Nach nur drei Monaten: Herber Rückschlag zum Besten von die neue Bahnchefin

Vorstandspositionen bei der Deutschen Bahn werden in diesen Zeiten zu Schleudersitzen: Drei Monate lang hatte Karin Dohm den wichtigen Posten des Finanzvorstands beim Staatskonzern inne. Nun muss sie ihren Hut wieder nehmen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ mit Verweis auf Aufsichtsratskreise berichtet. Danach habe der Aufsichtsratschef Werner Gatzer am Donnerstagabend eine Sondersitzung zu der Causa einberufen und dann kurzfristig wieder abgesagt.
Die Deutsche Bahn wollte die Personalie zunächst nicht bestätigen. Auch das zuständige Bundesverkehrsministerium kommentierte die Nachricht nicht. Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass jetzt über die konkrete Ausgestaltung der Trennung gesprochen wird. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte Querelen mit den mächtigen Arbeitnehmervertretern des Staatskonzerns als Grund für die abrupte Trennung genannt.
Streit mit den Arbeitnehmern
Die Auseinandersetzungen laufen demnach schon seit Monaten. Im Konzern wird Dohm als uninformiert, spröde und unempathtisch beschrieben, die die Rolle der Arbeitnehmervertreter nicht ernst nimmt. Aber auch für sie selbst scheint die Trennung überraschend zu kommen. Ein für Freitag angesetzter Termin mit der F.A.Z. wurde erst in den Morgenstunden abgesagt, nachdem er am Donnerstag noch bestätigt worden war.
Für die Personalpolitik der neuen Bahnchefin Evelyn Palla bedeutet diese neue Wendung jedoch einen herben Rückschlag, ebenso für die Zusammenarbeit mit dem Bund, der dem Konzern Milliardenbeträge für die Sanierung des Schienennetzes zur Verfügung stellen muss. Ironischerweise hat ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Anlass für die Unsicherheit gesetzt: Direkt nach seinem Amtsantritt beförderte er den damaligen Finanzvorstand Levin Holle von der Bahn in das Kanzleramt. Dort ist er seitdem Abteilungsleiter und für die internationale Wirtschaftspolitik zuständig.
Verhandlungsgeschick mit dem Bund gefragt
Seine Stelle war lange vakant, obwohl es interne Kandidaten gegeben hätte, denen die anspruchsvollen Verhandlungen mit dem Bund durchaus zugetraut wurden. In seiner Amtszeit hat Holle nicht nur den milliardenschweren Verkauf der DB-Tochtergesellschaft Schenker gemanagt, sondern führte auch die schwierigen Verhandlungen mit dem Bund über zusätzliche Milliardeninvestitionen in das marode Schienennetz.
Nach rund einem halben Jahr entschied sich Palla allerdings für die Diplom-Volkswirtin und frühere Wirtschaftsprüferin Karin Dohm, die zuvor als Finanzchefin bei dem börsennotierten Baukonzern Hornbach Gruppe tätig war. Dann folgte ein Wechsel zum Automobilzulieferer Continental, der allerdings nicht lange währte. Schon nach zwei Monaten verließ sie den Konzern wieder. Schon der abrupte Abgang dort sorgte für Stirnrunzeln; trotzdem holte Palla sie in den Vorstand der Deutschen Bahn.
Palla selbst steht erst seit Oktober an der Spitze des Konzerns, vorher war sie im Vorstand zuständig für den Regionalverkehr. Seit ihrer Berufung baut sie den Konzern kräftig um. Im Auftrag von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat sie den Vorstand von acht auf sechs Posten reduziert. Die beiden fachlich versierten Bahnmanager Berthold Huber und Daniela Gerd tom Markotten mussten gehen, es entfielen die beiden Ressorts Infrastruktur und Digitalisierung.