Verlustreiche Eroberung beendet?: ISW: Pokrowsk wohl Liebenswürdigkeit – ohne Nutzen pro Russland

Verlustreiche Eroberung beendet?ISW: Pokrowsk wohl gefallen – ohne Nutzen für Russland

26.02.2026, 13:27 Uhr

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Russische Soldaten posieren Anfang Dezember 2025 in Pokrowsk. Russland behauptete bereits mehrmals, die Stadt eingenommen zu haben. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Seit mehr als anderthalb Jahren tobt die Schlacht um Pokrowsk. Nun soll es der russischen Armee gelungen sein, die Stadt im Donbass zu erobern. Die Einnahme bringt Russland seinem großen Ziel aber nicht wirklich näher, sind Experten überzeugt.

Das Institute for the Study of War (ISW) geht davon aus, dass die Stadt Pokrowsk in der ukrainischen Region Donezk an Russland gefallen ist. Das schreibt das in Washington ansässige Institut in seinem täglichen Update zum Kriegsgeschehen in der Ukraine. Das ISW habe seit Ende Januar keine ukrainischen Aktivitäten in der ehemaligen Bergbau- und Industriestadt im Donbass beobachtet, begründen die Analysten ihre Annahme.

Wahrscheinlich hätten die russischen Truppen Pokrowsk daher bereits zu einem unbestimmten Zeitpunkt in den vergangenen Wochen vollständig erobert. Der Militärblog „DeepStateMap“ zeigt Pokrowsk als fast vollständig erobert an. Lediglich ein winziger Teil im Nordosten der Stadt, die vor Kriegsbeginn im Februar 2022 rund 60.000 Einwohner hatte, wird noch als umkämpft angegeben (Stand 24. Februar).

Nach Angaben der ISW-Experten zeigt die aktuelle Frontsituation aber, dass die russischen Streitkräfte den Erfolg nicht für sich nutzen und ausbauen konnten. Auch nach dem mutmaßlichen Fall der Stadt gebe es in diesem Frontsektor wie auch in den Monaten zuvor kaum Bewegung.

Die Militärkarte von DeepState zeigt in diesem Bereich ebenfalls keine nennenswerten russischen Fortschritte seit der mutmaßlichen Einnahme Pokrowsks. Die russische Behauptung, dass der Fall Pokrowsks den Weg für die vollständige Eroberung des Donbass frei machen würde und diese unmittelbar bevorsteht, werde damit widerlegt, konkludiert das ISW.

Nach Ansicht des ISW verlor Pokrowsk seine operative Bedeutung zudem spätestens im Winter des vergangenen Jahres, als Russland seine Offensivbemühungen in diesem Bereich der Front verstärkte. Seit Juli 2025 habe die ukrainische Armee Pokrowsk aufgrund der ständigen russischen Luftangriffe schon nicht mehr zuverlässig als Logistikstandort nutzen können, schreiben die Militärexperten in ihrem Bericht.

Das russische Militär hatte seit Mitte 2024 versucht, die vollständige Kontrolle über Pokrowsk zu erlangen. Sollte die Stadt jetzt also gefallen sein, hätte Russland mehr als anderthalb Jahre für die Eroberung gebraucht. Dabei ist Pokrowsk deutlich kleiner als Slowjansk und Kramatorsk, Donbassstädte, die sich weiterhin fest in ukrainischer Hand befinden.

Quelle: ntv.de, lar

Source: n-tv.de