Nach Angriffen hinaus GolfRegion: Tausende Deutsche in Dubai in Not

Aus einem Urlaub in Dubai ist für tausende deutsche Reisende nun ein Albtraum geworden. Denn auch die Metropole am Golf ist von dem Konflikt zwischen Israel, den USA und Iran betroffen. An Flughäfen und auch auf Kreuzfahrtschiffen vor allem in der Golfregion geht nichts mehr.

Etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten: An den beiden großen Flughäfen von Dubai – am internationalen Flughafen DXB und am Al Maktoum Airport (DWC) – wurde der Flugverkehr bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Stimmung unter den Reisenden war einem Medienbericht zufolge angespannt. „Am Dubai International Airport herrscht das blanke Chaos“, zitierte die „Bild“ einen deutschen Urlauber. „Tausende Menschen versuchen, das Terminal zu verlassen. Es gibt keine Ausgänge, die Züge zwischen den Terminals sind defekt. Es gibt keine Ansagen, kein Personal.“

Am Samstag kam es zu Explosionen durch herabstürzende Trümmerteile abgefangener Raketen – möglicherweise auch auf der künstlichen Inselgruppe „The Palm“ in Dubai. Der Deutschen Presse-Agentur zufolge sollen Anwohner alle paar Stunden Explosionen in der Küstenmetropole gehört haben. Im Luxushotel „Burj-al-Arab“ brach ein Feuer aus. Videos von Augenzeugen zeigten einen Brand an der Einfahrt des Hotels, das für seine Lage direkt am Wasser bekannt ist. Vier Menschen wurden dabei nach Behördenangaben verletzt. In Abu Dhabi kam mindestens ein Mensch durch Trümmerteile von abgefangenen Raketen ums Leben, wie das emiratische Verteidigungsministerium bestätigte.

Einzige Info: In den nächsten 24 Stunden geht es nicht weiter

Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden an sieben großen Flughäfen der Nahost-Region mehr als 3.400 Flüge gestrichen – betroffen waren neben Dubai auch etwa Abu Dhabi und Doha. Die Lufthansa hat ihre Flüge von und nach Dubai gestrichen. Auch alle Flüge nach Tel Aviv in Israel, in Irans Hauptstadt Teheran, Libanons Hauptstadt Beirut, Jordaniens Hauptstadt Amman und Erbil im Irak würden bis zum 7. März annulliert, teilte die Lufthansa am Samstag mit.

Eine Reisende aus Hamburg strandete auf dem Rückflug von Malaysia mit der Airline Emirates bereits am Samstagvormittag in Dubai. Sie sei mit ihrem Mann in einem Hotel untergekommen, sagt die 46-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Die einzige Information bisher sei, dass es auch in den nächsten 24 Stunden nicht weitergehe.

Von ihrem Hotel aus sehe sie Rauchsäulen über der Stadt, berichtet sie. Mehrere Menschen hätten ihr erzählt, es habe am Flughafen Trümmer gegeben.

Urlauber sitzen auf Kreuzfahrtschiffen fest

Betroffen sind auch Kreuzfahrten: So lag etwa die „MSC Euribia“ der Schweizer Reederei MSC Cruises mit einer Kapazität für mehr als 6.000 Passagiere einem Bericht zufolge in Dubai fest. Die Orient-Kreuzfahrt, die eigentlich am Sonntag starten sollte, wurde kurzfristig abgesagt.

Vom deutschen Anbieter TUI Cruises liegen die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ mit einer Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende fest. „Die Sicherheit unserer Gäste und der Crew hat für uns jederzeit oberste Priorität“, hieß es auf der Website des Anbieters. Eine planmäßige Durchführung der Reisen sei derzeit nicht verantwortbar. Die Gäste befänden sich weiterhin an Bord der beiden Kreuzfahrtschiffe, hieß es.

Die in Dubai lebende Influencerin Fiona Erdmann schrieb in einer Story auf Instagram: „Uns geht es gut. Wir sind zu Hause. Die Kinder schlafen.“ Eine solche Situation habe sie in ihren neun Jahren in Dubai noch nicht erlebt.

Auch Urlauber in Australien betroffen

Kein Weiterkommen gab es am Wochenende auch in anderen Weltregionen für Urlauber, die auf manche arabische Airlines gebucht waren. So wurden etwa in Sydney Flüge der Fluggesellschaft Etihad Airways über Abu Dhabi gestrichen.

„Am Flughafen gab es erstmal lange Schlangen und keine Informationen“, berichtete ein deutscher Reisender aus Sydney. „Dann wurden die Flüge gestrichen.“ Es sei unklar, wann Etihad wieder fliegen könne, hieß es demnach, Hotelgutscheine gab es zunächst nicht. „Die meisten Passagiere waren eher resigniert und nicht wütend“, sagte der Urlauber.

Reisende sollen sich in die Krisenvorsorgeliste eintragen

Das Auswärtige Amt sprach am Samstag offizielle Reisewarnungen für den gesamten Nahen Osten aus oder verschärfte bestehende Hinweise. Die Reisewarnungen gelten unter anderem für auch bei deutschen Urlaubern beliebte Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Qatar.

Warnungen gibt es auch für Bahrain, Irak (bisher Teilreisewarnung), Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon und Saudi-Arabien. Für Libanon sei zusätzlich eine Ausreiseaufforderung ausgesprochen worden, für Iran gelte seit Herbst 2022 eine Reisewarnung mit Ausreiseaufforderung.

DSGVO Platzhalter

Alle Menschen in der Region sind aufgefordert, sich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND einzutragen und sich bei einem Reiseveranstalter oder einer Fluggesellschaft über Ausreisemöglichkeiten zu informieren.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Sonntagnachmittag, in der Krisenvorsorgeliste habe sich bislang eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher in der Golfregion registriert – also mehr als 10.000 Menschen. Das können Urlauber sein, aber auch im Ausland lebende Deutsche.

Ein Radfahrer beobachtet, wie ein Geschoss am 28. Februar über dem Himmel von Dubai fliegt.
Ein Radfahrer beobachtet, wie ein Geschoss am 28. Februar über dem Himmel von Dubai fliegt.AFP

Bundesaußenminister Johann Wadephul erklärte allerdings, dass es keine Möglichkeit gebe, im Nahen Osten gestrandete Deutsche ausfliegen zu lassen. Er verwies darauf, dass die Lufträume in der Region für zivile Flugzeuge gesperrt seien. Stattdessen versuche das Auswärtige Amt die Betroffenen mit den notwendigen Informationen zu versorgen. Alle deutschen Auslandsvertretungen seien geöffnet.

„Ein logistischer Albtraum“

Dubai ist eines ‌der weltweit wichtigsten Drehkreuze für den Verkehr zwischen Europa und Asien. Die Flughäfen Dubai International (DXB) und Al Maktoum Airport (DWC) haben wegen der Sperrung des russischen Luftraums infolge des Ukrainekriegs zuletzt noch an Bedeutung gewonnen. Dubai International ist gemessen am Passagieraufkommen inzwischen der größte internationale Flughafen der Welt.

Die Schließung ‌der Megahubs am Golf mit seinen ‌zuletzt rund 100 Millionen Abfertigungen jährlich blockiert den verkehrsreichsten Transitpunkt zwischen Ost und West. Crews, Flugzeuge und Passagiere sind nun auf der ganzen Welt gestrandet. Es sei ein massiver logistischer Albtraum, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen „Insider einer Airline am Golf“. Auf Flugradar-Karten im Internet war ein praktisch leergefegter Luftraum über Iran, dem Irak, Kuwait, Israel und ⁠Bahrain zu sehen.

Source: faz.net