Neuer Kurs welcher Bischöfe: Weniger „Synodaler Weg“, mehr Weltkirche

Die deutschen Bischöfe haben signalisiert, sich künftig stärker am weltkirchlichen Reformprozess beteiligen zu wollen. Darauf deutet der am Donnerstag veröffentlichte Abschlussbericht ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg hin. Die Ausführungen lassen hingegen eine deutliche Distanz zum deutschen Reformprojekt „Synodaler Weg“ erkennen.
Die deutschen Bischöfe wollen zudem beim Vatikan eine Erlaubnis beantragen, dass Laien in Eucharistiefeiern predigen dürfen. Das untersagt das Kirchenrecht bisher, in der Praxis setzen sich Pfarrer und Bischöfe jedoch darüber hinweg. Dazu habe die Bischofskonferenz eine Ordnung des Predigtdienstes beschlossen, die qualifizierten und beauftragten Frauen und Männern das Predigen ermöglichen solle, erklärte Wilmer. Damit verwirklichten die Bischöfe einen Beschluss des „Synodalen Weges“.
Zur letzten Vollversammlung des „Synodalen Weges“ Ende Januar in Stuttgart heißt es in dem Abschlussbericht, es sei „nicht ganz einfach“ gewesen, „in der Versammlung weiterzugehen und die inzwischen erzielten Entwicklungen zu erarbeiten“.
Am Dienstag hatten die Bischöfe den Weg für die Einrichtung eines neuen nationalen Gremiums frei gemacht, das die Reformanliegen des „Synodalen Weges“ fortführen soll. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit mit dem Vatikan. In der sogenannten Synodalkonferenz sollen erstmals alle Ortsbischöfe gemeinsam mit Vertretern des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) sowie weiteren Mitgliedern über kirchliche und gesellschaftspolitische Themen beraten.
Stimmten alle Bischöfe dafür?
Damit die Synodalkonferenz ihre Arbeit aufnehmen kann, muss nun nur noch der Vatikan das Statut billigen. Die Bischöfe zeigten sich zuversichtlich. Der Text des Statuts sei eng mit den zuständigen Stellen in Rom abgestimmt worden, hieß es. Der neue Vorsitzende Wilmer kündigte an, dass er in dieser Angelegenheit in Kürze nach Rom reisen werde. Wie viele Gegenstimmen es in der Abstimmung über das Statut gab, blieb offen, erforderlich war eine Zweidrittelmehrheit.
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Passauer Bischof Stefan Oster hatten angekündigt, dem Gremium fernzubleiben. Ob sie diese Haltung im Falle eines vatikanischen Placet aufrechterhalten werden, ist derzeit offen.
Außerdem bekräftigten die Bischöfe ihre Ablehnung der AfD: „Völkischer Nationalismus und menschenverachtende Parolen der AfD haben in der katholischen Kirche keinen Platz“, sagte Wilmer am Donnerstag. „Wir verwahren uns davor, unsere Themen gleichsam billig zu kopieren und in nationalistisches Denken und Handeln umzuwandeln“, so Wilmer.
Kritik äußerten die Bischöfe zudem an der Reform des Europäischen Asylsystems GEAS. Man begrüße grundsätzlich, dass sich die EU-Staaten auf eine Reform geeinigt hätten, heißt es in einer Erklärung, die der Sprecher der Bischofskonferenz am Donnerstag verlas. Es sei jedoch nicht gewährleistet, dass vulnerable Personen an den Grenzen als solche erkannt würden.
Auch die Unterbringung von Familien mit kleinen Kindern in geschlossenen Lagern an den Grenzen beanstandeten die Bischöfe. Am deutschen Umsetzungsgesetz der Reform bemängelten sie, dass „humanitäre Spielräume“ nicht ausschöpft würden.
Source: faz.net