Fehlende Bestellungen: Werkzeughersteller Horst Pfau steht vor Insolvenz

Die Krise in der deutschen Industrie macht offenbar auch dem Familienunternehmen Horst Pfau zu schaffen. Bei dem Hersteller von Schnitt- und Stanzwerkzeugen aus dem Bergbaustädtchen Lößnitz im Erzgebirge läuft ein Insolvenzeröffnungsverfahren, wie aus einer Bekanntmachung des Amtsgerichts Chemnitz hervorgeht.
Das Gericht hat den Rechtsanwalt Christian Krönert von der Kanzlei Schultze & Braun am 25. Februar zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Wenige Stunden nach seiner Bestellung war er schon zum ersten Gespräch mit der Geschäftsleitung vor Ort.
Werkzeughersteller leiden unter schwacher Nachfrage
„Der Werkzeugbau in Deutschland steht insgesamt unter starkem Druck“, sagte Krönert der F.A.Z. Grund sei, dass Hersteller vieler Branchen seit einiger Zeit deutlich weniger neue Werkzeuge bestellen, weil sie wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit kaum neue Produktserien auf den Markt bringen. Dadurch seien der Auftragseingang und der Umsatz auch von Horst Pfau im vergangenen Jahr stark zurückgegangen.
Laut Krönert geht es nun darum, das Familienunternehmen mit seinen 25 Mitarbeitern zu stabilisieren. Das könnte den Weg zu einem strukturierten Verkaufsprozess eröffnen, um einen Investor zu finden, der neue Aufträge mitbringt. Der Insolvenzverwalter beobachtet und betreut gerade eine Reihe von weiteren Insolvenzen im verarbeitenden Gewerbe. Im Werkzeugbau laufe derzeit ein Konsolidierungsprozess.
Der Werkzeughersteller Horst Pfau fertigt Sonderwerkzeuge auf Kundenwunsch. Er hat eine lange und bewegte Unternehmensgeschichte, die bis ins Jahr 1914 zurückreicht. Zu DDR-Zeiten wurde das Unternehmen im Jahr 1972 verstaatlicht und gehörte laut seiner Unternehmenswebseite zu einem Kombinat der VEB Mechanisierung Röhrsdorf. Das Kürzel VEB steht für die in der DDR verwendete Rechtsform volkseigener Betriebe.
Nach der Wende wurde der Betrieb im Jahr 1990 zurückgekauft. Vom Jahr 1993 an führte der Ingenieur Horst Pfau einen Teil des Unternehmens als privates Einzelunternehmen weiter. Im Jahr 2007 übergab Pfau das Unternehmen an seine Töchter Steffi Zimmer und Silke Schmidt. Sie führten die Horst Pfau GmbH bis heute weiter.
Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist in den Jahren nach der Coronapandemie stark gestiegen. Laut einer Schätzung der Bonitätsauskunft Creditreform aus dem Dezember waren im vergangenen Jahr 22.900 Insolvenzanmeldungen von Unternehmen zu beklagen, ein Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Jahr 2024.