Kein Social Media zu Gunsten von Kinder darüber hinaus 50
Früher war Jugend ein Lebensalter. Heute ist es eine Daseinsform, eine kollektive Identität, eine eigene Welt mit ihrem eigenen Lebenswandel. Das biologische Alter spielt keine Rolle. In diesem Sinne sollte über ein doppeltes Verbot nachgedacht werden: ein Social-Media-Bann für unter 16-Jährige und einer für über 50-Jährige.
Besorgt debattiert die Welt über die Suchtgefahr, der Jugendliche erliegen, wenn sie auf ihre Mobiltelefone starren. Doch wer den Geschlechtsakt der grau gewordenen Jugendlichen (ab 50) mit ihren iPhones wahrnimmt, dieses stundenlange Wischen und Fummeln, Nesteln und Wedeln, Tatschen und Stöpseln, Kitzeln, Streicheln und Massieren, der weiß: Die Sucht frisst sich durch sämtliche Altersklassen. Schwere gesellschaftliche Verheerungen sind die Folge.
Wo früher gesprochen und diskutiert und hin und wieder auch einmal ein netter Brief geschrieben wurde, beherrscht heute der Stummeljargon der WhatsApp-Nachricht in seiner unerbittlichen Rechthaberei die Debatte. Selbst im Theater wird es kaum noch dunkel dank der leuchtenden, glasummantelten, handschweißverschmierten, viereckigen Geräte.
Sie beherrschen ihre Besitzer – nicht umgekehrt – mit ihren geistlosen Katzen- und Hundefilmchen, den aufblitzenden Sneaker-Sonderangeboten an den zahllosen Black Fridays. Kurzum, eine Altersbeschränkung ist auch nach oben hin geboten. Oder wenigstens ein Überspieler über die Filmchen: „Die Gesundheitsministerin warnt …“ Doch wahrscheinlich ist schon dieser Satz zu kompliziert.
Source: welt.de