Angriff hinaus den Iran: Hunderttausende Touristen sitzen im Nahen Osten unverzagt
Der Angriff auf den Iran und die Gegenschläge des Regimes haben massive Auswirkungen auf Reisende in der Region. Flüge fallen aus, Kreuzfahrtschiffe legen nicht ab. Wann und wie es weitergeht, ist für viele unklar.
Seit dem Beginn der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf den Iran beschießt dieser mehrere Länder in der Region, darunter Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Kuwait.
Wichtige Flughäfen im Nahen Osten und der Golfregion, darunter
das internationale Drehkreuz Dubai,
sind geschlossen. An dem Flughafen werden normalerweise mehr als
tausend Flüge pro Tag abgewickelt. Auch an den Flughäfen von Abu Dhabi
und Kuwait gibt es keine Starts oder Landungen.
30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern betroffen
Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) sind derzeit allein von deutschen Reiseveranstaltern rund 30.000 Menschen betroffen. Sie halten sich derzeit in der Region auf oder ihre Flüge aus anderen
Regionen der Welt sollten über die Drehkreuze in der Region gehen.
Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Sonntag, in der Krisenvorsorgeliste
habe sich bislang eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher
in der Golfregion registriert – also mehr als 10.000 Menschen. Das
können Urlauber sein oder im Ausland lebende Deutsche, die Registrierung
ist freiwillig.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) rechnet nicht damit, dass die Kampfhandlungen in den nächsten Tagen enden. Eine militärische Evakuierung deutscher Staatsbürger aus der Region hält er aktuell für nicht möglich. „Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen“, sagte er Bild. Stattdessen setze die Bundesregierung auf Informationsangebote und
konsularische Unterstützung. „Alle Botschaften, alle
Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit
Informationen da zu sein.“
Bundesregierung empfiehlt Registrierung auf Krisenvorsorgeliste
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, das Reisende dazu aufgerufen seien, kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu prüfen und sich bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern zu informieren. Außerdem sollen sich deutsche Staatsangehörige in der Region auf der Krisenvorsorgeliste Elefand registrieren. Mit den dort hinterlegten Daten kann eine Botschaft im
Ernstfall Kontakt aufnehmen und gegebenenfalls Unterstützung anbieten.
Airports und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen
Emiraten haben der Generalbehörde für Zivilluftfahrt zufolge bereits
rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten. Es wurden vorübergehende Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen
bereitgestellt. Zudem wollen die Vereinigten Arabischen Emirate „alle
Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete
Passagiere“ übernehmen, teilte die Behörde mit.
Auch auf Kreuzfahrtschiffen sitzen Touristen
in den Häfen der Region fest, etwa auf Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 vom deutschen Anbieter Tui Cruises mit einer möglichen
Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende. „Aufgrund der weiterhin
dynamischen Lage in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen
sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu
klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können“, heißt es auf der
Website. Die Gäste befänden sich an Bord und würden dort weiter versorgt.
Israel will Touristen bei Transport an Landesgrenzen unterstützen
In Israel sitzen aktuell nach offiziellen Angaben rund 37.400 Touristen fest. Das israelische Tourismus-Ministerium teilte am Sonntag mit, es sei bereit, Touristen,
die eine Ausreise wünschten, bei der Organisation eines Transports zu
den Landesgrenzen nach Jordanien oder Ägypten zu unterstützen.
Seit Samstag hat Israel den Flugverkehr eingestellt, der Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv ist geschlossen und israelische wie internationale
Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen von und nach Tel Aviv
eingestellt. Der Flughafen sei voraussichtlich bis Freitag um 10 Uhr
geschlossen, teilte die Zivilluftfahrtbehörde am Sonntagabend mit.
Im Iran selbst halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend
Menschen auf, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates
besitzen, wie eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel mitteilte. Viele von
ihnen hätten allerdings auch die iranische Staatsangehörigkeit und
wollten nicht zwingend das Land verlassen, ergänzte sie. Genaue Angaben
zur Zahl der Menschen, die evakuiert werden wollen, machte sie nicht.
Alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg finden Sie in unserem Liveblog.