Endlich Freitag: Social-Media-Verbot, Kamikaze-Drohnen und wieder einmal dies Wetter
Über eine Entscheidungsschwäche, viel Furcht vor der Zukunft, aber Freude am Sonnenschein. Der „Endlich Freitag“-Blick auf die Themen des Tages
Hallo,
ich gestehe, dass ich zu vielen Themen keine feste Meinung habe. Meine Meinung ändert sich mit dem Artikel, den ich gerade gelesen habe. Es ist kein besonders angenehmer Zustand, aber es ist nun einmal so. Ein Thema, zu dem meine Meinung schwankt wie ein Betrunkener auf einem Schiff bei starkem Seegang, ist die aktuelle Frage nach einem Social-Media-Verbot für Kinder.
Ich lese den Artikel unserer Autorin Marlen Hobrack. Sie ist klar für ein Verbot und sagt, dass viele Eltern sich ein solches gar nicht vorstellen können, weil sie dann ja das eigene Handy weglegen und den Familienalltag gewissermaßen kommunikativ neu aufstellen müssten! Genau so ist es! Ihr letzter Satz lautet: „Verdammt richtig, denk doch einer mal an die Kinder!“
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Das haben die KollegInnen von der Kulturredaktion getan und die dreizehnjährige Tochter einer Bekannten um ihre Meinung gebeten. Auch was Ida Rentsch aufgeschrieben hat, überzeugt mich vollkommen. Sie sieht durchaus den Missbrauch bei ihren Altersgenossen, ist aber gegen ein Verbot, weil soziale Plattformen längst zu einem festen Kommunikationsmittel mit den Freunden geworden sind. Die Lösung der Probleme ist die Aufgabe nicht der Kinder, sondern der Plattformen selbst. Dafür hat die Politik zu sorgen. Wie recht sie doch hat!
1. Heute wichtig
- Eine seltene Wetterlage ließ Pegelstände vor allem im Baltikum und dem finnischen Meerbusen historisch tief sinken. Warum das eine gute Nachricht ist, erklärt Nick Reimer
- Die Leiterin der Berlinale Tricia Tuttel darf vorerst bleiben. Warum der Schaden durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer trotzdem angerichtet ist, sagt Barbara Schweizerhof
- Arbeitsmoral und Superreiche: Was er bei einem Familienbesuch in Ostdeutschland gelernt hat, erzählt Sebastian Friedrich
2. Made My Day
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➜ Echt jetzt? Unter uns NewsletterschreiberInnen kam neulich die bange Frage auf, ob wir während der kalten Wintertage in dieser Rubrik nicht zu oft über das Wetter, schlimmer noch: über das Wetter in Berlin geschrieben haben. Vielleicht. Aber nun kann ich nicht anders, als wieder über das Wetter zu schreiben. In Berlin. Frühlingshafte 18 Grad werden am Nachmittag erwartet. Die steinerne Stadt Berlin ist im grauen Winter schwer auszuhalten, finde ich. Umso befreiender dieses Wetter. Nächste Woche sollen die Temperaturen dann wieder etwas zurückgehen. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass das Wetter in dieser Rubrik dann erstmal keine Rolle mehr spielen wird.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu lesen: Vom Wetter zum Klima. Ich bin Teil eines kleinen Literaturkreises, der nicht mehr und nicht weniger als über Bücher reden will. Im Moment lesen wir Ian McEwans Bestseller Was wir nicht wissen können. Ich möchte es auch LeserInnen empfehlen, die normalerweise mit dystopischer Literatur nicht so viel anfangen können.
Aber das Jahr 2191, in dem der Roman spielt, ist dann einfach doch zu gut vorstellbar. Nehmen wir nur Großbritannien: Vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen, besteht es nur noch aus vielen kleinen Inseln. Auf einer befindet sich die Bibliothek, in der der Ich-Erzähler über einen Schriftsteller aus unserer Zeit recherchiert. Fun fact: Der hochsensible Lyriker entpuppt sich als Klimaskeptiker …
4. Lese-Empfehlung
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➜ Künstliche Intelligenz: Die Kriege der Gegenwart und Zukunft werden von Drohnen und KI geprägt. Es ist immer wieder furchterregend, was man darüber erfährt. Nun hat der Bundestag beschlossen, bei zwei deutschen Start-Ups – Helsing und Stark Defence – so genannte Kamikazedrohnen im Wert von 540 Millionen Euro zu kaufen. Natürlich nur zur Abschreckung, versteht sich. Der Technik- und Wissenschaftsforscher Jens Hälterlein weist im Gespräch mit dem Freitag aber auf Eskalationsrisiken bei diesen automatischen Systemen hin. Und noch eins wird deutlich: Den Start-Ups kommt das Szenario einer russischen Bedrohung gerade recht.
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der Freitag: Herr Hälterlein, der Haushaltsausschuss des Bundestags hat entschieden, Produkte von Helsing und Stark im Wert von rund 540 Millionen Euro zu beschaffen. Was genau kauft die Bundesregierung da?
Jens Hälterlein: Es handelt sich um sogenannte „Loitering Munition“, umgangssprachlich spricht man von Kamikazedrohnen. Technisch sind das unbemannte Flugkörper mit eigenem Sprengkopf. Sie kreisen über einem Zielgebiet und greifen an, sobald sie ein Ziel identifiziert haben, das zuvor festgelegten Kriterien entspricht. Anders als klassische bewaffnete Drohnen wie Predator oder Reaper, die Raketen abfeuern und anschließend zurückkehren, ist hier die Drohne selbst das Geschoss. Sie zerstört das Ziel – und sich selbst. Diese Einordnung ist auch administrativ relevant: Solche Systeme werden als Munition klassifiziert. Das beeinflusst Beschaffung, Ausbildung und Einsatzregeln. Munition lässt sich in der Regel schneller beschaffen und integrieren als ein vollständig neues Waffensystem.
Was sollen diese Systeme konkret leisten?
Offiziell geht es um eine größere Stückzahl, die vor allem der Ausstattung deutscher Verbände dienen soll – zunächst jener Brigade, die künftig dauerhaft in Litauen stationiert ist. Militärisch betrachtet können solche Systeme Artilleriestellungen, Panzer oder logistische Ziele angreifen. Allerdings werden Ziele häufig verfehlt oder es werden die falschen Ziele getroffen. Beide Hersteller werben zudem mit sogenannter Schwarmfähigkeit. Das würde bedeuten, mehrere Drohnen könnten sich vernetzen, koordinieren und letzten Endes vollständig autonom agieren. Ob so etwas derzeit technisch umsetzbar wäre, ist unklar. Aber militärisch wird es gewünscht und daher auch von den Herstellern als realisierbar dargestellt.
So weit für heute. Ich sehe, dass das Wetter heute nicht nur in Berlin gut ist. Genießen Sie es,
Ihr
Michael Angele
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