Tod von Ali Chamenei: Irans Präsident spricht von „Kriegserklärung an die Muslime“

Irans Präsident Massud Peseschkian hat die Tötung des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei bei den israelisch-amerikanischen Angriffen als eine „Kriegserklärung an die Muslime“ bezeichnet. Insbesondere bei den Schiiten in aller Welt würde dies so wahrgenommen, sagte Peseschkian in einer Fernsehansprache. Der Iran betrachte es als „seine legitime Pflicht und sein Recht, sich an den Tätern und Drahtziehern dieses historischen Verbrechens zu rächen“.

Peseschkian und zwei weitere Vertreter des Regimes sollen nach dem Tod Chameneis die interimsmäßige Führung des Landes übernehmen. Peseschkian ist zwar schon länger Präsident des Landes, die Macht im theokratischen System des Iran konzentriert sich jedoch beim obersten geistlichen Führer. Dieses Amt hatte 37 Jahre lang Chamenei inne. Er traf in den vergangenen Jahrzehnten alle wichtigen Entscheidungen. Nach seinem Tod dürften die dem obersten Führer untergeordneten Institutionen zunächst an Bedeutung gewinnen. 

Der Chef des Nationalen Sicherheitsrats des Iran, Ali Laridschani, drohte mit Blick auf die Tötung Chameneis mit beispiellosen Angriffen gegen die USA und Israel. „Gestern hat der Iran Raketen auf die Vereinigten Staaten und Israel abgefeuert und sie haben ihnen geschadet“, schrieb Laridschani auf X. „Heute werden wir sie mit einer Härte treffen, die sie noch nie erlebt haben.“

Iran greift auch in Golfstaaten an

Bereits am Samstag hatte der Iran mit Vergeltungsschlägen auf Israel sowie mehrere Länder in der Golfregion begonnen. In Tel Aviv wurde eine Frau getötet, zudem gab es Verletzte und Schäden an Gebäuden. Mehrere Großstädte in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten ebenfalls Raketen- und Drohnenangriffe. Wichtige Drehkreuze für den internationalen Flugverkehr wie Dubai und Abu Dhabi wurden geschlossen. Detonationen gab es auch in Katar, Kuwait und Bahrain. 

In mehreren Städten gab es zudem Ausschreitungen vor US-Vertretungen. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im pakistanischen Karachi wurden mindestens neun Menschen getötet. Unruhen gab es auch in Bagdad.

Während der Iran Israel als Erzfeind betrachtet, dessen Existenz er ablehnt, hatten arabische Länder – darunter Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate – ihre Beziehungen zu Israel in den vergangenen Jahren normalisiert. Der Iran und arabische Staaten konkurrieren auch um regionale Hegemonie. 

Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen im Iran-Konflikt auch in unserem Liveblog.