Gnadenlos abgeschriebenes Gemälde ist doch ein Rembrandt
Jahrzehntelang galt der „Zacharias“ im Rijksmuseum als Werk eines Unbekannten. Nun erklären Restauratoren das Gemälde wieder zum originalen Rembrandt – dank neuer Hightech-Analysen, die einen alten Methodenstreit neu entfachen.
Laut Google-Suche führt „Zacharias“ zur Friedhofsverwaltung in Hamburg-Eidelstedt oder zum Heizungsbetrieb in Hameln. „Zacharias“ könnte aber auch der langbärtige Alte auf einem Gemälde heißen, das seit Jahrzehnten im Amsterdamer Rijksmuseum hängt. Jedenfalls war man sich weitgehend einig, dass es sich bei dem Mann im geheimnisvollen Dunkel um den Hohepriester handeln muss, den der Evangelist Lukas zum Vater des Täufer-Johannes gemacht hat. Nur der Maler blieb anonym – zumindest seit den frühen 1960er-Jahren, als der alte Rembrandt-Verdacht von der strengen Bildwissenschaft kategorisch ausgeschlossen wurde.
Jedoch sind die gnadenlosen Abschreibungen des sogenannten „Rembrandt Research Projects“, welches das opulente Werk des niederländischen Barockmeisters auf menschliches Normalmaß reduziert hat, nie besonders populär gewesen. Dass der famose „Mann mit dem Goldhelm“ eines bösen Tages nicht mehr Rembrandt-würdig sein sollte, werden die Berliner den „Researchern“ und ihrem Chef Ernst van de Wetering nie verzeihen.
Umso beeindruckender der Mut, mit dem jetzt die Restauratoren des Amsterdamer Museums den „Zacharias“ als Rembrandt-Original enttarnt haben. Wobei zur aufregenden Nachricht die Wiederzuschreibung durch die Tatsache wird, dass sie sich einem hoch bedeutsamen Methodenstreit verdankt. Während die klassische Bildwissenschaft sich auf mikroskopisch kleine Stilunterschiede beruft, vergleicht eine neue Restauratoren-Generation mikroskopisch kleine Teile der Malstruktur.
Letztere Technik hat das Amsterdamer Team bei der jahrelangen Arbeit am Hauptbild der Sammlung – an Rembrandts „Nachtwache“ – mit avanciertesten Diagnose-Instrumenten zur Perfektion ausgebildet. Wenn man nun mit (natur)wissenschaftlicher Akribie den „Zacharias“ durchleuchtet, stellt man fest, dass alle gesicherten Gemälde seiner Periode, was die Schichtung der Farbe angeht und die Art der verborgenen Korrekturen, dieselbe Malerhandschrift verraten. Auch die Signatur ist ursprünglichster Rembrandt, und „dendrochronologische Analysen“ – also Holzuntersuchungen am Rahmen – lassen keinen Zweifel am Entstehungsjahr 1633 zu.
Jetzt bliebe die „Vision des Zacharias im Tempel“ ein wahrhaft erstaunliches Bild, auch wenn ihm kein Weltmeister der Malerei zur Erscheinung verholfen hätte. Wie er von mühsamer Lektüre aufschaut und den herkunftslosen Lichtschein bemerkt, der sein kostbares Hohepriester-Gewand funkeln lässt, das ist schon von besonderer Klasse. Und alle, die schon immer auf Rembrandt tippten, haben wohl recht behalten.
Diesen Ruck im Körper oder in der Seele, dieses Verborgensein im Geheimnis, das ist nur einem so gelungen. Mal sehen, was die anderen Rembrandt-Researcher zu dieser Expertise aus Amsterdam sagen und wie der Bildbesitzer reagiert, der den wiedergewonnenen Schatz als langfristige Leihgabe im Museum deponiert hat. Und spannend ist natürlich auch, wann der langbärtige Alte bei Google in der Zacharias-Galerie auftaucht.
Source: welt.de