Japanische Modemarke: Sollten Anleger beim Hype um Uniqlo einsteigen?

Die Pläne von Tadashi Yanai sind ehrgeizig. Mit Uniqlo möchte der reichste Mann Japans das größte Modeunternehmen der Welt schaffen. Er setzt dabei bewusst nicht auf „Fast Fashion“, die kurzlebig ist und schnell weggeworfen wird, sondern auf „Lifewear“: Die Kleidungsstücke sollen ein Leben lang halten, so zumindest das Versprechen des Unternehmens.

Heute betreibt Uniqlo mehr als 3500 Geschäfte auf der ganzen Welt. Anstatt wie Fast-Fashion-Marken trendige Schnitte von Designer-Laufstegen zu kopieren, setzt das japanische Unternehmen auf schlichtes, funktionales und langlebiges Design in gedeckten Farben.

Uniqlo eröffnet Läden in Europa

Uniqlo ist längst auch schon in Europa angekommen. Hier eröffnet der Konzern sogenannte Flaggschiffläden in historischen Gebäuden von Großstädten. Lange Schlangen mit teils Hunderten Kunden bildeten sich an den ersten Wochenenden nach der Eröffnung in München, Frankfurt oder Köln.

Der Hype zeigt sich auch im Aktienkurs von Fast Retailing, dem Konzern hinter der japanischen Marke. Mit dem Anstieg auf 377,80 Euro erreichte das Papier Mitte Februar in Frankfurt ein Allzeithoch. Die Marktkapitalisierung liegt bei über 21 Billionen Yen, was rund 115 Milliarden Euro entspricht. Seit Oktober gibt es einen langfristigen Aufwärtstrend, das Papier hat in diesem Zeitraum 36 Prozent zugelegt. Grund dafür war die positiven Geschäftszahlen, die das Unternehmen im Oktober vorlegte. Denn die Geschäfte von Uniqlo laufen besser als von den Analysten erwartet.

Mehrheit der Analysten rät zum Kaufen

Fast Retailing hatte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (31. August) Umsatz und Ergebnis deutlich ausgebaut. Der Konzernumsatz legte von September bis November im Jahresvergleich um 14,8 Prozent auf 1.027,7 Milliarden Yen (5,61 Milliarden Euro) zu, der operative Gewinn stieg um 33,9 Prozent auf 210,9 Milliarden Yen. Damit übertraf das Unternehmen die im Oktober veröffentlichten Erwartungen. Die operative Marge verbesserte sich auf 20,5 Prozent, nach 17,6 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Von 20 Analysten, die das Unternehmen laut der auf Finanznachrichten spezialisierten Agentur Bloomberg beob­achten, raten 11 zum Kaufen, 8 zum Halten und eine Analystin zum Verkaufen. Den Zielkurs sehen sie auf Jahresbasis durchschnittlich bei 62.314 Yen, etwa 339 Euro.

Analysten sehen Potential in Uniqlo-Aktie

„Der Auslandsboom von Uniqlo übertrifft die Erwartungen“, sagte Sho Ka­wano, Leiter der Investmentforschung bei Goldman Sachs Japan. „Das Erfolgsrezept aus Qualität und Funktionalität, Markenaufbau und großem Wachstumsspielraum deutet auf nachhaltige Ergebnissteigerungen hin.“

Im Heimatmarkt Japan stand der Konzern zuletzt wegen der vom chinesischen Staat ausgesprochenen Empfehlung, auf Reisen nach Japan zu verzichten, unter Beobachtung. Laut UBS Securities könnte ein Rückgang der zollfreien Verkäufe an chinesische Kunden um 50 Prozent den operativen Gewinn um etwa ein Prozent schmälern.

Starke Verkaufszahlen außerhalb Japans

Laut Hiraku Sugawara von IwaiCosmo Securities dürfte die wachsende Nach­frage internationaler Touristen diesen Effekt aber auffangen: „Die Verkäufe an Besucher aus anderen Ländern steigen ausreichend stark, um die Einbußen zu kompensieren.“

Yanai übernahm in den 1980er-Jahren das Kleidungsgeschäft seines Vaters, um mit hochwertiger Massenware die japanische Mode zu revolutionieren. 1984 eröffnete er den ersten Uniqlo-Laden in Hi­roshima und kontrollierte von Anfang an Design, Produktion und Verkauf, um Kosten zu senken. Alles mit dem Ziel, das größte Modeunternehmen der Welt zu schaffen. Doch zumindest beim Aktienkurs könnte das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Source: faz.net