Verhandlungen oberhalb Irans Atomprogramm sollen fortgesetzt werden
Eine Lösung im Streit über das iranische Atomprogramm gibt es auch nach der dritten Verhandlungsrunde nicht. Während Vermittler Oman und Iran durchaus positiv gestimmt sind, halten sich die USA bedeckt. Es soll aber weitere Gespräche geben.
Gegen halb acht am Donnerstagabend verließen die Delegationen die Genfer Residenz des omanischen Botschafters. Nach gut drei Stunden Verhandlungen am Vormittag und einem weiteren Treffen am frühen Abend ist die dritte Runde der indirekten Gespräche zwischen den USA und dem Iran vorbei.
Wie bei den vorherigen Verhandlungsrunden vermittelte das Sultanat Oman zwischen beiden Seiten. Irans Außenminister Abbas Arghtschi war aus Teheran angereist und der US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner waren als Vertreter der US-Regierung dabei.
Allein die Tatsache, dass man am Abend nach einer mehrstündigen Pause noch einmal zusammengekommen sei, wertet Ali Vaez, Iran-Experte der New Yorker Denkfabrik „Crisis Group“ als ein gutes Zeichen. „Es scheint, als würden beide Seiten mehr Flexibilität zeigen.“ Allerdings gebe es noch keine Garantie dafür, dass etwas erreicht werde, so Vaez weiter. „Aber, dass sie im Gegensatz zur vergangenen Woche, als das Treffen sehr kurz war, nun an einem Text gearbeitet haben und das US-Team bereit ist, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um zu versuchen, einen Entwurf oder einen Rahmen für ein Abkommen fertigzustellen, halte ich für positiv.“
Oman und Iran sehen Fortschritte
Doch Informationen zum Inhalt einer möglichen Einigung gibt es nicht. Omans Außenminister Badr Al Busaidi schrieb am Abend auf X, es habe „bedeutende Fortschritte“ bei den Verhandlungen gegeben. Nach Rücksprachen der Delegationen mit ihren jeweiligen Hauptstädten würden die Gespräche fortgesetzt. In der kommenden Woche seien in Wien Diskussionen auf technischer Ebene geplant, hieß es weiter.
Der iranische Außenminister Araghtschi sprach in Genf gegenüber dem iranischen Staatsfernsehen von „guten Fortschritten“ und dass man in einigen Fragen zu einer „weitgehenden Übereinkunft“ gekommen sei, in anderen gebe es „einige Differenzen“.
Die Gespräche am Donnerstag in Genf seien der bislang ernsthafteste Austausch mit Washington gewesen, so Araghtschi weiter. Er habe Irans Forderungen nach einer Aufhebung der Sanktionen klar dargelegt.
Widersprüchliche Stimmen aus den USA
Im Mittelpunkt der Gespräche steht das iranische Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass das Regime in Teheran Atomwaffen baut. Der Iran ist offenbar zu Einschränkungen bei seinem Nuklearprogramm bereit, will aber die Urananreicherung nicht völlig aufgeben. Und will auch nicht, wie von Washington gefordert, über eine Begrenzung seines ballistischen Raketenarsenals verhandeln.
Von US-Seite gab es am Abend in Genf keine Reaktionen. Das Nachrichtenportal Axios berichtete von widersprüchlichen Kommentaren: Ein offizieller US-Vertreter habe von „positiven“ Gesprächen berichtet. Andere Insider sagten demnach, dass die USA von den iranischen Vorschlägen enttäuscht seien.
US-Präsident Trump droht mit Militärschlägen, sollte es zu keiner Einigung im Atomstreit kommen. Im Persischen Golf und im Mittelmeer ist die militärische Drohkulisse enorm. Laut dem Wall Street Journal ist es der größte Aufmarsch von US-Luftstreitkräften seit dem Irak-Krieg 2003.
Kommt es zum Krieg oder doch noch zu einem Deal zwischen den USA und dem Iran? Die Frage bleibt auch nach dieser dritten Verhandlungsrunde offen.
Hoffnung auf Lösung
Exil-Iranerinnen und Iraner, die am Donnerstag in Genf wieder gegen das Regime in Teheran demonstrierten zeigten wenig Hoffnung auf eine friedliche Lösung.
„Die meisten Menschen im Iran hoffen auf ein internationales Eingreifen, weil es für sie der letzte Ausweg ist“, sagt einer der Demonstranten. „So oder so werden sie sterben, ob durch einen Angriff aus dem Ausland oder auf den Straßen. Wir hoffen, dass die USA, andere Länder oder die Vereinten Nationen irgendeine Lösung finden. Ich mag es nicht, wenn mein Land angegriffen wird, aber das Regime lässt keine andere Wahl.“
Source: tagesschau.de
