniger radikal als Noem, aber weniger skandalbehaftet.

Der „Junge aus Oklahoma“ im Kabinett des Präsidenten

In ersten Äußerungen nannte sich Mullin, der seit 2013 im Kongress sitzt, einen „Jungen aus Oklahoma“, der künftig im Kabinett des Präsidenten sitzen werde. Er freue sich darauf, um die Unterstützung seiner „Kollegen“ im Senat zu werben, und werde als Heimatschutzminister für alle Amerikaner arbeiten, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Die traditionell Trump-kritischen Senatoren Thom Tillis und Lisa Murkowski sprachen sich noch am Donnerstag für Mullins Bestätigung aus.

Er halte sein Wort, hob Tillis hervor. Murkowski sprach von einer großartigen Wahl; Mullin sei ein respektabler Mann. Damit dürfte der Senator aus Oklahoma so gut wie durch den Senat sein. Ohne eine nennenswerte Zahl an Abweichlern können die Republikaner die Personalie mit der eigenen knappen Mehrheit durch die Kammer bringen.

Senator Tillis fügte seinen Bemerkungen zu Mullin hinzu, dieser sei außerdem ein „Hundeliebhaber“. Das dürfte eine Anspielung auf eine Passage in Kristi Noems Autobiographie von 2024 gewesen sein, in der sie darüber schrieb, dass sie einen 14 Monate alten Hund der Familie erschossen habe, weil der aggressiv und wild gewesen sei. „Ich habe diesen Hund gehasst“, schrieb sie damals und zog aus der Erschießung politische Lehren. So sei es kein „angenehmer Job“, aber notwendig gewesen. Danach habe sie auch gleich noch einen Ziegenbock der Familie erschossen. Der sei „böse und gemein“ gewesen, weil er nicht kastriert worden war.

Senator Tillis fügte seinen Bemerkungen zu Mullin hinzu, dieser sei außerdem ein „Hundeliebhaber“. Das dürfte eine Anspielung auf eine Passage in Kristi Noems Autobiographie von 2024 gewesen sein, in der sie darüber schrieb, dass sie einen 14 Monate alten Hund der Familie erschossen habe, weil der aggressiv und wild gewesen sei. „Ich habe diesen Hund gehasst“, schrieb sie damals und zog aus der Erschießung politische Lehren. So sei es kein „angenehmer Job“, aber notwendig gewesen. Danach habe sie auch gleich noch einen Ziegenbock der Familie erschossen. Der sei „böse und gemein“ gewesen, weil er nicht kastriert worden war.

Source: faz.net