Dax steigt nur Leicht: Keine Euphorie nachher den Zahlen von Nvidia

Trotz der überzeugenden Nvidia-Zahlen ist der Dax
am Donnerstag nur mühsam vom Fleck gekommen. Der deutsche Leitindex notierte mit 25.213 Zählern knapp im Plus, der Euro Stoxx50 markierte mit 6198,02 Zählern zwar ein frisches Rekordhoch, kam aber ebenfalls lediglich in kleinen Schritten vorwärts. „Die Top-Zahlen von Nvidia reichen nicht aus, um den KI-Hype zurückzubringen“, konstatiert Thomas Altmann von QC Partners. „Die Anleger bleiben vorsichtig.“
Der Bedarf an Hochleistungsprozessoren für Künstliche Intelligenz verhalf Nvidia zu einem überraschend starken Quartalsergebnis. Um das Wachstum zu beschleunigen, will der weltgrößte Chipkonzern seine Investitionen ausweiten. Die Papiere stiegen im vorbörslichen US-Handel um gut ein Prozent, der europäische Tech-Index rückte um 0,6 Prozent vor. Die Bilanz von Nvidia sei Fluch und Segen zugleich, sagte Jochen Stanzl von der Consorsbank. „Wenn der KI-Ausbau schneller verläuft als gedacht, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies ebenso für die KI-Disruption gilt.“
Anleger spekulieren, dass durch KI bestehende Geschäftsmodelle oder Arbeitsweisen grundlegend verändert oder durch effizientere Alternativen ersetzt werden. Aktien vieler Branchen verzeichneten daher in den vergangenen Wochen deutliche Kursverluste. Am Donnerstag fielen die Papiere von Salesforce im vorbörslichen US-Handel um vier Prozent, nachdem die Ziele des SAP-Rivalen für das aktuelle Geschäftsjahr hinter den Markterwartungen zurückgeblieben sind. Investoren befürchten, dass KI klassische Firmensoftware überflüssig machen könnte.
Doch nicht nur die Bilanzen von US-Konzernen, auch zahlreiche deutsche Unternehmen bewegten am Donnerstag die Gemüter. Im Dax konnte die Allianz trotz eines Rekordgewinns nicht bei den Anlegern punkten. Die Papiere verloren bis zu 2,4 Prozent. Laut einem Börsianer enttäuschte das Ergebnisziel für 2026, das der Versicherer üblicherweise auf dem im Vorjahr erwirtschafteten operativen Gewinn aufsetzt. Der Konzern prognostizierte 17,4 Milliarden Euro plus/minus eine Milliarde.
Versicherer verlieren
Noch deutlicher im Minus notierten die Aktien der Münchener Rück, sie gaben in der Spitze 4,1 Prozent nach. Mit 6,12 Milliarden Euro lag das Konzernergebnis zwar über dem Vorjahr und über der eigenen Zielmarke, aber unter den Schätzungen der Analysten. Sie hatten dem weltweit zweitgrößten Rückversicherer 6,21 Milliarden zugetraut.
Auf Tauchstation gingen auch Freenet nach der Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen. Die Aktien des Mobilfunk- und TV-Anbieters brachen im MDax zeitweise um mehr als zwölf Prozent ein. Der operative Gewinn und der Free Cash Flow seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben, kommentierte Analyst Shekhan Ali von der Berenberg Bank. Bei Puma regte dagegen ein geringerer Betriebsverlust als erwartet die Kauflaune an. Die Titel rückten im MDax um bis zu neun Prozent vor. Die Aktien von Adidas gewannen im Dax 1,6 Prozent.
Kursfeuerwerk in Spanien
An der spanischen Börse zündete Indra ein Kursfeuerwerk. Das spanische Verteidigungs- und Technologieunternehmen meldete für 2025 einen mehr als verdoppelten Auftragsbestand und ein robustes Wachstum in allen Geschäftsbereichen. Die Aktien schossen um mehr als 20 Prozent nach oben. In Paris griffen die Investoren bei den Aktien des Industriekonzerns Schneider Electric zu, der ein stärker als erwartet ausgefallenes Kernergebnis vermeldete. Die Aktien rückten um fünf Prozent vor.
Im Blick behielten die Anleger auch die Geopolitik. Investoren hofften, dass die USA und der Iran bei ihrer dritten Verhandlungsrunde im Atomstreit eine diplomatische Lösung finden. Die USA haben mit einem Militärschlag gedroht, sollte keine Einigung gelingen. Vor allem am Ölmarkt werden die Gespräche genauestens verfolgt. Befürchtet werden Lieferunterbrechungen im Falle eines militärischen Konflikts. Das Ergebnis der Verhandlungen werde entscheidend für die Entwicklung der Ölpreise sein, schrieben die Analysten von ING in einem Kommentar. Eine konstruktive Lösung könnte den Markt demnach dazu veranlassen, die Risikoprämie von bis zu zehn Dollar pro Barrel schrittweise abzubauen. Am Donnerstag verbilligten sich das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI um jeweils 1,8 Prozent auf 69,59 beziehungsweise 64,21 Dollar je Fass, nachdem die US-Rohölbestände so stark wie seit drei Jahren nicht mehr gestiegen sind.
Source: faz.net