Taliban-Regierung: Explosionen und neue Gefechte zwischen Afghanistan und Pakistan

In der
Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan ist es zu neuen Gefechten
gekommen. Afghanische Truppen hätten in der Nacht zum Freitag „breit angelegte“
grenzüberschreitende Luftangriffe auf Militäreinrichtungen in Pakistan
geflogen, teilte Sabihullah Mudschahed, ein Sprecher der radikalislamischen Taliban-Regierung
mit.

Wenige Stunden später waren in der afghanischen Hauptstadt Kabul Explosionen zu hören. Der Taliban-Sprecher sprach von pakistanischen Luftangriffen in Kabul sowie in den Provinzen Kandahar und Paktia. Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar bestätigte die Luftangriffe im staatlichen Fernsehsender PTV.

Mudschahed
hatte zuvor gewarnt, sollte Pakistan Kabul oder andere Großstädte ​angreifen, werde Afghanistan im Gegenzug pakistanische
„Schlüsselzentren und wichtige Städte ins Visier nehmen“. Die ⁠Taliban ​strebten keine Ausweitung der Kämpfe an, würden ‌aber zurückschlagen.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die
Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen.
Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und
territoriale Integrität machen.

UN-Generalsekretär ist besorgt

UN-Generalsekretär
António Guterres hat Afghanistan und Pakistan angesichts der jüngsten Angriffe zur Deeskalation aufgefordert. Die Parteien sollten versuchen,
alle Differenzen auf diplomatischen Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben
seines Sprechers. Sie müssten ihren Verpflichtungen nach dem
Völkerrecht nachkommen und den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten.
Guterres verfolge die Berichte über die grenzüberschreitenden Zusammenstöße mit
Besorgnis.

Beide Seiten
beanspruchten zuletzt, gegnerische Posten zerstört oder eingenommen zu haben. Über Opfer der jüngsten Angriffe von Donnerstagnacht ist noch nichts bekannt. Zuletzt hatten die Taliban berichtet, in der Provinz Kunar etwa 40 pakistanische
Soldaten
getötet zu haben. Pakistanische Sicherheitskreise sprachen im Gegenzug von 22
getöteten Taliban-Kämpfern. Nach
Angaben der Vereinten Nationen kamen bei den pakistanischen Angriffen am
Sonntag mindestens 13 Zivilisten ums Leben. 

Vergeltung für mehrere Selbstmordanschläge

Die Beziehungen
zwischen den beiden ⁠Nachbarländern sind seit Langem ​angespannt.
Pakistan hatte am Sonntag Ziele mutmaßlicher Extremisten an der Grenze zu
Afghanistan angegriffen
– ‌als Vergeltung für eine ‌Reihe von
Selbstmordanschlägen von Islamisten
, für die Pakistan die
Taliban verantwortlich macht. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in
Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.

Pakistan wirft
den in Afghanistan herrschenden Taliban vor, Extremisten der Tehreek-e-Taliban
Pakistan (TTP) zu beherbergen. Die Taliban-Führung in Kabul weist dies zurück. Die
jüngsten Gefechte eskalierten nach einem Bombenanschlag auf eine schiitische
Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad
vor zwei Wochen, bei dem 31
Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren. Die Dschihadistenmiliz
Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Anschlag.

Im vergangenen
Oktober war es im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan bereits zu
einwöchigen Kämpfen mit mehr als 70 Toten und Hunderten von Verletzten gekommen.
Zwar verständigten sich beide Länder unter Vermittlung Katars und der Türkei auf
eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden
nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.