Im Bundesdurchschnitt: Dieselpreis überspringt die Marke von zwei Euro

Die Preise an den Tankstellen steigen zügig weiter. Nach Durchschnittspreisen um 1,70 Euro je Liter Diesel vor dem Angriff Israels und der USA auf Iran, lag schon der Tagesdurchschnitte am Sonntag bei einem Preis von 1,759 Euro je Liter Diesel und damit so hoch wie zuletzt Anfang April 2024. Am Montag wurden dann im Schnitt 1,80 Euro erreicht, am Dienstag 1,921 Euro. Am Mittwoch teilte dann der ADAC auf Nachfrage mit, der Dieselpreis habe im Bundesdurchschnitt zur morgendlichen Preis-Spitze 2,059 Euro je Liter betragen.
Angesichts der stark gestiegenen Preise für Benzin und vor allem Diesel an den deutschen Tankstellen gibt es Kritik an den Mineralölkonzernen. Die Linke forderte am Dienstag, Rekordgewinne abzuschöpfen. Die Grünen forderten das Bundeskartellamt auf, die Preissprünge zu untersuchen. Die CDU schloss einen Markteingriff zumindest nicht kategorisch aus.
Streit um hohe Profite aus dem Ölverkauf
Die Energieindustrie verteidigte sich. Der Irankrieg hat den Rohölpreis kräftig steigen lassen. Iran kontrolliert die für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Rund ein Fünftel der globalen Ölproduktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert. Am Sonntag waren dort drei Schiffe angegriffen worden, zahlreiche Reedereien stellten den Verkehr durch die Passage ein.
Der Tankstellenverband, der die Interessen von Tankstellenpächtern und -eigentümern vertritt, warf den Öl-Konzernen vor, die Preise stärker zu erhöhen als nötig. Sie würden noch einmal „zwei bis drei Prozent“ auf die Preise aufschlagen, die sie selbst wegen des Kriegs mehr zahlen müssten, sagte Verbandssprecher Herbert Rabl.
„Die Preise an den Tankstellen werden weiter steigen. Ich befürchte, dies ist der Beginn einer Preisspirale“, sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, der „Rheinischen Post“ vom Dienstag. „Es ist Aufgabe des Kartellamtes, zu prüfen, ob die Preissprünge gerechtfertigt sind.“
Linken-Chefin Ines Schwerdtner kritisierte, die Energiekonzerne würden auf Kosten der Verbraucher „Rekordprofite“ einstreichen. „Wir haben das nach dem Angriff auf die Ukraine schon erlebt: Öl- und Gaskonzerne machten massive Übergewinne in Milliardenhöhe, während viele Beschäftigte nicht wussten, wie sie ihre nächste Heizkostenabrechnung bezahlen sollen.“ Sie forderte eine Übergewinnsteuer.
Maßnahmen zur Preisdämpfung?
Die schwarz-rote Koalition behält sich zumindest Maßnahmen zur Preisdämpfung vor. „Ich will da nichts ausschließen“, sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) in Berlin. Die Union werde die Lage beobachten und dann mit dem Koalitionspartner SPD weiter beraten. Infolge des Ukrainekrieges hatte die damalige Ampel-Regierung die Autofahrer im Jahr 2022 mit einer Spritpreisbremse entlastet.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, nach eigenen Angaben zuständig für die Raffinerien und Markentankstellen in Deutschland, verteidigte die frühzeitigen Preiserhöhungen. Es gelte das „kaufmännische Prinzip“, wonach „nur so das Geld zum Einkauf der deutlich teurer gewordenen Produkte Benzin und Diesel verdient werden kann“, erklärte ein Sprecher. Versorgungssicherheit sei „leider nicht losgelöst von den Weltmärkten zu haben“.
