Wer entscheidet sozusagen via Kuba – Donald Trump oder Marco Rubio?

Die USA unter Donald Trumps Präsidentschaft werden wohl nicht Kuba angreifen, während sie noch gegen den Iran Krieg führen. Aber dass ein Angriff auch auf Kuba sich anbahnt, ist nicht erst seit dem Zwischenfall vom Mittwoch voriger Woche wahrscheinlich, als es zu einem Schusswechsel vor Kubas Nordküste kam. Nach Angaben der kubanischen Regierung hatte sich ein Schnellboot genähert, dessen Besatzung aus Exilkubanern bestand, die Tarnkleider und schusssichere Westen trugen. Als der Grenzschutz herangefahren sei, habe die Besatzung das Feuer eröffnet. An Bord habe man Waffen und Sprengsätze gefunden.

Ein Besatzungsmitglied habe später gestanden, von den USA „entsandt“ worden zu sein. Man kann das bezweifeln, die US-Regierung bestreitet es jedenfalls. Deren Außenminister Marco Rubio, selbst der Sohn von Exilkubanern, hat aber nicht nur eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt, sondern gleich auch hinzugefügt, man werde dem Ergebnis „entsprechend reagieren“. Auf Truth Social repostete Trump schon einen Beitrag, in dem Rubio scherzhaft als „Präsident von Kuba“ gehandelt wird: „Hört sich gut an für mich.“

Was wird geschehen, wenn Rubio zu dem Schluss kommt, der Vorfall habe sich nicht, wie von Kubas Regierung behauptet, in kubanischen Hoheitsgewässern zugetragen?

Trump erklärte nach Venezuela, auch Kuba werde bald fallen

Zwischenfälle solcher Art sind geeignet, zur Rechtfertigung von Kriegen herangezogen zu werden. Man denke an den Zwischenfall im Golf von Tonkin vor Nordvietnams Küste im August 1964, als die US-Regierung behauptete, zwei ihrer Kriegsschiffe seien ohne Anlass beschossen worden, und damit den anschließenden Krieg gegen Nordvietnam begründete. Heute ist erwiesen, dass sie die Vorfälle bewusst falsch dargestellt hat.

Was Kuba angeht, zeichnet sich ein Kriegskurs der USA schon ganz unabhängig von Untersuchungsfragen zum aktuellen Zwischenfall ab. Nachdem der venezolanische Präsident vom US-Militär entführt worden war, hatte Trump erklärt, auch Kuba werde bald fallen. Die Insel wird seitdem von Öllieferungen abgeschnitten, nicht nur solchen aus Venezuela, sondern auch etwa von mexikanischem Öl. Wie die mexikanische Präsidentin schon aussprach, wird ihr Land es kaum wagen, sich mit den USA anzulegen.

Zu den Schwierigkeiten, mit denen die kubanische, autoritär-sozialistisch geführte Wirtschaft ohnehin zu kämpfen hat – aus eigenem Versagen, aber auch wegen der immer schon verhängten US-Embargos – kommt nun noch der Ausfall des wichtigsten Sektors, des Tourismus, hinzu. Wenn Flugzeuge nicht mehr betankt werden können, bricht der Tourismus zusammen. Selbst Bischöfe, die zur Teilnahme an einer Veranstaltung im Vatikan aufgerufen waren, kamen aus Kuba nicht mehr heraus.

Kommunistischer Tourismus auf Kuba

In den ersten Jahrzehnten nach Fidel Castros Revolution im Jahr 1959 war der Tourismus in Kuba noch randständig, spielte aber eine bedeutende symbolische Rolle, weil sozialistische und kommunistische Gesinnungsfreunde aus aller Welt die Insel besuchten. Sie prägten dann in ihrer Heimat ein linkes Kuba-Bild. So in Deutschland, wo das auch vonseiten bedeutender Künstler geschah. Daran sollten wir uns heute durchaus erinnern.

