Neue Angriffe in Kabul: Pakistan erklärt Taliban-Regierung „offenen Krieg“
Neue Angriffe in KabulPakistan erklärt Taliban-Regierung „offenen Krieg“
27.02.2026, 02:20 Uhr
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Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan verschärfen sich die Konflikte mit Pakistan. Vor Kurzem einigen sich die Nachbarländer auf eine Waffenruhe. Doch jetzt eskalieren die Kämpfe erneut.
Nach gegenseitigen Angriffen mit mehreren Toten hat die pakistanische Regierung der Taliban-Regierung in Afghanistan den „offenen Krieg“ erklärt. „Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif bei X. Zuvor hatte die pakistanische Regierung Luftangriffe auf Taliban-Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in Kandahar gemeldet.
Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi erklärte, die Angriffe seien eine „angemessene Reaktion“ auf die „offene Aggression“ der Taliban. Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Kabul meldeten laute Explosionen und Schussgeräusche über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Im südafghanischen Kandahar, wo der Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada seinen Sitz hat, berichtete ein AFP-Journalist von Flugzeuggeräuschen.
Die Taliban-Regierung in Kabul bestätigte die pakistanischen Angriffe. Dem Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid zufolge gab es keine Verletzten. Die pakistanische Seite sprach von Dutzenden getöteten Taliban-Kämpfern.
Am Donnerstag hatten die afghanischen Streitkräfte nach Angaben der Taliban-Regierung eine „breit angelegte“ Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet gestartet. Dabei seien 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen und „Dutzende“ pakistanische Soldaten getötet worden. Weitere pakistanische Soldaten seien verletzt oder gefangengenommen worden.
Auf afghanischer Seite wurden bei der Offensive nach Angaben des Taliban-Verteidigungsministeriums acht Soldaten getötet. Das pakistanische Informationsministerium warf den afghanischen Streitkräften vor, „unprovozierte“ Angriffe an mehreren Orten in der pakistanischen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt zu haben.
Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte die pakistanische Armee tödliche Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban-Regierung sprach von mindestens 18 Toten. Sie wies pakistanische Angaben zurück, dass mindestens 80 afghanische Kämpfer getötet worden seien.
IS-Anschlag auf Moschee
Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.
Die pakistanische Regierung wirft den radikalislamischen Taliban vor, nicht gegen militante Gruppierungen vorzugehen, die von Afghanistan aus Angriffe im Nachbarland verüben. Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.
Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die Pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban bestreiten das.
Im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die beiden Nachbarländer vereinbarten zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.
Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als „Durand-Linie“ bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.
Source: n-tv.de