Eskalation in Iran: Gegenseitige Angriffe und unsichere Aussichten

Eine Drohnenaufnahme zeigt einen Raketeneinschlag auf einer Straße in Jerusalem.

Stand: 02.03.2026 • 00:16 Uhr

Die Angriffe im Nahen Osten halten an: In Iran wurden laut Hilfsorganisationen zahlreiche Zivilisten getötet. In Israel gab es mehrere Tote. Auch die Bundeswehr ist betroffen. Laut US-Präsident Trump könnte es noch wochenlang so weitergehen.

Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei überziehen sich Israel und der Iran weiter gegenseitig mit Angriffen. Die israelische Armee teilte mit, sie greife „Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an“. Einwohner berichten von Explosionen im Stadtzentrum Teherans, wie ARD-Korrespondentin Katharina Willinger berichtet. Sie beobachtet die Lage aus Istanbul. Ziele sollen Polizeiquartiere und auch Stellungen von Milizen gewesen sein. Aber es gebe auch Berichte, dass ein Krankenhaus getroffen worden sein soll.

Trump: Angriffe könnten vier Woche dauern

Dem US-Militär zufolge sind seit Beginn der Angriffe am Samstag bislang mehr als 1.000 iranische Ziele angegriffen worden. Nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump könnten die Angriffe noch vier Wochen dauern. Davon sei man von Anfang an ausgegangen, sagte er laut der britischen Zeitung Daily Mail in einem Telefoninterview. Beim US-Militäreinsatz gegen Iran sind bislang drei US-Soldaten getötet und fünf weitere schwer verletzt worden.

Trump würdigte die getöteten Soldaten als „großartige Menschen“. Er rechne allerdings mit weiteren Todesopfer in den Reihen der US-Armee: „Leider wird es wahrscheinlich noch mehr geben, bevor es zu Ende ist.“ Iran warnte er vor weiteren Gegenschlägen. Man werde darauf „mit einer Stärke, die man noch nie vorher gesehen hat“ reagieren. Wie Trump dem Sender Fox News sagte, sollen bei den Angriffen auf Iran insgesamt 48 Führungspersonen getötet worden sein.

Wohl viele Tote in Iran

Nach Angaben des Roten Halbmonds kamen bei den Angriffen in Iran bislang mehr als 200 Menschen ums Leben. Hunderte wurden demnach verletzt. Das in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation HRANA berichtete allein am Samstag von mindestens 133 getöteten Zivilisten und 200 Verletzten.

Israel und die USA greifen seit Samstag Ziele in Iran an. Inzwischen hat auch Iran bestätigt, dass dabei Chamenei getötet wurde. Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die Tötung von Chamenei als offene Kriegserklärung gegen alle Muslime weltweit.

US-Präsident Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu haben deutlich gemacht, dass sie mit den Angriffen auf die Führungsriege des Landes den Weg für einen Machtwechsel ebnen wollen. Sie riefen die Iraner dazu auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. Experten sind skeptisch, ob die Angriffe zu einem Regimewechsel führen könnten.

Immer wieder Raketenalarm in Tel Aviv

Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen das US-Militär Stützpunkte unterhält. In Israel gab es das ganze Wochenende immer wieder Raketenalarm. Seit Samstagabend mussten Millionen Menschen wegen Angriffen immer wieder in die Schutzräume eilen. In mehreren Gegenden wurden Einschläge gemeldet. In Beit Schemesch westlich von Jerusalem wurden neun Menschen beim Einschlag einer Rakete getötet. Bereits am Samstag war eine Frau bei einem Angriff in Tel Aviv ums Leben gekommen.

Angriffe auf Militärbasen mit deutschen Soldaten

Der Iran beschränkte seine Angriffe nicht nur auf Israel. Nach Angaben der Bundeswehr beschoss Iran auch Stützpunkte mit Bundeswehr-Soldaten im Irak und in Jordanien. Am Samstag und Sonntag habe es mehrere Angriffe auf eine multinationale Militärbasis in der Nähe von Erbil im Nordirak sowie auf ein Feldlager der Bundeswehr im Osten Jordaniens gegeben, teilte das Operative Führungskommando mit. „Die Soldaten vor Ort befinden sich in Schutzbauten in Sicherheit und sind wohlauf“, so ein Sprecher.

An beiden Standorten wurden demnach Luftverteidigungsmaßnahmen durchgeführt. Für das deutsche Kontingent seien keine Schäden „am einsatzwichtigen Material“ zu verzeichnen. Die Soldaten der Bundeswehr seien „offensichtlich nicht unmittelbares Ziel“ der Angriffe gewesen.

In Bahrain, Katar sowie in Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Einschläge und Explosionen gemeldet. Die Revolutionsgarde hätte 27 US-Stützpunkte in der Golfregion angegriffen, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr der Elitestreitmacht.

Übergangsführung in Iran

Nach dem Tod ihres Staatsoberhauptes Chameneis soll Iran nun vorübergehend von einem dreiköpfigen Rat geführt werden: Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie das Mitglied des Wächterrats, Alireza Arafi. Das Trio soll die Aufgaben Chameneis übernehmen, bis die 88 Geistlichen im sogenannten Expertenrat einen Nachfolger benennen. Wie schnell das Machtgefüge mitten im Krieg neu geordnet werden kann, ist völlig offen.

Israel und USA verteidigen ihr Vorgehen

Die israelische Armee hat Chamenei nach eigenen Angaben am Samstag gezielt getötet, als er sich mit hochrangigen Funktionären der Staatsführung in einem Gebäudekomplex im Zentrum Teherans aufhielt. Einem Bericht der US-Zeitung New York Times zufolge gab der US-Auslandsgeheimdienst CIA den entscheidenden Hinweis auf seinen Aufenthaltsort.

Iran hat mittlerweile bestätigt, dass auch hochrangige Militärs wie Generalstabschef Abdolrahim Mussawi getötet wurden. Auch Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad kam laut Staatsmedien ums Leben.

Israel und die USA begründen ihre Angriffe mit der Bedrohung, die vom Iran und der bisherigen Führung ausgehe. Die Attacken begannen kurz nach neuen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über Teherans umstrittenes Atomprogramm, durch das sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Viele Experten sehen in den Angriffen auf den Iran einen Bruch des Völkerrechts.

Merz: Vorgehen der USA und Israels „nicht ohne Risiko“

In Europa fielen die Reaktionen auf die israelisch-amerikanischen Angriffe unterschiedlich aus. Deutschland – gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien – verurteilte die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region.

Bundeskanzler Friedrich Merz wies auf Risiken der Angriffe gegen Iran hin. „Die Militärschläge sollen das zerstörerische Spiel eines geschwächten Regimes beenden“, sagte er. „Das ist nicht ohne Risiko.“ Man wisse nicht, „in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region noch ziehen werden“. Zur völkerrechtlichen Einordnung der Militärschläge der USA und Israels äußerte er sich zurückhaltend. Es sei jetzt „nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren“.

Am Montag reist Merz nach Washington. Am Dienstag soll er Trump treffen – die jüngste Eskalation in Nahost dürfte dabei das beherrschende Thema sein.

Source: tagesschau.de