Kurz vor Anpfiff bekommt jener Ultra dies Stadionmikro überreicht
Es sind bemerkenswerte Bilder im Stadion von Bremen. Vor dem Duell gegen Heidenheim hält ein Fan via Stadionmikrofon eine Motivationsrede. Seine Worte sagen einiges über das gewachsene Selbstverständnis der Ultras.
Es geht um viel. Es ist nicht unbedingt ein Schicksalsspiel, eine wegweisende Partie ist es aber auf jeden Fall, wenn Werder Bremen am Samstagnachmittag gegen den 1. FC Heidenheim spielt (hier geht es zum Liveticker). Die Bremer empfangen als Vorletzter das Schlusslicht der Tabelle. Mehr Abstiegs- und Existenzkampf in der Bundesliga ist kaum möglich.
Werder wartet seit 13 Spielen auf einen Sieg. Auch die Entlassung von Trainer Horst Steffen brachte nicht die erhoffte Wende. Unter Daniel Thioune kassierten die Bremer in drei Spielen drei Niederlagen. Das Abstiegsduell gegen Heidenheim soll endlich die Wende bringen.
Dafür griffen die Verantwortlichen des Klubs kurz vor dem Anstoß zu einer ungewöhnlichen wie umstrittenen Maßnahmen. Sie überreichten dem Vorsänger der Ultras in der Fankurve das Stadionmikrophon und gaben damit quasi die Kontrolle über das Geschehen im eigenen Stadion aus der Hand.
Der Capo hielt in der fast ausverkauften Arena über vier Minuten eine flammende Rede. Warum? Weil er es durfte. „Jede Wut, die wir haben und die Fassungslosigkeit, die wir haben – das ist berechtigt. Keine Frage. Aber: Es war wichtig Kontrolle und Ruhe hereinzubringen. Denn es bringt uns gar nichts, Werder-Fans, wenn wir uns jetzt selbst zerfleischen“, brüllte er ins Mikro. Applaus von den umstehenden Ultras: „Es bringt nichts, wenn wir auf die Mannschaft, die eh schon verunsichert ist, weiter eindreschen. Es bringt uns nichts, die Mannschaft zu beleidigen oder bei der nächsten Niederlage – die kommen wird, machen wir uns da nichts vor – auszupfeifen.“
Ultras dürfen sich mit der Mannschaft treffen
Mit den folgenden Sätzen machte der Fab deutlich, welche Macht die Ultras in Bremen mittlerweile offensichtlich haben. Die Fans sind nicht nur dafür zuständig, während des Spiels ihre Fahnen zu schwenken und zu singen: „Wir haben uns mit der Mannschaft getroffen. Keine Sorgen, die bösen Ultras sagen den Profis nicht, wie sie Fußball zu spielen haben, das wäre anmaßend. Das tun wir nicht.“
Danach folgte aber ein Aber: „Aber das, was jeder Fan hier im Stadion erwarten darf, ist, dass die Mannschaft sich jetzt reinhängen muss. Das vor allem die Führungsspieler auf dem Platz stehen und alles geben. Das haben wir der Mannschaft auch gesagt.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Fans das Stadionmikrophon in den Händen halten dürfen. So konnte sie etwa vor zwei Jahren ebenfalls vor einem Spiel gegen Heidenheim eine Ansprache halten. Dies hatte allerdings einen fröhlichen Anlass: Es waren die Feierlichkeiten zum 70. Klub-Geburtstag.
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Source: welt.de