Ölversorgung: Irans Revolutionsgarden prognostizieren Ölpreis von 200 US-Dollar

Ein General der
iranischen Revolutionsgarde hat erneut gezielte Angriffe auf Tanker in der
Straße von Hormus verkündet, um den Rohstoffmarkt zu stören und die globalen Ölpreise
auf bis zu 200 US-Dollar zu treiben. Irans Truppen würden „jedes Schiff
verbrennen“, das die Meerenge – ein Nadelöhr für den globalen Frachtverkehr –
zu passieren versuche, drohte General Sardar Dschabbari auf Telegram.

„Wir werden
auch Ölpipelines angreifen und nicht zulassen, dass auch nur ein Tropfen Öl die
Region verlässt“, erklärte General Sardar Dschabbari am Montag im
Onlinedienst Telegram. „Der Ölpreis wird in den kommenden Tagen 200 Dollar
erreichen.“

Es ist die bisher
expliziteste Äußerung zum Status der Meerenge. Am Samstag hatten
die iranischen Revolutionsgarden verkündet, die Route sei ab sofort für den
internationalen Schiffsverkehr gesperrt
. Zahleiche Reedereien und
Kreuzfahrtschiffe hatten daraufhin ihre Fahrten ausgesetzt.

Ein unter der
Flagge von Honduras fahrender Tanker stand nach einem Drohnenangriff am Montag bereits
in der Meerenge in Flammen, berichteten iranische Medien unter Berufung auf ‌die Revolutionsgarden.

Reedereien halten Krisensitzungen ab

Nach Angaben des Verbands
deutscher Reeder (VDR) ist die Straße von Hormus aktuell physisch nicht
blockiert. Die Lage sei aber besorgniserregend. In vielen Mitgliedsunternehmen
liefen fortlaufend Krisensitzungen.

Die eskalierende
Lage beeinträchtigt die globalen Rohstoffmärkte. Öl- und Gaspreise stiegen deutlich.
Der Preis für Brent-Öl kletterte zwischenzeitlich auf mehr als 80 US-Dollar je
Barrel (159 Liter) und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2024. Am Montag
lag der Ölpreis für die Sorte WTI zum Börsenschluss in den USA bei 71,23
US-Dollar je Barrel und für die Nordseesorte Brent bei 77,74 US-Dollar je
Barrel.

In den USA ist
der durchschnittliche Benzinpreis erstmals seit November wieder auf drei
US-Dollar pro Gallone (etwa 0,68 Euro pro Liter) gestiegen. Angesichts des
Krieges gegen den Iran erwarten Experten in dieser Woche einen weiteren Anstieg
auf bis zu 3,25 US-Dollar.

Wirtschaftsweise Grimm warnt vor Energieschock in Europa

Die
Wirtschaftsweise Veronika ​Grimm warnt
wegen des Kriegs im Nahen Osten auch vor einem neuen Energiepreisschock für Deutschland. „Ein erneuter Energieschock
würde eine ​Wirtschaft
belasten, die sich ⁠noch immer von den vergangenen ​Preissprüngen erholt“, sagte Grimm dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Eine
längere Eskalation oder gar eine Störung zentraler Transportwege könnte darüber
hinaus neue Lieferkettenprobleme verursachen“. Für Europa bedeute das: „steigende
Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche
Investitionsunsicherheit“

Analysten hielten
⁠einen Ölpreis ​von über 100 Dollar für möglich, wenn die Straße von Hormus faktisch ​gesperrt
bleibe. Die Europäische Union bereitet sich bereits auf mögliche Notlagen vor. Es
werde ein Energie-Krisenstab mit den Mitgliedstaaten eingerichtet, teilte EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen nach einer Sondersitzung in Brüssel mit. As Krisengremium
soll Reaktionen auf rasant steigende Öl-, Sprit- und Gaspreise planen.

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer
und dem Indischen Ozean. Täglich werden etwa 20 Millionen Barrel Rohöl und
Erdölprodukte durch die Straße von Hormus transportiert, was bis zu 30 Prozent
des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Öls entspricht. Etwa 20 Prozent des
weltweiten Handels mit Flüssigerdgas (LNG) werden über den Schifffahrtsweg
abgewickelt, wobei der Großteil aus Katar stammt.

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