Nach „Gen-Z“-Protesten: Nepal wählt ein neues Parlament

Eine Frau wirft ihren Wahlschein in eine Wahlurne in Kathmandu, Nepal.

Stand: 05.03.2026 • 12:12 Uhr

Nepal wählt heute ein neues Parlament. Es ist die erste Wahl seit den gewaltsamen „Gen Z“-Protesten im vergangenen Jahr. Jetzt hoffen die Menschen auf einen Wandel – dafür tritt auch ein ehemaliger Rapper an.

Musikalisch, könnte man sagen, hat er die Wahlen schon gewonnen. „Balen, Balen“, dringt es aus vielen Lautsprechern. Balendra Shah, bis Januar Bürgermeister von Kathmandu und ehemaliger Rapper, ist zweifellos der Kandidat der Jungen.

Gekleidet mit dunkler Sonnenbrille und schwarzem Jackett inszeniert sich der 35-Jährige bei seinen Wahlkampfauftritten lässig – und als Macher: „Ich bin ein Mensch, der handelt. Wenn Sie mir eine Aufgabe geben, werde ich sie erledigen. Würden Sie mich für sich arbeiten lassen? So wie es die Einwohner von Kathmandu getan haben, würden auch Sie mir vertrauen?“, sagt er.

Balendra Shah schüttelt Hände bei einem Wahlkampfauftritt in Kathmandu Ende Februar.

Kandidat der jungen Generation

Ein Auftritt, der ankommt – weit über die ganz Jungen, die „Gen Z“, hinaus. Balendra Shah alias Balen hat sich in den vergangenen vier Jahren als Bürgermeister von Kathmandu Anerkennung erworben: Ausbau der Infrastruktur und der Gesundheitsfürsorge, das kam an.

Nirmala ist 40 Jahre alt, auch sie findet Balen gut: „Ich werde für Balendra Shah stimmen, weil diejenigen, die das Land über drei Jahrzehnte lang regiert haben, nichts für uns getan haben und die Korruption sehr hoch war“, sagt sie einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP. „Der Wendepunkt war der Protest der Generation Z am 8. und 9. September, bei dem junge Menschen erschossen wurden. Wenn ich an diesen Tag denke, bin ich immer traurig und muss weinen.“

Die Wut der „Gen Z“

„Wir wollen Gerechtigkeit“, skandierten sie vergangenen September. Ein Protest, der sich entzündet hatte an einer Blockade der sozialen Medien durch die bisherige Regierung. Doch die Mächtigen hatten die Wut unterschätzt, die gerade die Jungen in Nepal lange schon hatten. Eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent: Wer einen Job sucht, muss seine Familie verlassen und in den Golfstaaten schuften.

Unerträglich, findet der 30-jährige Anish. „Nur die armen Jugendlichen gehen zur Arbeit in die Golfstaaten, während die führenden Politiker und Elitefamilien ihre Söhne und Töchter nie nach Saudi-Arabien oder Katar schicken“, sagt er. „Ich will dieser Vetternwirtschaft und dieser Ungleichheit ein Ende setzen, deshalb unterstütze ich die RSP, die Partei von Balen. Wenn unsere Jugendlichen weiterhin ins Ausland gehen, kann sich unser Land nicht entwickeln.“

Wie die Kinder der Reichen und Mächtigen, die sogenannten Nepokids, im Luxus leben, das konnten alle damals bei Instagram und TikTok sehen. Die Wut auf das Establishment wurde dadurch umso größer.

Mehr als 70 Tote, 2.500 Gebäude waren in Flammen, darunter Hotels, Häuser von Politikern und das Parlament. Das war die Bilanz der „Gen Z“-Proteste.

Kandidatur trotz Rücktritt

Ministerpräsident KP Sharma Oli wurde eine Mitschuld an den Toten gegeben, der 74-jährige Marxist und seine gesamte Regierung mussten zurücktreten. Die ehemalige Oberste Richterin des Landes, Sushila Karki, wurde Übergangspremierministerin.

Doch obwohl KP Sharma Oli vor sechs Monaten geschasst wurde, will er es noch einmal versuchen. Und verhöhnt dabei sogar seinen knapp halb so alten Herausforderer Balen, den Rapper.

„Niemand kennt ihn hier in diesem Wahlkreis“, sagt Oli. Er selbst habe etwas für die Menschen des Wahlkreises, für dessen Entwicklung und für das Land getan. „Ich habe etwas erreicht und die Leute wissen das sehr gut. Die anderen Kandidaten sind alle neu, sie haben keine Erfahrung, nichts. Sie haben sich nicht bewährt, manche sind gar gescheitert.“

Hoffnung auf einen Wandel

Dass der ehemalige Premierminister auch der neue sein wird, das glauben nur wenige. Zu sehr sehnen sich viele Menschen nach einem dauerhaften Wandel: nach weniger Korruption, mehr Jobs.

Die Hausfrau Laxmi Devi Thapa ist nur eine Stimme von vielen: „Die ehemaligen Anführer sind alt geworden und brauchen jetzt Ruhe. Ich hoffe, dass neue Anführer nachrücken“, sagt sie. „Sie können Gutes für das Land tun. Ich bin nicht die Einzige, die das sagt, alle sagen es.“

Source: tagesschau.de