Mit dem Beginn des Irankriegs sind die Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt kräftig gestiegen. Das für den europäischen Markt wichtige Öl der Sorte Brent aus der Nordsee hat sich in den ersten beiden Handelstagen der Woche deutlich verteuert. Der Preis stieg von etwa 72 Dollar je Barrel (159 Liter) am vergangenen Freitag um etwa 17 Prozent auf mehr als 85 Dollar. Am Mittwoch stabilisierte sich der Preis auf 84 Dollar. Neben dem Öl verteuerte sich aus europäischer Sicht auch noch der Dollar, in dem Öl in der Regel bezahlt wird. Von Preisen um 1,18 Dollar für einen Euro müssen nun nur noch 1,16 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Umgekehrt sind nach 84,7 Euro-Cent für einen Dollar nun 86,2 Cent nötig.
Die Dauer des Kriegs als große Unbekannte
Sollte der Krieg im Nahen Osten länger andauern, rechnen Experten mit einem weiteren Preisanstieg am Ölmarkt. Im Prinzip ist zwar genügend Rohöl auf den Märkten vorhanden. Zuletzt hatten mit der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zwei wichtige Organisationen der globalen Ölbranche sogar vor einem Überangebot in diesem Jahr gewarnt. Hintergrund sind unter anderem die Fördermengen wichtiger Ölstaaten, die in dem Ölverbund Opec+ organisiert sind. Diese haben in den vergangenen Monaten immer wieder ihre Produktionsmengen angehoben und damit die Sorge vor einem zu hohen Angebot geschürt. Dies ist auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Ölpreise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tendenziell gefallen waren. Im Dezember wurde Brent-Öl aus der Nordsee noch bei etwa 60 Dollar je Barrel gehandelt.
Mit dem starken Preissprung seit Beginn des Irankriegs könnte aber auch das hohe Angebot nicht ausreichen, um die Ölpreise wieder auf das Niveau des vergangenen Jahres zu drücken. Die heftigen Preisanstiege bei wichtigen Energierohstoffen rufen Ökonomen auf den Plan, die vor Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, auch in Deutschland, warnen. Entscheidend dürfte hierbei die Dauer des Kriegs sein. Erst bei einem länger andauernden Konflikt würde ein deutlicher Anstieg der Ölpreise riskant für die Konjunktur, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. In diesem Falle „wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant“, sagt er. Bleibt es hingegen bei einem kürzeren Konflikt, „werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben“.
USA profitieren als größter Produzent von Öl
Große Profiteure des Preissprungs sind große Produzenten wie die Vereinigten Staaten, der derzeit der mit Abstand größte Ölproduzent der Welt. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump ist die Anhebung der Fördermenge ein wesentlicher Teil der politischen Agenda, nachdem der Republikaner mit dem Slogan „Drill, Baby, Drill“ in den Wahlkampf zog.
Gefolgt werden die USA von Saudi-Arabien und Russland auf den Plätzen zwei und drei, allerdings mit einigem Abstand. Vor allem Saudi-Arabien ist nach Einschätzung von Experten schnell in der Lage, die Fördermenge zu erhöhen, um einem zu starken Preisanstieg entgegenzuwirken. Das führende Opec-Land kann Rohöl vergleichsweise einfach und kostengünstig zutage fördern. Dagegen ist eine Anhebung der Fördermenge in den USA mit deutlich mehr Aufwand und höheren Kosten verbunden.
Eine zentrale Rolle spielt derzeit für die Verfügbarkeit von Öl der Transportweg. Dabei stehen Pipelines und Öltanker im Mittelpunkt. In Deutschland wird das meiste Rohöl über Pipelines zu den Raffinerien geliefert. Bei den globalen Lieferströmen werden hingegen Tanker genutzt, die Rohöl über Wochen zu den Zielhäfen transportieren. Neben dem Suezkanal gilt hierfür eben auch die Straße vom Hormus zwischen dem Iran und Oman als besonders wichtig. Durch die Meerenge am Persischen Golf wurde 2023 nahezu 30 Prozent des rund um die Welt verschifften Öls transportiert, rund ein Fünftel des globalen Bedarfs.
Source: faz.net