IT-Dienstleister: Bechtle arbeitet sich aus jener Flaute

Der IT-Dienstleister Bechtle hat sein Geschäft Ende 2025 deutlich ausgeweitet und setzt damit den Aufschwung nach einer längeren Durststrecke fort. Vorstandschef Thomas Olemotz zeigte sich für die weitere Entwicklung zuversichtlich und vorsichtig zugleich: „Wir gehen auch für 2026 davon aus, dass sich Bechtle positiv entwickeln wird, wenngleich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd bleiben.“ Insbesondere die zum Teil deutlichen Preiserhöhungen der Hersteller und mögliche Lieferschwierigkeiten könnten sich im weiteren Jahresverlauf belastend auswirken, sagte er.

Der Umsatz legte nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr insgesamt um rund 2 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zu. Der Vorsteuergewinn lag bei rund 324 Millionen Euro, und damit etwa 6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Bechtle, in Neckarsulm bei Heilbronn ansässig, hatte wegen der schwachen Konjunktur lange unter der Zurückhaltung der Kunden aus dem Mittelstand und von Behörden gelitten.

Der Kurs der im M-Dax notierten Aktie war in den vergangenen sechs Monaten um gut ein Fünftel gesunken, er notierte zuletzt bei 32,44 Euro. Die Mehrzahl der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten empfahlen das Pa­pier zum Kauf. Sie erwarten in den kommenden zwölf Monaten einen Kurs zwischen 32 und 56 Euro. So senkte die UBS nach den Quartalszahlen das Kursziel von 50,50 auf 47,50 Euro, die Ein­stufung beließ sie aber auf „Kaufen“.

Speicherchips werden knapp

Nach den Zahlen zum vierten Quartal habe er seine Gewinnprognosen (EPS) für 2026 und 2027 reduziert, schreibt Christopher Tong von UBS. Die zugrunde liegenden Geschäftstrends seien gut, allerdings dürften die hohen Preise für Speicherchips das Er­holungspotential begrenzen.

Bechtle rüstet Kunden mit PCs und Netzwerkgeräten aus und vertreibt selbst Hardware über den eigenen Online­handel. Zuletzt sind hauptsächlich die Preise für Speicherchips stark gestiegen, weil sie im Zuge des Ausbaus von Rechenzentren und Infrastruktur für Künstliche Intel­ligenz knapp geworden sind und auf Sicht wohl auch bleiben. Vorstandschef Olemotz, der seit 2009 an der Spitze steht und zum Jahresende aufhört, sagte: „Bei PCs haben wir bereits Preis­steigerungen von über 10 Prozent gesehen. Bei Servern und Storage-Systemen erwarten wir noch deutlichere Steige­rungen.“

Das Umfeld sei aber sehr dynamisch; insofern seien verlässliche Prognosen derzeit besonders schwierig. „Wir verfolgen die Entwicklungen selbstverständlich sehr eng, sind im intensiven Austausch mit unseren Herstellerpartnern und Kunden und bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor.“

Stabile Aktionärsstruktur

Bechtle zeichnet sich durch eine sta­bile Aktionärsstruktur aus. 35 Prozent der Anteile hält die Familie Schick rund um den inzwischen verstorbenen Mitgründer Gerhard Schick. Unter anderem kommen Flossbach von Storch auf 10 Prozent und Blackrock auf 3 Prozent der Anteile. Der Streubesitz wird aktuell mit fast 52 Prozent angegeben. Die Marktkapitalisierung betrug zuletzt etwas mehr als 4 Milliarden Euro. Das Geschäftsvolumen von Bechtle stieg den Angaben zufolge im Gesamtjahr 2025 um rund 8 Prozent auf fast 8,6 Milliarden Euro.

Bechtle darf sich Softwareverkäufe nicht komplett als Umsatz anrechnen, weist diese aber in der Kennzahl Geschäftsvolumen voll aus. Im vierten Quartal allein habe das Geschäftsvolumen um mehr als 16 Prozent angezogen. Das Vorsteuerergebnis kletterte in den vergangenen drei Monaten um über ein Fünftel auf 121 Millionen Euro, das sei ein Rekordwert.

Bechtle ist in 14 Ländern in Europa aktiv. Das Nachbarland Frankreich bleibt aus Sicht des Unternehmens „aufgrund der politischen Rahmenbedingungen“ ein herausfordernder Markt. „Wir haben bereits 2025 gesehen, dass in der Benelux-Region, in Großbritannien oder auch in Spanien die Nachfrage nach IT-Lösungen auf konstant hohem Niveau war. Wir erwarten auch für 2026 positive Impulse aus diesen Märkten“, sagte der Vorstandschef.

In Deutschland habe sich zwar die Investitionsaktivität der Kunden der öffentlichen Hand spürbar erhöht; für den deutschen Mittelstand müsse man nach heutigem Stand jedoch auch für das laufende Jahr mit einer gewissen Zurückhaltung rechnen.

Branchenübergreifend sind es die mittelständischen Unternehmen in Deutsch­land und Frankreich, die sich mit Investitionen zurückhalten. Ihnen fehle oft die nötige Sicherheit, um Investi­­­tionen in die Zukunft zu tätigen. „Das liegt zum einen sicherlich am konjunk­turellen Umfeld. Zum anderen stellen die sprunghaften Technologieentwicklungen und die steigende Komplexität der IT aber auch eine gewisse Heraus­forderung im Umgang mit den Chancen der Di­gitalisierung dar“, sagte Olemotz weiter.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Papier wurde zuletzt mit etwas mehr als 19 angegeben. Je niedriger die Kennziffer ist, desto preisgünstiger und attraktiver ist eine Aktie im Allgemeinen. Das KGV gibt an, in wie vielen Jahren bei konstanten Unternehmensge­winnen Anleger den Wert erhalten, den sie für einen Anteilsschein bezahlt haben.

Source: faz.net