Das Erste-Vorwahlumfrage: Grüne umstellen in Baden-Württemberg an Union heran

Ein Schild ist vor dem Landtag von Baden-Württemberg zu sehen.

Stand: 26.02.2026 • 18:00 Uhr

Die CDU führt auch in der letzten ARD-Umfrage für die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Doch die Grünen sind deutlich an sie herangerückt – die beiden Parteien trennt noch ein Prozentpunkt.

Eins ist sicher: Nach der Wahl im drittgrößten Bundesland Deutschlands in zehn Tagen wird es einen neuen Ministerpräsidenten geben. Nach 15 Jahren gibt Winfried Kretschmann von den Grünen das Amt ab. An der Stelle endet es aber mit den Sicherheiten im Südwesten.

In der repräsentativen ARD-Vorwahlbefragung für Baden-Württemberg, die infratest dimap von Montag bis Mittwoch dieser Woche in dem Bundesland erhoben hat, sind die Grünen deutlich an die CDU herangerückt, die in Umfragen lange deutlich führte.

Die Grünen, die seit 2011 den Ministerpräsidenten im Bundesland stellen, könnten bei einer Wahl schon am kommenden Sonntag mit 27 Prozent rechnen. Die Partei fiele damit hinter ihr Ergebnis der letzten Landtagswahl zurück (2021: 32,6 Prozent). Im Vergleich zum letzten Baden-WürttembergTrend von vor einem Monat legt die Partei aber zu (+4).

Die CDU läge weiterhin besser als 2021 (24,1 Prozent) und verteidigt mit aktuell 28 Prozent knapp ihren Umfragevorsprung vor den Grünen, verliert aber zum Vormonat leicht an Rückhalt (-1).

FDP und Linke kämpfen um Einzug

Die AfD könnte mit den Werten der aktuellen Sonntagsfrage (18 Prozent) ihr Landtagswahlergebnis von vor fünf Jahren (9,7 Prozent) weiterhin fast verdoppeln.

Die SPD bliebe mit 7 Prozent erstmals in Baden-Württemberg einstellig und würde damit ihren Abwärtstrend im Bundesland fortsetzen (2021: 11 Prozent).

Die FDP würde zwar gegenüber 2021 (10,5 Prozent) einbüßen, wäre mit aktuell 6 Prozent jedoch abermals im Landtag vertreten, dem sie seit Beginn durchgängig angehört.

Gleichzeitig könnte die Linke erstmals in der Geschichte den Sprung in den Landtag in Stuttgart schaffen. Momentan liegt die Partei bei 5,5 Prozent (2021: 3,6 Prozent) und damit leicht schwächer als zu Jahresbeginn.

CDU soll Regierung führen

In der Umfrage wurden auch verschiedene Szenarien für nach der Wahl abgefragt. Im Laufe der vergangenen Monate lagen Grüne und AfD in Umfragen mitunter sehr nah beieinander.

In der Entscheidung zwischen einer Grünen-, CDU- oder AfD-geführten Landesregierung unterstützen 36 Prozent eine CDU-Führung; 34 Prozent eine Grünen-geführte Landesregierung. 19 Prozent wollen eine Koalition unter Führung der AfD. Eine Koalition mit der AfD haben jedoch alle anderen Parteien ausgeschlossen.

Mit Blick auf die aktuelle Sonntagsfrage geht es vor allem darum, ob Grüne oder CDU die Nase vorn haben. Wenn die Befragten sich zwischen einer CDU-geführten und einer Grünen-geführten Regierung entscheiden sollen, sprechen sich 48 Prozent für eine CDU-Führung aus, während 34 Prozent eine Grünen-geführte Landesregierung wollen.

Damit unterscheidet sich die jetzige Situation vor der Wahl klar von der vor fünf Jahren. Zwar wurde der grün-schwarzen Regierungsarbeit damals wie heute von etwa jedem Zweiten ein positives Zeugnis ausgestellt. Der Unterschied: 2021 hatte sich im Vorfeld der Wahl fast jeder Zweite (48 Prozent) für eine Grünen-geführte und nur jeder Dritte (33 Prozent) für eine CDU-geführte Landesregierung ausgesprochen. Hier konnte die CDU das Blatt also wenden.

Persönliche Bewertung: Grüne vor CDU

In einem Punkt jedoch hat die CDU weiter das Nachsehen: bei der Bewertung des Spitzenpersonals. Der Landes- und Fraktionschef der CDU, Manuel Hagel, will seine Partei wieder zurück an die Macht führen im einstigen CDU-Stammland, wo sie von 1953 bis 2011 durchgängig regierte.

Jeder Zweite im Bundesland kennt Hagel jedoch nicht oder traut sich kein Urteil über ihn zu. Mit 23 Prozent Zufriedenheit bleibt er zudem nicht nur hinter den Werten des scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zurück (59 Prozent), sondern ebenso hinter denen des Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir (49 Prozent), der im Land zudem sehr bekannt ist.

Zugespitzt werden die persönlichen Werte bei einer anderen Frage: Wenn die Befragten bei einer Direktwahl des Regierungschefs in dem Bundesland zwischen den beiden Kandidaten von Grünen und CDU entscheiden sollten, so würden sich 43 Prozent für Özdemir aussprechen, 28 Prozent für Hagel.

Umfrage ist keine Prognose

Diese Umfrage ist keine Prognose. Die Sonntagsfrage ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur begrenzt möglich.

Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Für zwei Drittel aller Wahlberechtigten steht die Wahlentscheidung der Befragung zufolge fest. Jeder siebte Wahlberechtigte in Baden-Württemberg gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Jeder Sechste tendiert zur Nichtwahl beziehungsweise lässt bislang keine Neigung zu einer Partei erkennen.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Baden-Württemberg (ab 16 Jahren)
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
Erhebungszeitraum: 23. bis 25. Februar 2026
Fallzahl: 1.530 Befragte (898 Telefoninterviews und 632 Online-Interviews)
Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
Sonntagsfrage mit separater Gewichtung
Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Durchführendes Institut: infratest dimap

Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1.000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

Source: tagesschau.de