In der lyrischen „Komödie“ Der Untergang der Titanic stellt Hans Magnus Enzensberger 1978 dar, wie er schon neun Jahre zuvor als Besucher der Insel am Sinn der Revolution zu zweifeln begann. „Wir sprachen in einem Kauderwelsch“, berichtet er, „Spanisch, Russisch und Deutsch, / von der fürchterlichen Zuckerernte“, „Und ich war zerstreut und blickte hinaus / über die Hafenmauer auf die Karibische See, und da sah ich ihn“, „ich allein und niemand sonst“, „da sah ich den Eisberg, unerhört hoch / und kalt, / wie eine kalte Fata Morgana / trieb er Langsam, unwiderruflich, / weiß, auf mich zu.“

Aber das Langgedicht ist auch Zeugnis einer Hoffnung, die nicht deshalb vergeht, weil sie enttäuscht wird: „Jung war ich nicht – was heißt jung? / Ich wohnte am Meer –, doch beinah zehn Jahre / jünger als jetzt, und bleich vor Eifer.“ Mehr noch, das Gedicht zeugt vom Bewusstsein, einer wichtigen historischen Stunde beizuwohnen, denn es kommt auf einige Gemälde aus alter Zeit zu sprechen, die von Widerstand und Untergang kündeten. Ganz von selbst ist damit die Frage nach der nächsten Revolte aufgeworfen. Die Enkel fechten’s besser aus.

Zur selben Zeit, als Enzensberger von „jungen Mulattinnen / mit der Maschinenpistole im Arm“ fasziniert ist, hält sich der Komponist Hans Werner Henze in Havanna auf: 1969 wird dort seine der kubanischen Revolution gewidmete sechste Sinfonie uraufgeführt. „Ich wollte da“, schreibt Henze, „meine Erfahrungen eines Bourgeois, der die herrschende Klasse 20 Jahre lang mit Musik beliefert hat, dazu benützen, um eine Musik gegen die Bourgeoisie zu komponieren.“ Anderswo schreibt er, ein kubanischer Wachsoldat mit Maschinengewehr sei an der Partitur der Sinfonie vorbeigegangen und da habe er geträumt, ein Tropfen Öl möge vom Gewehr auf sie fallen.

Was hat Trump eigentlich in seiner Regierung zu sagen?

Während Trump sagt, man brauche Kuba nicht militärisch anzugreifen, weil das Regime wegen der Ölblockade ohnehin stürzen werde, hat Rubio erklärt, Kuba könne das nächste Interventionsziel der USA sein. Ein Beispiel auch dafür, dass man sich manchmal fragen muss, ob Trump wirklich das politische Zentrum der unter seinem Namen agierenden US-Regierung ist. Schon bei der Intervention in Venezuela war es so gewesen, dass Trump und Rubio verschieden sprachen: Trump sagte, die USA würden Venezuela künftig regieren, ein paar Stunden später stellte Rubio richtig, es sei nur an eine Kontrolle gedacht.

Man kann den Eindruck haben, dass Trump oft nicht so richtig hinhört, wenn die US-Regierung etwas beschließt, was dann als „Trumps Politik“ figuriert. Manches mag sogar ganz über seinen Kopf hinweggehen. Von der neuen „Nationalen Sicherheitsstrategie“ der USA mutmaßte sogar die FAZ, Trump habe sie wahrscheinlich gar nicht gelesen. Viele Irritationen, die Trump unseren Medien bereitet, könnten darin ihre Quelle haben, dass er hin- und herspringende Sätze etwa zum Ukrainekrieg äußert, weil er sich nur teilweise für die Sache interessiert, um die es geht (für den geschäftlichen Teil), während die Mannschaft, die hinter ihm steht, einen in Wirklichkeit sehr kohärenten Kurs verfolgt.

Trump ist wichtig, weil er Wähler und Wählerinnen anzieht. Wenn dann aber EU-Politiker daraus, sich seinen Launen anzupassen, einen Nutzen zu ziehen hoffen, ist das wahrscheinlich in jedem Wortsinn „daneben“.

Wie jetzt wieder im Irankrieg: Nur ganz leise wollen sie auftreten, um Trump nicht zu reizen. Und so auch, wenn bald Kuba fallen soll? Die Welt wird immer verrückter.